Einmal Kupfer, immer Kupfer: Hält der gegenwärtige Trend an, wird es noch ganze 74 Jahre dauern, bis der Marktanteil kupferbasierter DSL-Leitungen auf Null gesunken sein wird. Nun, ganz so langsam, wie es diese Milchmädchenrechnung nahelegt, wird das Schleichen in die Gigabit-Gesellschaft hoffentlich nicht über die Bühne gehen. Aber wie aus dem heute vorgestellten Jahresbericht der Bundesnetzagentur (BNetzA) hervorgeht, dominiert diese Anschlusstechnik weiterhin ungebrochen den deutschen Breitbandmarkt. Im Vergleich zum Vorjahr ist deren Verbreitung um ein Prozent zurückgegangen, ihr Anteil liegt aber immer noch bei knapp drei Viertel aller Anschlüsse.
Den Rest des Marktes teilen sich wie zuvor weitgehend die Kabelnetzbetreiber untereinander auf. Diese sind ein wenig besser dabei aufgestellt, den stetig wachsenden Bandbreitenbedarf zu stillen. Gegenwärtig lassen sich unter optimalen Bedingungen bis zu 100 MBit/s im Downstream über mit Vectoring aufgebohrten VDSL-Leitungen realisieren; in Kabelnetzen lässt der Standard DOCSIS 3.0 immerhin bis zu 400 MBit/s zu.
Nur wenige nutzen Glasfaser
Zukunftsfeste Glasfaseranschlüsse, die direkt ins Haus oder in die Wohnung führen und die spielend Gigabit-Bandbreiten liefern können, schafften auch im Vorjahr den Durchbruch nicht. Einerseits wurden lediglich 300.000 solcher Anschlüsse neu verlegt, was deren Zahl auf 2,7 Millionen gesteigert hat. Das langsame Wachstum dürfte darauf zurückzuführen sein, dass nur wenige Kunden dieses Angebot wahrnehmen. Insgesamt wurden 756.000 dieser Anschlüsse tatsächlich genutzt, 600.000 waren es im Vorjahr. Insgesamt gibt es 33,2 Millionen Breitbandanschlüsse in Deutschland, knapp vier Prozent mehr als 2016.
Das Problem ist hausgemacht und strukturell. Jahrzehntelang hat es die deutsche Politik verabsäumt, in die Zukunft gerichtete Rahmenbedingungen zu schaffen. Die an sich unabhängige BNetzA ließ sich relativ kürzlich dazu verleiten, im Tausch gegen eine Ausbauverpflichtung den Ex-Monopolisten Telekom Deutschland massiv zu bevorteilen – was dieser regelmäßig dazu nutzt, bestehende oder geplante Infrastruktur mit letztlich kupferbasierten Leitungen zu überbauen, was wiederum den Markt kaputt macht. Und die Bilanz des rund um den Jahreswechsel abgelösten Infrastrukturministers Alexander Dobrindt (CSU) fiel desaströs aus: Weder hat er die Weichen richtig gestellt noch es geschafft, das von der Vorgängerregierung versprochene Ausbauziel von mindestens 50 MBit/s bis Ende 2018 für alle zu erreichen.
Bescheidener Kurswechsel
Immerhin hat sich die neue Bundesregierung mittlerweile dazu bekannt, künftig nur mehr Glasfaser staatlich zu fördern und keine Zwischenschritte mehr wie Vectoring. Jedoch scheint dem neuen Infrastrukturminister Andreas Scheuer (CSU) der Ausbau von Autobahnen und der Schutz von Dieselautos mehr am Herzen zu liegen als eine moderne Breitbandinfrastruktur. Seit seinem Amtsantritt vor knapp zwei Monaten hat sich der bayerische Politiker praktisch gar nicht zu dem Thema geäußert, und von den bislang 15 versandten Pressemitteilungen seines Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beschäftigt sich keine einzige mit digitaler Infrastruktur.
Das alles stimmt nicht unbedingt hoffnungsvoll. Leicht verlangsamt hat sich zudem das Wachstum der Investitionen auf 8,5 Milliarden Euro (8,3 Milliarden im Vorjahr), die der Telekom Deutschland waren 2017 sogar rückläufig. Keinen Abbruch gab es hingegen beim benötigten Datenvolumen: Pro Anschluss wurden monatlich über 80 Gigabyte übertragen, eine Steigerung von fast 50 Prozent.
