3-5-2-Direktive

China will ausländische IT aus Behörden verbannen

Die Kommunistische Partei Chinas will binnen drei Jahren fremde Hard- und Software aus Regierungssystemen verbannen. Konzerne kündigen ein neues Betriebssystem an.

Elektronik-Großmarkt in Shenzhen
Ein Elektronikmarkt in der chinesischen Metropole Shenzhen CC-BY-SA 2.0 Bobbie Johnson

Die chinesische Regierung hat allen Regierungsbehörden und öffentlichen Einrichtungen angeordnet, binnen drei Jahren die Verwendung ausländischer Hard- und Software einzustellen. Die Anordnung kommt direkt aus dem Generalbüro der Kommunistischen Partei Chinas, berichtet die Financial Times.

Mit dem Schritt reagiert China offenbar auf Attacken der US-Regierung von Donald Trump gegen Huawei und andere chinesische IT-Konzerne. Bereits 2017 beschloss China ein strenges Internetsicherheitsgesetz, das den Behörden umfassende Zugriffsrechte auf IT-Infrastruktur gibt und ausländische Anbieter wie etwa Apple zwang, Daten von Nutzer:innen auf chinesischen Servern zu speichern.

China bereite sich seit Jahren auf einen Konflikt mit den USA vor, sagte der Chefredakteur der Staatszeitung Global Times Hu Xijin laut dem Guardian bereits im Mai. Das Land werde seine eigene IT-Industrie ausbauen und den Amerikanern global Konkurrenz machen.

Bis zu 30 Millionen neue Geräte

Nach Schätzung der Investmentbank China Securities müssen nach der Anordnung 20 bis 30 Millionen Geräte ausgetauscht werden. 30 Prozent der Geräte sollen bereits im kommenden Jahr ausgetauscht werden, weitere 50 Prozent 2021 und der Rest 2020.

Chinesische Softwarekonzerne kündigten ein neues Betriebssystem an, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. Es dürfte wie frühere Eigenentwicklungen wie Red Flag und Kylin auf Linux basieren.

Der genaue Text der Anordnung ist nicht bekannt, da er wie alle Dokumente des Zentralbüros geheim ist. Es ist unklar, wie die die neuen Vorschriften in der Praxis umgesetzt werden. Dafür gibt es bereits einen Zeitplan, der den Namen der Direktive prägte: „3-5-2“. 30 Prozent sollen bereits im kommenden Jahr ausgetauscht werden, 50 Prozent im folgenden und im Jahr 2022 sollen die restlichen 20 Prozent der IT komplett durch chinesische Produkte ersetzt werden.

Chinesische Hersteller wie Lenovo beziehen viele ihrer Komponenten wie Chips und Festplatten von ausländischen Firmen. Chinesische Entwickler produzierten zudem die meiste Software für Windows und MacOs. Es ist unsicher, wie weit diese Geschäfte künftig eingeschränkt werden.

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2 Ergänzungen
  1. Ich wünsche mir, dass unsere Regierung auch komplett auf Linux wechselt. Microsofts Software ist ein Sicherheitsrisiko (alte Software, Telemetrie und Datenspionage) und damit eine Gefahr für die Souveränität der Regierung. Merkel bekräftigt: „Ausspähen unter Freunden geht gar nicht“.

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