Wer hätte gedacht, dass Kunden scharenweise den Netzbetreiber wechseln, wenn es ein technisch überlegenes, aber dennoch bezahlbares Glasfaserprodukt gibt? Was passiert, wenn selbst Dumpingpreise nicht dabei helfen, bereits heute nicht mehr konkurrenzfähige Vectoring-Anschlüsse an den Kunden zu bringen?
Ein lesenswerter Bericht in der Wirtschaftswoche zeigt auf, in welche Klemme sich die Deutsche Telekom AG durch falsche Strategien und Inkompetenzen hineinmanövriert hat. Das macht auch die fragwürdigen Vorgehensweisen des Konzerns eher nachvollziehbar. Mit der Re-Monopolisierung oder dem Überbau der Infrastruktur sowie dem Pochen auf europaweite Deregulierung will sich Ex-Monopolist Vorteile gegenüber der Konkurrenz verschaffen – aber selbst das scheint nicht zum Erfolg zu führen:
In Hamburg etwa hat das Duo der beiden Regionalanbieter Wilhelmtel und Willytel schon so viele Kunden angelockt, dass die Telekom heute nur noch jeden fünften Kunden versorgt. In München hat Dorit Bode, Geschäftsführerin der Stadtwerke-Tochter M‑Net, angekündigt, dass sie noch in diesem Jahr Marktführer werden will. In Köln beansprucht die Stadtwerke-Tochter Netcologne mit insgesamt 240.000 Glasfaserkunden die Führungsposition schon seit ein paar Jahren für sich.
Selbst Lockangebote von monatlich 19,95 Euro im ersten Jahr helfen der Telekom bisher wenig. Im ersten Halbjahr hat sie die Planvorgaben beim Netto-Neukundenzuwachs nicht erreicht. Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass sie ihr 2015 ausgerufenes Ziel von 13,6 Millionen Breitbandkunden bis Ende 2018 ebenfalls verfehlen wird. 600.000 Neukunden müsste die Telekom in den kommenden 15 Monaten netto dazugewinnen. Solch eine Aufholjagd ist nicht mehr zu schaffen. „Breitband ist noch nicht auf Zielkurs“, räumt das Unternehmen selbst in einer internen Bilanzanalyse ein.
