Die an Flughäfen und Bahnhöfen eingesetzte Technologie zur Gesichtserkennung ist anfällig für gefälschte Passbilder, wie heise zuerst berichtete. Der Bericht kommt zu einer Zeit, in der die UN-Luftfahrtorganisation empfiehlt, auf kontaktlose Personenkontrolle an Flughäfen umzustellen, um die weltweite Corona-Pandemie einzudämmen.
Die beiden Forscher Jesse Chick und Steve Povolny haben es geschafft, eine modellierte Gesichtserkennung mithilfe von bearbeiteten Passbildern zu täuschen. Die Studie wurde vom Unternehmen McAfee finanziert, Ziel der Wissenschaftler war es also, Schwachstellen zu finden und so die Technologie zu verbessern. Eine grundsätzliche Kritik an biometrischen Verfahren wird nicht geäußert.
Computergenerierte „gemorphte“ Passbilder
Hinter der Täuschung steckt ein Verfahren, in dem relevante Merkmale – wie der Abstand zwischen den Augen und die Kopfform – einer Person solange mit denen einer anderen Person verschmolzen werden, bis das Bild einer fiktiven dritten Person entsteht. Die beiden Forscher nutzten in der Studie Fotos von sich selbst, jeweils 1.500.
Das computergenerierte Passbild aus beiden Gesichtern ist nicht als Fälschung erkennbar: In solchen sogenannten „gemorphten“ Bildern verschmelzen die Gesichter quasi ineinander. Für den menschlichen Betrachter sieht es aus wie ein Bild von Jesse Chick, die Gesichtserkennungs-Software erkennt jedoch die Merkmale von Steve Povolny.
Bei einer automatisierten Grenzkontrolle könnte Steve Povolny wohl unter falscher Identität einreisen. Bisher wurde die Täuschung jedoch lediglich im Labor mit einer quelloffenen Version der Gesichtserkennungs-Software FaceNet und nicht im Einsatz vor Ort getestet. Das wäre auch nicht ganz ungefährlich, denn in der Praxis käme man schnell in den Bereich Betrug und Urkundenfälschung.
Passfotos nur noch unter Aufsicht
Voraussetzung für die Einreise als Doppelgänger wäre, dass Povolny es schafft, das bearbeitete Foto in die Datenbank einzuschleusen, mit der die Gesichtserkennung alle Passagiere abgleicht. Dass das kein unwahrscheinliches Szenario ist, zeigt eine Aktion des Peng-Kollektivs. Den Aktivist:innen war es 2018 gelungen, eine Fotomontage in einen deutschen Reisepass zu schmuggeln.
Um diesem Morphing als Form der Manipulation in Deutschland zukünftig vorzubeugen, sollen Passfotos nur noch unter Aufsicht der Behörden oder von registrierten Fotograf:innen aufgenommen werden dürfen. Die Bundesregierung hat im Juni ein entsprechendes Gesetz beschlossen, der Bundestag muss noch zustimmen.
