Öffentlichkeit

Studie: Nur noch jeder Achte fühlt sich von Medien systematisch belogen

In Deutschland vertrauen wieder mehr Menschen den klassischen Medien, Informationen aus dem Internet misstrauen sie dafür mehr.

All rights reserved Johannes Gutenberg Universität Mainz

Die Hochzeiten der konspirativen Medienkritik sind vorbei, die „Lügenpresse“-Rufer sind auf dem absteigenden Ast. Laut einer Studie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz zum Medienvertrauen fühlen sich nur noch 13 Prozent der Befragten von den Medien systematisch belogen. Im Vorjahr waren es noch 20 Prozent gewesen. Dennoch stellt die Studie eine „Entfremdung“ zwischen Medien und Publikum fest. So ist ein Viertel der Befragten der Meinung, dass die Medien Themen, die ihnen wichtig sind, nicht ernst nehmen würden. Die Entfremdung ist vor allem bei jenen hoch, die sich viel auf Seiten von Alternativmedien und auf Videoplattformen informieren. Gleichzeitig haben AfD-Wähler ein höheres Maß an Entfremdung zu den Medien.

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In der Studie zeigt sich auch viel Unwissenheit über Funktionsweise und rechtliche Stellung von Medien in Deutschland: So ist etwa jeder Zehnte davon überzeugt, dass der Staat überprüfe, ob jemand Journalist werden könne. Genausoviele Menschen denken, dass Journalisten ihre Berichte vor Veröffentlichung einer staatlichen Behörde zur Freigabe vorlegen müssten.

Einen Vertrauensverlust musste „das Internet“ hinnehmen. Während 2016 noch 24 Prozent das Internet für „sehr/eher vertrauenswürdig“ hielten, waren es 2017 nur noch 10 Prozent. Mehr als die Hälfte der Befragten beantwortet die Frage jedoch mit „teils teils“ – und beweist damit Medienkompetenz, da ja die Angebote im Netz ganz unterschiedlich sein können. Im Vertrauensverlust gegenüber Medien im Internet schlägt sich eventuell auch die Fake-News-Debatte des vergangenen Jahres nieder.

Für die Umfrage der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz wurden im November und Dezember 2017 1.200 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren befragt. Die Studie soll demnächst komplett veröffentlicht werden. Das Forschungsprojekt ist auf mehrere Jahre angelegt.

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33 Kommentare
    1. Ich habe ja auf Youtube gehört, dass der Staat bestimmt wer Professor werden darf und dass alle Studien bei Behörden vorgelegt werden müssen, damit der Staat die Manipulation festlegen kann. Durch Studien werden wir alle belogen!!!

  1. Ein schöner Satz, der zeigt wie man sich eine Korrelation bastelt: Die Entfremdung ist vor allem bei jenen hoch, die sich viel auf Seiten von Alternativmedien und auf Videoplattformen informieren.?

    Die Studie hat also untersucht, ob die zuerst sicht dort infomiert haben und dann die „Entfremdung“ stattgefunden hat? Oder war es vielleicht umgekehrt? Erst hat die Entfremdung stattgefunden und dann informiert man sich auf alternativen Seiten? Wir werden es nicht erfahren. Es geht ja darum zu zeigen, dass „alternative“ Medien einen schlechten Einfluss haben.

    Deshalb mache ich bei solchen Umfragen nicht mehr mit. Aus den Antworten werden Schlüsse gezogen, die oft Spekulation sind und häufig lediglich dazu dienen Thesen zu transportieren.

    In der Studie zeigt sich auch viel Unwissenheit über Funktionsweise und rechtliche Stellung von Medien in Deutschland: So ist etwa jeder Zehnte davon überzeugt, dass der Staat überprüfe, ..

    In solchen Umfragen werden manchmal Fragen gestellt, die einer ausführlichen Betrachtung bedürfen, aber nur mit einer Handvoll Möglichkeiten beantworten können, d.h. manchmal antwortet man falsche Dinge, weil das, was der eigenen Meinung entspricht, nicht vorgegeben ist. Das ist jetzt natürlich auch Spekulation, aber solche Schlußfolgerungen sind es auch.

    Das System läßt sich auch an einem Beispiel im PDF zeigen:

    Frage: „Wie ist das, wenn es um wirklich wichtige Dinge geht – etwa Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren, politische Skandale. Wie sehr kann man da den Medien Verttrauen?“

    Dann wird herausgestellt, dass das Misstrauen von 71% auf 59% gesunken ist. Wobei was ist Vertrauen?
    Ich glaube ja z.b. nicht, dass die Medien mit Absicht falsch berichten, sondern Tendenziös über das, was sie für richtig halten.

