Was Friedrich Merz versagt blieb, wird für ihn nun wahr. Carsten Maschmeyer hat das Comeback in die große Wirtschaft und Politik geschafft und wird neuer Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG. Mit seinem guten Verbindungen zum Hannoveraner Adel und seinen exzentrischen Ideen soll er dem schlingernden Großkonzern wieder auf die Sprünge helfen. Sein Ausflug in das Privatfernsehen als Start-Up-Mentor hat ihn dazu inspiriert, bei VW jetzt auf die Cloud zu setzen. Wir trafen ihn am Rande eines Automobilkongresses.
netzpolitik.org: Herr Maschmeyer, trotz Diesel-Skandals und Strafzahlungen in Milliardenhöhe zumindest in den Vereinigten Staaten: Dürfen wir wieder in VW-Aktien investieren, was raten Sie uns Kleinanlegern?
Maschmeyer: Grundsätzlich ja. VW hat sich in den letzten Jahren, was den Megatrend Digitalisierung angeht, hervorragend entwickelt. Das geht leider in der Debatte etwas unter. Man muss nämlich auch mal sagen: Unsere Ingenieure und Programmierer haben viel Zeit und Kraft hineingesteckt, eine spezielle Software zu schreiben, die eigenständig den Motor steuern und auch die Merkmale eines Abgastestzentrums erkennen kann. Ich bewundere diesen Aspekt des Fortschritts. Das dann Wirtschaftskriminalität zu nennen ist für mich Ausdruck einer typisch deutschen Neiddebatte.
netzpolitik.org: Was planen Sie bei VW für die nächsten Jahre?
Maschmeyer: Wir werden in dieser Zeit die spannendsten Innovationen und höchsten Investments sehen, die VW bisher hatte. Ich sehe die größten Potentiale in der Cloud. Wenn wir einmal diesen Speicherplatz haben, eröffnen sich uns ganz neue Geschäftsfelder – ganz abgesehen davon, dass wir dann die Hardware-Nachrüstungen umgehen können, weil wir die Abgase direkt in die Cloud leiten können. Dieses radikale Umdenken ist nun einmal mein Markenzeichen und deswegen wollte man mich auch.
netzpolitik.org: Der Ex-Bundespräsident Christian Wulf und Altkanzler Gerhard Schröder wurden in den vergangenen Tagen immer wieder an der Wolfsburger Konzernzentrale gesichtet. Hatten die etwas mit ihrer jetzigen Berufung zu tun?
Maschmeyer: Natürlich kennt man sich. Aber das hat nichts miteinander zu tun. Das Leben hat es sehr gut mit mir gemeint. Deshalb will ich etwas zurückgeben. Andere schreiben einen Scheck, das ist in einer Minute erledigt. Danach kümmern sie sich um nichts mehr. Das ist mir zu wenig, ich möchte die Wirtschaft stärken und ihr Antreiber, ja wenn Sie so wollen, ihr Motor sein. Ich bin überzeugt, dass wir bei VW der Welt, aber auch der Umwelt, etwas Gutes tun. Einerseits durch Investitionen, andererseits durch Inspiration.
netzpolitik.org: Vielen Dank für das Gespräch.
Dies ist ein Beitrag der Ausgabe zum 1. April 2019, Inhalte sind teilweise frei erfunden und unrichtig.
