Maker-Kultur in der Coronakrise

Basteln ist gut für die Gesundheit

Karneval ist vorbei und dennoch sind Masken gerade wieder schwer im Kommen. Das Bedecken von Mund und Nase schützt Mitmenschen vor der Ansteckung mit dem Coronavirus. Kaufen sollte man sie allerdings nicht, denn sonst fehlen sie in Krankenhäusern und Praxen. Sie selbst herzustellen, macht sowieso mehr Spaß.

Eine Werkbank, auf der ein 3D-Drucker steht und viel Zubehör herumliegt.
Nicht kaufen, selbst machen! Alle Rechte vorbehalten @verstehbahnhof

Es ist zwar eine gute Idee, Masken als Infektionsschutz über Mund und Nase zu tragen: „Aber das sollte eine Maske sein, wie man sie im Krankenhaus nicht tragen würde“, sagte der Virologe Christian Drosten im NDR-Corona-Update am Dienstag. Denn medizinische Masken werden knapp, das ist in Deutschland genauso ein Problem wie in allen anderen Ländern.

Trotz des Verbotes von Stationsbesuchen würden angebrochene Packungen medizinischer Masken aus Kliniken gestohlen, erzählt Drosten. Es ist überflüssig zu sagen, dass das verantwortungslos ist. Aber falls die Diebe hoffen, sich selbst mit den ergaunerten Masken vor einer Ansteckung mit COVID-19 zu schützen, irren sie. Drosten stellt klar: Die Bedeckung von Mund und Nase schütze eher Mitmenschen, nicht einen selbst, vor den Tröpfchen, die man unweigerlich beim Ausatmen versprühe – und damit vor der Verbreitung des Virus.

Masken-Bastelanleitungen für unterschiedliche Stadien der Langeweile

Masken helfen demnach zusätzlich zum Händewaschen und Abstandhalten dabei, das Virus nicht weiterzugeben. Jede Einzelne kann also helfen, das Gesundheitssystem nicht noch weiter zu überlasten. Vorausgesetzt, sie trägt keine der Masken, die Ärzt:innen und Pflegekräfte dringend brauchen. Sondern anstelle dessen zum Beispiel einen Schutz aus einem ungeliebten T-Shirt, einen selbst genähten Mund- und Nasenschutz mit lustigem Muster oder aber ein Plexiglasvisier aus dem 3D-Drucker – die Links führen jeweils zu Anleitungen zum Nachmachen.

Ein Balkendiagramm, das zeigt, wie viele Partikel aus der Atemluft verschiedene Haushaltsmaterialen in Prozent auffangen. Operationsmasken: 89 %, Staubsaugerbeutel 86 %, Geschirrtuch 73 %, Baumwoll-T-Shirt 70%, antimikrobieller Kissenbezug 68%, Leinen 62%, Kissenbezug 57%, Seide 54%, T-Shirt aus 100% Baumwolle 51%, Schal 49%
Egal, aus welchem Material ihr einen Mundschutz improvisiert – in jedem Fall ist es besser einen zu tragen als darauf zu verzichten. Screenshot: maskeauf.de

Das Hong-Konger Universitätsklinikum teilte schon im Februar ein Video mit einer Anleitung für Schutzmasken aus Küchenpapier. Das geht schnell, wenn man zum Einkaufen möchte und sonst nichts zur Hand hat. Aber wer weiß, ob nicht als nächstes das Küchenpapier knapp wird. Wer ein bisschen mehr Zeit und Muße hat und nähen kann (oder die Quarantäne nutzen möchte, um es zu lernen), kann sich auch die Atemmasken-Nähanleitung inklusive Schnittmuster (PDF) der Essener Feuerwehr herunterladen. So ein Modell könne auch bei 60 Grad in der Waschmaschine oder im Backofen desinfiziert und dann wiederverwendet werden, sagt Drosten.

Wie gut verschiedene Haushaltsmaterialen die Atemluft filtern, dazu hat die Uni Cambridge 2013 eine Studie gemacht. Grundsätzlich ist alles denkbar: Auch ein über Mund und Nase gezogener Schal habe schon eine Wirkung, betont Drosten. Vor allem der psychologische Effekt von bedeckten Gesichtern sei nicht zu unterschätzen. Denn wenn viele Menschen auf der Straße ihr Gesicht bedeckten, würde die Krise sichtbarer für Menschen, die sie bisher nicht besonders ernst nehmen.

Warum kaufen, wenn man Masken auch ausdrucken kann

Für mehr Sichtbarkeit und einen höheren Coolness-Faktor von Atemmasken möchten die Initiator:innen der Kampagne #maskeauf sorgen. Promis wie Rezo, Joko Winterscheidt und Charlotte Roche zeigen sich selbst mit Maske auf ihren Social-Media-Kanälen. „Das wird der sinnvollste Modetrend aller Zeiten“, schreiben sie auf der Kampagnen-Website. Und warum eigentlich nicht: In asiatischen Ländern gibt es schon seit längerem schicke Modelle. Sie werden dort normalerweise viel getragen, um sich vor der Luftverschmutzung in Städten zu schützen oder als Allergiker:in vor Pollenflug.

Alle, die einen 3D-Drucker herumstehen haben, können für sich, Freund:innen und Bekannte aber auch ein Virenschutzvisier ausdrucken. So ein Visier bedeckt das ganze Gesicht und schützt deshalb noch besser als eine Atemschutzmaske. So wird es auch so gut wie unmöglich, sich selbst ins Gesicht zu fassen, was ebenfalls einer Ansteckung vorbeugen kann. Was man braucht, um ein Schutzvisier mit dem 3D-Drucker herzustellen, wie es geht und wie lange es dauert, erklärt Anke-Domscheit Berg unserem Chefredakteur Markus Beckedahl im Telefoninterview.


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3 Ergänzungen
  1. bin jetzt nicht sicher ob ich bevorzugt mein baumwoll tshirt zur maske verarbeiten soll, oder doch lieber das tshirt aus 100% Baumwolle.
    die Grafik ist dezent irritierend.

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