    Und das wird dann in der nächsten Frage deutlich:

    Die etablierten Medien schildern die Ereignisse vollständig

    bewzweifeln dann wieder 69%?
    D.h. 10% haben vertrauen, aber dann doch irgendwie nicht?
    Ist diese Diskrepanz nicht merkwürdig?

    Ihr solltet euch aber auch bewußt sein, dass ihr einer der unglaubwürdigen (Alternativen) Blogs seid und nicht der Adressat solcher Umfragen. Die sollen die ÖR Medien reinwaschen und sind damit ein weiteres Puzzle, um das freie Internet das freie Internet zu beenden.

    D.h. ihr bewegt euch immer weiter in die Richtung, die das Internet wie wir es bisher kannten, vollständig in ein staatlich und wirtschaftlich regulierte Plattform verändern. Es ist ja nicht so, dass es für diese Entwicklung keine Beispiele gibt. Jedes Medium, wurde früher oder später entweder strikten staatliche Regularien unterzogen und/oder wirtschaftlichen, wie z.b. dem Urheberrecht. Um diesen Weg zu begründen werden u.a. solche Studien gemacht.

    Ich bin gespannt, ob wir uns in 5 Jahren hier noch wiedertreffen, ich bin einer der 1% die (lt. Studie) kommentiere Nachrichten auf alternativen Nachrichtenseiten wie compact usw.
    (ich musste erstmal noch mal suchen was compact ist. Aber es zeigt welche Tendenz diese Studie hat. Für mich ist Netzpolitik eine Alternative Nachrichtenseite. D.h. wäre ich Teilnehmer gewesen, halten euch die Studienmacher für sowas wie Compact. Ihr merkt wohin das führt?)

    1. Vielen Dank, sehr schön ausgedrückt. Ich habe das Gefühl, auf netzpolitik wird einfach alles beklatscht, was irgendwie gegen die böse AfD/ die rechten Verschwörungsmedien etc. geht (könnt mir gerne widersprechen, aber man gewinnt nur diesen Eindruck von euch :-) ); dabei merkt die Redaktion nicht, wenn etwas auch gegen sie gerichtet ist.

      1. Natürlich beziehen wir klar Stellung gegen die AfD, weil diese rechtsradikale Partei eine Gefahr für die Grund- und Freiheitsrechte aller Menschen in diesem Land ist. Mit völkischem Nationalismus ist eine offene, freie und demokratische Gesellschaft nun mal nicht zu machen.

        1. Schön, dass Sie einmal alle buzzwords abgearbeitet haben. Ich weiß nicht, was Sie sich von diesem virtue signalling versprechen; dass Sie pro-AfD sind, vermutet eh kein netzpolitik-Leser. Als Anregung: wenn Sie Leute davon überzeugen wollen, nicht die AfD zu wählen, hilft ein neutraler, sachlicher Umgang mehr als „klar Stellung zu beziehen“. Wenn dies aber gar nicht Ihr Ansinnen ist und es ihnen eigentlich egal ist, dass die AfD konstant Zulauf gewinnt, können Sie es auch lassen.

          1. Nice try! Es ist eben auch Strategie der AfD und der Neuen Rechten, dass sie ihre Haltung als ganz normal und in der Mitte der Gesellschaft darstellen will. Aus einer machtstrategischen Perspektive kann ich diese Strategie sehr gut nachvollziehen, nur ändert das eben nichts daran, dass die AfD in weiten Teil rechtsradikal und völkisch ist. Und so muss man sie eben auch ganz neutral und sachlich als das bezeichnen, was sie ist.

          2. Kommt halt darauf an, welche Sachverhalte sie mit welcher Begründung Sie als „völkisch“ und „rechtsradikal“ bezeichnen.

            Warum Sie Schreiben „nice try“ ist mir schleierhaft, als ob ich irgendwas versucht hätte oder hier irgendeine Strategie verfolge, die Sie jetzt ganz spitzfindig aufgedeckt hätten. Kommt mir vor, als sähen Sie da eher Gespenster; könnte auch an den Medien und Schriften liegen, die sie bzgl. AfD / Rechte etc. konsumieren. Was „ganz normal“ und „Mitte der Gesellschaft“ ist, ist wohl eine Zeitgeistfrage. Die AfD setzt sich dafür ein, dass Ihre Programmpunkte zur Mitte der Gesellschaft werden, was in einem demokratischen Staat auch ganz legitim ist.

