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Facebook setzt „Geh wählen“-Button in 66 Staaten ein

In dieser Karte stellt Facebook dar, wo es überall seinen „Geh wählen“-Button eingesetzt hat All rights reserved Republik.ch

Facebook nimmt Einfluss auf Wahlen. Darüber debattieren wir spätestens seit der Wahl von Donald Trump und dem Brexit-Referendum in Großbritannien. Doch während die öffentliche Diskussion meist um Desinformation und heimliche Werbebotschaften kreist, mischt der US-Konzern auf viel direktere Art in Urnengängen auf der ganzen Welt mit: Facebook zeigt seinen Nutzern in zahlreichen Ländern „Geh wählen“-Buttons an, die zur Beteiligung an Wahlgängen aufrufen sollen.

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Die Schweizer Journalistin Adrienne Fichter schreibt dazu im Online-Magazin Republik:

Der Konzern hat damit immer wieder «experimentiert». Sich damit in Wahlen eingemischt. Am offenen Herzen verwundbarer Demokratien operiert. Und damit auch die nationale Souveränität unterwandert. Lange hat das Unternehmen zu dieser umstrittenen Funktion geschwiegen. Es gab kaum offizielle Mitteilungen zur Anwendung der Wahlerinnerung. Eine Liste von Facebook, die der Republik exklusiv vorliegt, zeigt: Das soziale Netzwerk hat den «election reminder» in 66 Staaten eingesetzt. Darunter Länder wie Kenia, Sierra Leone, Tunesien, Frankreich, Island, Malta, Australien und Kolumbien.

Auch in Deutschland kommt der „Geh wählen“-Button zum Einsatz. Nach eigenen Angaben zeigte der Konzern vor der Bundestagswahl 2017 jedem über-18-jährigen Nutzer in Deutschland einen Wahlaufruf an (siehe Abbildung rechts). Für welchen Kreis von Personen der Button allerdings genau zu sehen war, darüber macht Facebook nicht ganz klare Angaben. Gegenüber netzpolitik.org schrieb eine deutsche Facebook-Sprecherin zuletzt, Facebook ziehe aus mehreren Quellen Rückschlüsse auf den Standort seiner Nutzer: Der IP-Adresse, dem im Profil angegebenen Wohnort sowie den Standortdaten der App. Wer diesen Daten nach in Deutschland sitzt, dem wird der Button angezeigt.

Wenn Nutzer allerdings ihren Standort vor Facebook verschleiern, dann werden ihnen offenkundig auch keine Wahlaufrufe eingeblendet. Das macht deutlich: Der „Geh wählen“-Button wird notwendigerweise nur einer bestimmten Auswahl der wahlberechtigten Nutzern angezeigt. Das führt zu Verzerrungen dabei, wer zur Wahl mobilisiert wird. Dies gilt im Übrigen nicht nur für Deutschland, sondern auch für Staaten, die wesentlich weniger gefestigte demokratische Prozesse haben als jene in Europa. Selbst wenn man dem Konzern beste Absichten unterstellt: Facebook macht sich zum Elefanten im Porzellanladen des Wahlvorganges.

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5 Kommentare
  1. Viel wichtiger ist m.E. die Frage, wie sich diejenigen informieren, die so zur Wahl animiert werden. Hohe Wahlbeteiligung halte ich zwar für wichtig, aber eine informierte Wahl noch viel mehr. Wer weiß schon, wofür die einzelnen Parteien oder gar Kandidaten wirklich stehen?

  2. Im Fernsehen laufen auch Wahlwerbespots, welche die junge Generation auch anschaut, weil Sie kein TV guckt. Ist das dann auch einseitige Wählerbeeinflussung? Ich finde diesen Aufhänger an den Haaren hereingeholt und grundsätzlich nicht schlimm. Es wird schließlich keine Werbung für eine spezielle Gruppierung, Überzeugung oder Partei gemacht. Dann sehe das Ganze schon anders aus. Aber aufzurufen zur Wahl zu gehen um dem demokratischen Recht nachzukommen. Ist das ein Grund zum Aufregen?

    1. Nein es ist definitiv nicht das gleiche, da facebook und andere Digital-Konzerne über umfangreiche Nutzerprofile verfügen ud so gleichzeitig gezielt die Meinung der User beeinflussen können.
      Das perfekte dystopische Szenario sähe dann wie folgt aus:
      1. facebook erstellt ein Nutzerprofil.
      2. facebook lenkt durch Vorschläge (Seiten, Gruppen, Werbung etc.) den Aufmerksamkeitsfokus der Userin.
      3. Das Nutzerprofil wird immer detallierter, gleichzeitig wird die hierdurch seitens facebook erzeugte Filterblase immer inteolleranter gegenüber allem was (gemäß Algorithmus) nicht in diese Filterblase passt.
      4. Die Userin ist nur sehr berechenbar, nun werd gezielt die Informationen gestreut (egal ob Fake-News oder nicht), welche der Userin genehm sind, auch wenn diese von z.B. Parteien stammen die sie im aufgeklärten und vollumfänglich informierten Zustand niemals wählen würde.
      5. Die Userin wählt was facebook will.

  3. Natürlich fallen einem allerlei Szenarien ein, in welchen die Mobilisierung der UserInnen zur Wahlurne zu gehen negative Folgen hat.
    Zum einen halte ich es für wahrscheinlich, dass ein großer Teil der aktiveren Facebook NutzerInnen eher Protest wählt, zum anderen ist eine vorhergehende Beeinflussung der Personen in Richtung der meistbietenden Partei möglich.
    Jedoch nimmt der Artikel hierauf leider überhaupt keinen Bezug und beschreibt lediglich, dass es diesen Button gibt.
    Animationen wählen zu gehen gibt es in jeder erdenklichen medialen Form, somit sehe ich bei einer neutral gehaltenen Animation wählen zu gehen kein Problem solang es sich auf diese beschränkt.

    Die Tatsache, dass nicht alle NutzerInnen benachrichtigt werden ist okay, da dies laut der Sprecherin des Konzerns ja anhand von bekannten Metadaten und Informationen ermittelt wird und diese manchmal nicht eindeutig sind.
    Da dies der einzige Kritikpunkt im Artikel ist, geht dieser finde ich leider nicht weit genug und könnte schnell als grundloses Facebook-Bashing interpretiert werden.

    Zur Information über meine Haltung gegenüber Facebook: habe selber meinen Account gelöscht und sehe Kritik an den dubiosen Geschäftsmodellen des Unternehmens an allen Ecken und Enden.

  4. Ich habe drei Profile. Alle drei haben einen deutschen Standort, bei einem verzichte ich auf IP-Verschleierung. Bei keinem der drei wurde ein solcher Button eingeblendet.

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