Facebook führt im Herbst einen separaten Feed für Nachrichtenartikel ein

Facebook kündigt für den Herbst einen eigenen Menüpunkt und einen eigenen Newsfeed für Nachrichtenartikel an. Die Änderung ist das nächste Kapitel in einer Reihe von Experimenten in der Verbreitung journalistischer Inhalte. Verlage werden wohl auch dieses Spiel mitspielen, haben sie doch bis heute kaum eine Alternative, um online Reichweite zu erzielen.

Schon eine kleine Änderung an Facebooks Algorithmus kann die Werbeumsätze einiger Verlage schmelzen lassen. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Matt Popovich

Jetzt also doch: Nachdem Facebook seine Versuche mit einem eigenen Newsfeed für Nachrichtenartikel ursprünglich eingestellt hatte, bestätigte eine Sprecherin nun gegenüber CNBC, dass es auf der Plattform ab Herbst neben dem Newsfeed oder dem Messenger einen eigenen Menüpunkt für aktuelle Nachrichtenartikel geben wird. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte im April in einem Gespräch mit Springer-Chef Mathias Döpfner angekündigt, „hochwertige“ Artikel hervorheben zu wollen.

Am Donnerstag berichtete das Wall-Street-Journal, dass Facebook in den Vereinigten Staaten bereits ausgewählte große Verlage, darunter ABC News, die Washington Post und Bloomberg, angesprochen habe. Ihnen kündigte es an, bis zu drei Millionen Euro pro Jahr zahlen zu wollen. Dafür sollen die Verlage eine Artikelvorschau oder gleich ganze Artikel auf die Plattform hochladen.

Auf der Suche nach „vertrauenswürdigen Nachrichten“

Die Kontaktaufnahme mit großen Verlegern kommentierte die Sprecherin nicht. Sie betonte, das Ziel sei, „vertrauenswürdige Nachrichten“ an die Nutzer:innen zu bringen. Ob oder wann die News-Tab-Funktion in Deutschland verfügbar sein wird, ist bisher nicht bekannt. Unklar ist bisher auch, wie es um die Reichweite der Medien bestellt sein wird, die sich nicht auf das Partnerprogramm einlassen und im regulären Newsfeed bleiben wollen. Im Zweifelsfall könnte Facebook ihnen einfach die Reichweite herunterdrehen und sie so in den neuen Nachrichtenbereich zwingen.

Viele Optionen bleiben Verlagen im Umgang mit Facebook nicht. Ihre Haupteinnahmequelle ist weiterhin das Anzeigengeschäft. Um Reichweite und damit Aufmerksamkeit für die auf ihren Seiten geschalteten Werbeanzeigen zu generieren, brauchen sie das immer noch meistgenutzte Soziale Netzwerk. Dabei wurden sie immer wieder Opfer der von Facebook bisweilen überraschend vorgenommen Änderungen an den Verbreitungsmechanismen für Nachrichtenartikel.

Im Mai 2015 rollte Facebook die „Instant Articles“-Funktion aus. Sie erlaubte, ganze Artikel schnell in der mobilen App anzuzeigen. In Deutschland nahmen unter anderem Spiegel Online und Bild an dem Programm teil. Sie veröffentlichten eine Zeit lang Artikel direkt auf Facebook, ohne von dem Konzern eine Gegenleistung zu bekommen. Aus Sicht der Verlagsbranche stellt sich das schnell als Schnapsidee heraus, schließlich sorgten ihre professionell produzierten journalistischen Inhalte so ausschließlich für Aufmerksamkeit, die Facebook auf der eigenen Plattform an Werbekunden vermarkten konnte. Viele Verlage zogen sich bald davon zurück, inzwischen gilt das Experiment als gescheitert.

Ein Experiment mit Kollateralschäden

In der Folge des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016, in dem millionenfach Falschmeldungen über Facebook geteilt wurden, änderte das Unternehmen immer wieder den Newsfeed-Algorithmus. Eine zentrale Veränderung: Nachrichtenartikel wurden signifikant heruntergestuft und stattdessen die Posts von „Freunden und Familie“ in den Vordergrund gestellt.

Das Branchenmagazin meedia analysierte die darauf folgenden Interaktionsverluste für Nachrichtenwebsites ausführlich. Buzzfeed und Vice, die besonders von den Verbreitungsmechanismen auf Facebook abhängig sind, traf es besonders hart. Allein in diesem Jahr bauten Verlage in den Vereinigten Staaten 3200 Arbeitsplätze ab, in Deutschland machte Vice das Tech-Magazin Motherboard dicht.

Facebook könnte Einfluss auf den Journalismus ausbauen

In 400 Städten in den Vereinigten Staaten führte Facebook dann 2018 mit der „Heute In“-Funktion einen eigenen Bereich für lokale Nachrichten ein. Der Datenkonzern beschwerte sich darüber, dass es nicht mehr genügend Lokaljournalismus gebe und kündigte an, Stipendien und Fördergelder zu verteilen. Damit erhält das Unternehmen Einfluss auf den Journalismus, auch ohne eigene Journalist:innen einzustellen.

Auch den sich jetzt abzeichnenden Deal, bei dem bisher nur ausgewählte Verlage beteiligt werden, könnte Facebook nutzen, um seinen Einfluss weiter auszubauen. Die Neuigkeit fügt sich in eine längere Entwicklung ein: Große Digitalkonzerne wollen die zentrale Schnittstelle zu bezahltem Journalismus im Netz werden.

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