          3. Das ist doch alles durchschaubar. Ihre Strategie ist es, die ganze Zeit „Mitte“ zu rufen, damit sie selber zur Mitte werden. Sie wollen den Diskurs mit diesem billigen Stilmittel verschieben. Deswegen reagieren Sie und ihre rechtsradikalen Freunde ja auch immer so allergisch, wenn man sie politikwissenschaftlich korrekt bezeichnet.

          4. Die sind vor allem genauso neoliberal wie die FDP.
            Nur das das Gericht zur Abwechslung mit etwas Fremdenfeindlichkeit und nationalen Pathos abgeschmeckt ist.
            Ist aus meiner Sicht aber kein großer Unterschied zu CSU. Nur das die CSU was Sozialpolitik betrifft, im Vergleich zur AfD schon als linksversifft anzusehen ist.
            Das sollte zu denken geben.

  2. Die statistische Basis der Umfrage, aber auch die Art der Umfrage scheint recht windig zu sein. So dämlich sind selbst die, die schon lange hier leben nicht. Das zu erwartende Ergebnis sollte mit den Absatzzahlen der Tageszeitungen korrelierbar sein.

    Natürlich sind alle Massenmedien seit ihrer Erschaffung IMMER ein Instrument zur Manipulation von Meinungen gewesen. Das trifft für Printmedien, Rundfunk, Fernsehen und auch das Internet zu. Selbst denken kann nie verkehrt sein.

    1. Es gibt aber eben auch einen gehörigen Unterschied zwischen selbst denken und jeden dahergequatschten Verschwörungsbullshit nachplappern. Mal ganz abgesehen davon, ist mit einer Medienkritik, die auf Verschwörungsideologien aufbaut, kein Abstellen demokratisch problematischer Medienfunktionsweisen zu erreichen, weil die falschen Annahmen getroffen werden.

      1. Es gibt aber eben auch einen gehörigen Unterschied zwischen selbst denken und jeden dahergequatschten Qualitätsmedienbullshit nachplappern.

        Merkste was?

        Wer bestimmt eigentlich, was Verschwörungsdingsbums ist?
        Was ist mit den Verschwörungsdingsen, die sich hinterher als gar nicht theoretisch erwiesen?

        Ich wäre einfach froh, wenn mit diesen Wortwaffen klüger umgegangen würde.

  3. Wie würde eine Studie aussehen, wenn nicht so absolut nach „systematisch belogen“, sondern nach „umfassend, seriös faktenbasiert, sauber recherchiert und neutral“ gefragt würde?

    Man könnte auch erschrocken feststellen, wie niedrig der Maßstab angesetzt wurde.

    1. Na hoppla:
      Neulich bei Fefe: https://blog.fefe.de/?ts=a48e498a und der fragt noch „warum eigentlich?“
      Und heute im „Alternativmedium“:
      http://www.nachdenkseiten.de/?p=42188#more-42188

      Genau diese Art der Teilberichterstattung ist das Problem und das ist gewiss kein Einzellfall. Hinzukommt, daß „die Medien“, auf sowas angesprochen, ganz dreist mit „Wieso? Wir haben doch berichtet!“ antworten.

      Demnächst in ihrer Studie: Nur noch jeder Achte fühlt sich von den Medien gut informiert.

  4. Die Johann-Gutenberg-Universität schreibt: „Die Studie soll der Beginn eines dauerhaften ‚Vertrauensmonitorings‘ werden.“

    Was genau bedeutet hier „dauerhaft“: Ist die jede einzelne veröffentlichte Publikation ein in sich geschlossenes Forschungsvorhaben, oder handelt es sich um ein dauerhaftes Foschungsvorhaben das laufend Studien veröffentlicht?

    Vergl. dazu Kress-Report, 11. Mai 2016, https://kress.de/news/detail/beitrag/134820-journalistische-informationsblockade-der-universitaet-mainz-am-ende-bleibt-nur-die-klage-vor-dem-verwaltungsgericht.html über Rheinland-Pfalz: „Am 1. Januar 2016 ist dann das Landestransparenzgesetz (LTranspG) in Kraft getreten, welches das Landesinformationsgesetz [LIFG] ersetzt. Nach der Übergangsbestimmung des § 26 Abs. 3 LTranspG ist über Anträge auf Zugang zu Informationen, die nach dem LIFG gestellt sind, nunmehr nach den Bestimmungen des LTranspG zu entscheiden. Das LTranspG beinhaltet jedoch eine entscheidende Verschlechterung, was die Zugangsansprüche gegenüber öffentlichen Forschungseinrichtungen angeht. Nach § 16 Abs. 3 LTranspG ist der Anspruch auf Informationszugang und die im Bereich von Wissenschaft, Forschung und Lehre nunmehr auf Informationen über den Namen von Drittmittelgebern, die Höhe der Drittmittel und die Laufzeit der mit Drittmitteln finanzierten abgeschlossenen Forschungsvorhaben beschränkt. Diese massive Einschränkung der Informationsrechte gegenüber Hochschulen wird von ausgewiesenen Experten als ‚verfassungswidrig‘ bewertet.“

