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Geheimprojekt: Facebook testet mit Airbus Internet-Drohnen in Australien

In Australien testet Facebook mit dem Rüstungskonzern Airbus Drohnen, die einen drahtlosen Internetzugang in den entlegensten Gegenden der Erde ermöglichen sollen. Wir veröffentlichen ein Dokument, das erstmals Einblick in Facebooks neues Drohnenprogramm liefert.

CC-BY 4.0 Oliver Hinzmann

Facebooks Ehrgeiz ist riesig. 20.000 Meter hoch, um genau zu sein. Der Konzern arbeitet seit Monaten an einem geheimen Projekt, das ihn vom sozialen Netzwerk zu einem globalen Internetbetreiber transformieren soll. Wir veröffentlichen ein Dokument, das zeigt, wie Airbus und Facebook dafür in Australien Drohnentests planen.

Mit Hilfe der Airbus-Drohne Zephyr möchte der Social-Media-Konzern künftig aus der Stratosphäre Internet auf die Erde strahlen. Die Drohnen steigen den Plänen nach in eine Höhe von 20 Kilometern auf. Dort nehmen sie per Mikrowellen-Strahlung Verbindung zum Boden auf. Selbst entlegene Erdgegenden sollen damit online gebracht werden – und Facebook nutzen.

Die Airbus-Drohne Zephyr Alle Rechte vorbehalten Airbus

Sein eigenes Drohnen-Projekt hat Facebook vergangenes Jahr begraben. Unter dem Codenamen Aquila baute der Konzern vier Jahre lang an einem Fluggerät. Das Projekt versandete, nachdem führende Mitarbeiter im Mai 2018 die Firma verließen. Doch Facebook hat seine Ambitionen nie aufgegeben. Facebook plante bereits vor dem Ende seines hauseigenen Drohnen-Programms Tests mit dem europäischen Rüstungskonzern Airbus.

Vertreter von Facebook und Airbus trafen im April 2018 die EU-Kommission. Thema des Gesprächs: Internet aus der Stratosphäre durch Zephyr-Drohnen. Das Fluggerät könne in Europa beim Vernetzen von Städten helfen, heißt es in einer Gesprächsnotiz, über die wir berichteten. Facebook gibt sich aber bisher scheu zu seinem Interesse an der Drohne – öffentlich dazu sagen möchte der Konzern nichts.

Drohnenstarts am Nordrand Australiens

Das von uns veröffentlichte Dokument gibt einen seltenen Einblick in Facebooks neues Drohnenprojekt. Wie daraus hervorgeht, trafen sich Vertreter von Airbus zwischen März bis September 2018 zumindest 18 Mal mit Australiens Luftfahrtbehörde. Die Behörde händigte uns auf Anfrage nach dem australischen Informationsfreiheitsgesetz ihre Notizen zu den Treffen aus. Das Dokument zeigt die Anstrengungen von Airbus um Genehmigung der Drohnen-Tests.

Die Drohne soll in Wyndham im Norden Australiens getestet werden. Karte: Open Street Map, Lizenz ODbL

Geplanter Schauplatz der Tests war der Flugplatz Wyndham im Norden Australiens. Die Ladung, gemeint ist wohl High-Tech-Netzwerkausrüstung, stammt laut Unterlagen von Facebook. Erste Flüge waren für November und Dezember geplant. Doch es ist unklar, ob sie tatsächlich stattfinden konnten. Weder Facebook noch Airbus wollten auf Anfrage von netzpolitik.org darüber sprechen.

Facebook ließ sich nur zwei dünne Sätze über sein Drohnen-Projekt entlocken. „Wir arbeiten weiter mit Partnern an Konnektivität durch Höhenplattform-Systeme (HAPS). Wir haben derzeit keine weiteren Details mitzuteilen“, schrieb ein Sprecher an uns. Airbus antwortete nicht auf wiederholte Anfragen.

Über die Ziele seines Drohnenprogramms schweigt Facebook sich aus. Unklar ist auch, wie Breitbandanbindung via Drohne technisch funktionieren soll. In einem Blogeintrag 2017 beschrieb Facebook eine ultraschnelle Datenverbindungen via Mikrowellenstrahlen, räumt aber ein, dass die Technik sich noch in der Testphase befindet.

Zephyr: Gemacht für den Krieg

Hauptabnehmer für die Airbus-Drohne war bisher das Militär. Im Jahr 2016 kauften die britischen Streitkräfte drei Stück für je 4,3 Millionen Pfund. Die Drohne wird dort für militärische Aufklärung genutzt. Zephyr bringe das Vereinte Königreich an die „Schnittstelle von Kommunikation und Überwachung“, jubelte ein General. Erwirbt Facebook die Drohne, hat der Konzern ein Stück modernster Militärtechnik in der Hand.

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Airbus prahlt in Pressemitteilungen mit beachtlichen Leistungen seiner Zephyr-Drohne. Das Modell S, das Airbus und Facebook in Australien testen, schaffte im Vorjahr einen Dauerflug von 26 Tagen. Die Drohne mit einer Flügelspanne von 25 Metern kann sich selbst über Solar-Paneele in der Luft aufladen und wird dadurch zu einer Art Satellit.

Internet für Milliarden Menschen

Das Projekt ist der wohl ambitionierteste Teil von Facebooks Bemühungen, die schätzungsweise vier Milliarden Menschen ohne Internetanbindung ins Netz zu bekommen. Facebook steht nicht alleine da: Google arbeitet an Project Loon, das ähnliche Ziele mittels Heißluftballonen verfolgt. Die großen Internetkonzerne verlegen eigene Unterseekabel, um den Datenhunger ihrer User zu bewältigen. Mit Google Fi ist der Konzern in den USA zudem selbst bereits Handy-Netzprovider. Internet per Drohne oder Ballon wäre der nächste große Schritt.

Die Infrastruktur-Pläne der Internetfirmen sorgen schon lange für Kritik. In Ländern wie Ägypten und Nigeria bietet Facebook „Free Basics“ an. Nutzer können damit Facebook-Dienste nutzen, ohne teures Datenvolumen zu verbrauchen. In einigen Ländern sind Facebook und sein Messengerdienst WhatsApp praktisch zum Synonym für Internet geworden. Experten warnen deshalb vor einem Ende der Netzneutralität, in Indien wurde „Free Basics“ deswegen von der Regulierungsbehörde gestoppt.

Sein neues Drohnenprojekt könnte Facebook helfen, außerhalb der gesättigten Märkte in den Industriestaaten weiter zu wachsen und seine Marktposition in vielen Orten des globalen Südens zu stärken. Bisher war der Konzern dafür auf neue Kabel und lokale Partner angewiesen. Glückt die Kooperation mit Airbus, schiebt sie den zuletzt krisengebeutelten Konzern vielleicht bald in unerreichte Höhen.

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