Der Zahlencode vom digitalen Türschloss ändert sich jeden Tag. Elektronische Gerät schalten sich von alleine immer wieder aus. Immer mehr Betroffene häuslicher Gewalt erzählen von vernetzten Geräten, die sich scheinbar gegen sie verschworen haben, berichtet die New York Times. Die Zeitung hat mit mehr als 30 Überlebenden häuslicher Gewalt, ihren Anwältinnen und Anwälten sowie Mitarbeitenden von Schutz- und Hilfseinrichtungen über das neue Werkzeug für Missbrauch gesprochen.
Vernetzte Türschlösser, Kameras oder Lautsprecher würden für Kontrolle und Überwachung, aber auch zur Belästigung oder Rache genutzt:
Graciela Rodriguez leitet eine Notunterkunft mit 30 Betten am Center for Domestic Peace in San Rafeal, Kalifornien. Sie erzählt, einige Leute seien kürzlich mit Geschichten über „verrückt machende Dinge“ zu ihnen gekommen, etwa Thermostate, die plötzlich auf über 38 Grad Celsius springen oder smarte Lautsprecher, die unerwartet laute Musik abspielen. „Sie fühlen sich, als würden sie die Kontrolle über ihr Zuhause verlieren“, sagt sie. „Nachdem sie ein paar Tage hier verbracht haben, realisieren sie, dass sie missbraucht wurden.“
[…] Die Personen, die mit der New York Times über ihre Belästigung durch Smart-Home-Geräte sprachen, waren alle Frauen. Viele von ihnen leben in reichen Vororten, in denen diese Art von Technologie Einzug gehalten hat. […] Eine der Frauen, eine Doktorin aus dem Silicon Valley, erzählte, ihr Ehemann, ein Ingenieur, „kontrolliert das Thermostat. Er kontrolliert das Licht. Er kontrolliert die Musik.“ Sie sagt: „In von Missbrauch geprägte Beziehungen geht es um Macht und Kontrolle und er benutzt dafür Technologie.“ [Eigene Übersetzung]
Der Missbrauch technischer Geräte zu Kontrollzwecken ist nichts Neues. Die Möglichkeiten für Missbrauch sind jedoch in einem komplett vernetztem Zuhause weitaus größer. Genaue Fallzahlen sind den von der Times befragten Polizeibehörden nicht bekannt, dafür sei das Internet of Things eine noch zu neue Erfindung. Mit der rapide zunehmenden Anzahl der Geräte scheint eine Beschäftigung mit dem Missbrauchspotenzial der Geräte jedoch unumgänglich.
