Öffentlichkeit

Zensurwelle: Chinas „Sina Weibo“ macht Rückzieher beim Blockieren von homosexuellen Bildern

Drei Tage lang hielt sich die Ankündigung von dem chinesischen Kurznachrichtendienst „Sina Weibo“, Fotos und Videos von schwulen und lesbischen Pärchen zu blockieren. Nach massivem Protest im Netz machte das Unternehmen heute einen Rückzieher. Freiheitsrechtler feiern die Umkehrung der Zensurmaßnahme als Erfolg.

同性恋 (gesprochen: tóngxìngliàn). Homosexuelle/Homosexualität auf Chinesisch CC-BY-NC 2.0 Jonathan

Am Freitag kündigte der chinesische Kurznachrichtendienst „Sina Weibo“ eine drei-monatige Säuberungsaktion an: Bilder und Videos, die Schwule oder Lesben, Pornografie und extreme Gewalt zeigen, sollten künftig gesperrt werden. Nach Protest in den Kommentarspalten und in chinesischen sozialen Medien gegen die Zensur von homosexuellen Inhalten zog das Unternehmen die Ankündigung zurück und erklärte, nun lediglich Pornografie und Gewalt zensieren zu wollen.

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„Sina Weibo“ ist eine Medienplattform, die ähnlich dem Kurznachrichtendienst Twitter funktioniert. Das Unternehmen mit Sitz in den USA ist dort an der Börse notiert. Weibo ist extrem populär in Festland-China und hat nach eigenen Angaben circa 390 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer jeden Monat.

Gegen die Ankündigung von „Sina Weibo“, Inhalte über gleichgeschlechtliche Liebe zu zensieren, formte sich breiter gesellschaftlicher Protest. Nutzerinnen und Nutzer posteten auf der Plattform unter dem Hashtag „Ich bin homo“ (#我是同性恋) und „Ich breche das Gesetz“ (#我违法). Die renommierte South China Morning Post schreibt, dass der Hashtag „Ich bin homo“ auf Sina Weibo fast 300 Millionen mal geklickt wurde, bevor er am Samstag gesperrt wurde. Die Jugendorganisation der Kommunistischen Partei hat sich bereits in der Vergangenheit gegen die Stigmatisierung von Homosexualität als Krankheit eingesetzt.

Es ist unklar, ob die chinesische Regierung die Zensurankündigung auf „Sina Weibo“ veranlasst hat. Die staatliche Medienaufsichtsbehörde geht nach eigenen Angaben gegen die Verbreitung von Falschnachrichten und Pornografie vor. Von der jüngsten Zensurwelle sind vor allem soziale Medien betroffen: Letzte Woche wurden zahlreiche Apps, darunter auch die App „Neihan Duanzi“ der populären Medienplattform „Jinri Toutiao“, gesperrt, da der Empfehlungsalgorithmus zu viel Unterhaltungs- und zu wenig Parteiinhalte angezeigt hat.

Am 16. April veröffentlicht „Sina Weibo“ eine revidierte Ankündigung, dort heißt es:

Die Säuberungsaktion gilt nicht mehr homosexuellen Inhalten, sondern der Darstellung von Pornografie und blutiger Gewalt. Vielen Dank für Eure Diskussionsbeiträge und Vorschläge.

本次游戏动漫清理不再针对同性恋内容,而主要是清理涉黄,暴力血腥题材内容。感谢大家的讨论和建议

Den Rückzieher von „Sina Weibo“ zur Zensur von Homosexualität auf der Medienplattform werten Freiheitsrechtler in China als Erfolg der Proteste.

Update, 17.April: Der Hashtag #ichbinhomo (#我是同性恋) ist wieder auf Weibo freigeschaltet und wurde bereits über 500 Millionen mal gelesen.

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