Bund und Länder haben sich auf eine gemeinsame Strategie zur Benachrichtigung von Corona-Kontakten mittels App geeinigt. Der gemeinsame Beschluss empfiehlt den Ansatz des PEPP-PT-Konsortiums zur Identifikation und Nachvollziehbarkeit von möglichen Infektionsketten.
Der Ansatz sieht vor, dass Kontaktinformationen in anonymisierter Form mittels Bluetooth-Technologie und für drei Wochen auf den Geräten der Benutzenden ohne die Erfassung des Bewegungsprofils gespeichert werden. Wenn ein Kontakt positiv getestet wurde, sollen alle in der Kette darüber informiert werden, ohne dass man wissen muss, wer genau welcher Kontaktpunkt war. Die Verwendung der Technologie soll auf freiwilliger Basis geschehen. Ein Ziel ist, Infektionsherde schnell zu identifizieren und unter Quarantäne zu stellen, damit das öffentliche Leben wieder hochfahren kann, wie Angela Merkel in ihrer Pressekonferenz erklärte.
Alle unabhängigen Tracing-App-Entwickler:innen werden laut der Beschlussvorlage „eindringlich“ gebeten, „das zugrundeliegende Architekturkonzept“ zu nutzen, damit alle Angebote kompatibel seien. „Ein Flickenteppich von nicht zusammenwirkenden Systemen würde den Erfolg der Maßnahme zunichte machen“.
Veröffentlichung des Standards auf Ende April vertagt
Der Launch der PEPP-PT-Technologie war für diese Woche angekündigt. Sie wurde aber jetzt auf Ende April verschoben. Die Technologie soll Quelloffen sein und offene Schnittstellen zur Verfügung stellen. Wie genau ein möglicher offener Governance-Prozess für eine Mitarbeit zur Weiterentwicklung aussehen wird, ist bisher noch nicht bekannt.
Mit dem Beschluss kommt erst mal Klarheit in die Debatte. In den vergangenen Wochen wurden verschiedenste Szenarien und Anwendungsfälle rund um eine mögliche „Corona-App“ durcheinander geworfen. Am Montag hatten Forschende der Leopoldina in ihren Empfehlungen an die Bundesregierung den Einsatz einer solchen Tracing-App in Verbindung mit GPS-Daten empfohlen. Eine Verbindung beider Technologien würde den anonymen Einsatz zunichtemachen. Es ist gut, dass Bund und Ländern diesen Empfehlungen nicht folgen.