    D.h. Drittmittel bleiben solange verborgen, wie ein Vorschungsvorhaben nicht „abgeschlossen“ ist. Dabei geht es anscheinend vor allem um von Böhringer-Ingelheim finanzierte Pharma-Forschung; das LTranspG dürfte gleichwohl auch auf die Forschung zum Medienvertrauen Anwendung finden. Einen der möglichen Drittmittelgeber können wir immerhin erahnen, nachdem die Studie 2017 auf einem ARD-Werbeserver gehostet wird. Also vielleicht wird das Projekt finanziert nicht einmal aus Rundfunkgebühren, sondern aus Werbeeinnahmen der ARD?

      1. Verstehst Du den Beitrag denn überhaupt? Du hättest nicht mit ‚Teils/Teils‘ geantwortet, oder?
        Hier werden die Ergebnisse einer Studie beschrieben. Alles was Du da oben liest, ist dem Inhalt dieser Studie entnommen. Das hat Netzpolitik sich nicht ausgedacht.

  5. Naja, der Spiegel macht gerade eine ganze Serie von Artikeln wo auf die speziellen Probleme bei Umfragen sowie Studien und die vielfältigen Möglichkeiten der Manipulation von sowas eingegangen wird.
    So gesehen wäre ich sehr vorsichtig bei der Bewertung dieser Studie.
    GfK sagt uns auch ständig, das wir alle in bester Kauflaune sind und sich die Läden kaum retten können vor Kunden.
    Stellt man die Zahlen des statistischen Bundesamtes dagegen, sieht man eine kontinuierliche Seitwärtsbewegung mit einem Trend nach unten.
    Die Aussage der Studie korreliert einfach gar nicht mit den Absatz- und Nutzungszahlen die man so zu den etablierten Medien findet. Dort ist teilweise ein extremer Abwärtstrend erkennbar.
    Gleichzeitig gewinnen andere Medien, zu denen ich auch Netzpolitk.org zähle, massiv Zulauf.
    Zumal die Aussage man fühlt sich systematisch belogen einfach eine zu pauschale Aussage ist.
    Man könnte das auch so intertieren, das sich jeder Achte systematisch belogen fühlt und der Rest in unterschiedlichen Abstufungen belogen fühlt.
    Wie viele fühlen sich vollumfänglich objektiv und richtig nach besten Wissen und Gewissen informiert?
    Das wäre die eigentlich interessante Frage.
    Das es Leute gibt die Hartmut Danisch für eine objektive Quelle halten ist ein ganz anderes Problem.

    1. Nachtrag ich habe mir jetzt die Studie runtergeladen und einen ersten Blick darauf geworfen.
      Da stellt sich die Sache schon beim überfliegen erheblich differenzierter dar.
      Vertrauen teils teils scheint bei der großen Mehrheit vorzuherrschen und das lässt auf eine gesundes Vorsicht bei den Nutzern schließen.
      Je nach Thema genießen underschiedliche Medien eine stark schwankende Reputation.
      Die Abbildungen 9,10 und 11 sind da recht interessant.
      Ich kann da jetzt auch nicht erkennen das da einzelne Verlage besonders hervorgehoben werden oder schlecht gemacht werden.
      Als Grundlage für Comact ist schlecht, die Zeit ist gut taugt die Studie nicht.
      Das steht dort nicht drin.
      Eigentlich kann man da nur rauslesen, das die Nutzer nicht so verblödet sind wie das oft so hingestellt wird und ihren eigenen Kopf benutzen um die Informationen auch unter Berücksichtigung der Quelle einzuordnen.
      Generell scheint es sich um eine extreme Kurzfassung von einem exterm komplexen Problem zu handeln.

      1. Nur um einem Mißvertändnis vorzubeugen, der Artikel unter http://www.ard-werbung.de/fileadmin/user_upload/media-perspektiven/pdf/2017/0517_Schultz_Jackob_Ziegele_Quiring_Schemer.pdf ist die Studie von vor einem Jahr; gegenüber welcher nach Angabe der Autoren jetzt das Vertrauen in GEZ- und Kiosk-Medien neuerdings „wieder besser“ geworden sei. Die aktuelle Studie ist soweit mir ersichtlich bisher nur in Auszügen veröffentlicht, noch nicht als Volltext.

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