Linkschleuder

Telekom sperrt sich gegen Gigabit-Ziel

In Deutschland wird das Gigabit-Lämpchen wohl noch eine Zeit nicht flackern. CC BY 2.0, via flickr/Marco Arment

Kaum jemand in Europa bezweifelt, dass es möglichst bald flächendeckend Gigabit-fähiger Anschlüsse bedarf. Dazu zählen unter anderem die EU-Kommission, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, und selbst das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur will zumindest die „Voraussetzungen für die Gigabit-Gesellschaft“ schaffen. Als Zeithorizont ist oft von „bis 2025“ die Rede, also immerhin noch neun Jahre – Zeit genug, um ein schaffbares Ziel umzusetzen.

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Doch selbst diese Zielsetzung scheint der Telekom Deutschland zu aggressiv zu sein. Wie Golem berichtet, lehnt Deutschlands größter Netzbetreiber eine Festlegung auf ein Ziel für Gigabit-fähige Anschlüsse in Deutschland ab. Mit dieser Ansicht steht die Telekom alleine in der Netzallianz da, in der sich die deutsche Netzbetreiberbranche versammelt, um beim Breitbandausbau mitzureden. Golem:

„Auf der vergangenen Sherpa-Sitzung am Donnerstag hatten alle Teilnehmer inklusive Bundesministerium sich erstmals auf die Formulierung verständigt, dass ein weitgehend flächendeckender Ausbau von gigabitfähigen Anschlüssen bis 2025 erforderlich ist. Nur die Telekom verweigerte ihre Zustimmung und auch die Frist am Freitag um 15 Uhr verstrich ohne Ergebnis.“

Damit sei klar, dass die Telekom „völlig isoliert von Politik und Markt an Übergangslösungen festhalten“ wolle, sagte eine Person Golem.de.

Alle Branchenvertreter in der Netzallianz – außer der Telekom – hätten sehr begrüßt, dass auch das Bundesministerium erkannt habe, dass es auf die Glasfaseranschlüsse und nicht das Kilometerzählen ankommt. Das Ministerium sei „hier auf dem richtigen Weg.“

Telekom Sprecher Philipp Blank sagte Golem.de auf Anfrage: „Wir wollen die Gigabit-Gesellschaft und setzen uns dafür ein, realistische Ziele zu formulieren und entsprechende Handlungsbedarfe zu benennen. Bislang haben die Wettbewerber in den Beratungen der Netzallianz nicht aufzeigen können, wie sie Ziele erreichen wollen und auch keine höheren Investitionen in Aussicht gestellt. Das ist keine Basis, um sich als Branche auf ein Gigabit-Ziel zu einigen.“

Zwei Quellen haben uns gegenüber die Richtigkeit des Artikels bestätigt. Die Meldung sei „zu 100 Prozent korrekt“, sagte uns ein Teilnehmer der Sitzung. Seit Donnerstag Abend hätte man nichts mehr von der Telekom gehört.

Morgen soll ein entsprechendes Papier beschlossen werden, in dem diese Zielsetzung nun höchstwahrscheinlich nicht enthalten sein wird. Bei der Vorstellung des letzten Kursbuches im Sommer hatte die Netzallianz für das vierte Quartal eine Studie in Aussicht gestellt, die „technische, zeitliche, qualitative und ordnungspolitische Rahmenbedingungen für den Weg in die Gigabitgesellschaft“ untersuchen soll. Wir bleiben gespannt, ob darin das Wort „Gigabit“ überhaupt noch enthalten sein wird.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
24 Kommentare
  1. Wie schön das von Golem formuliert wurde:
    „… sagte eine Person Golem.de .“ ^^

    Ich finde ja, wenn man als Journalist nicht weiß, wer einen Satz gesagt hat, sollte man ihn auch nicht einfach so reinschreiben.

  2. Telekom Sprecher Philipp Blank sagte Golem.de auf Anfrage: „Wir wollen die Gigabit-Gesellschaft und setzen uns dafür ein, realistische Ziele zu formulieren und entsprechende Handlungsbedarfe zu benennen. Bislang haben die Wettbewerber in den Beratungen der Netzallianz nicht aufzeigen können, wie sie Ziele erreichen wollen und auch keine höheren Investitionen in Aussicht gestellt. Das ist keine Basis, um sich als Branche auf ein Gigabit-Ziel zu einigen.“

  3. Alle reden von Gigabit – und weite Landstriche krebsen noch zwischen 1000 und 6000er Internet umher… ist das nicht irgendwie verlogene Berichterstattung? Was interessieren mich Gigabitanschlüsse wenn ich von 20 Mbit nicht mal träumen darf?

    1. Vorallem, was willst du mit Gigabit` (aka. gewaltige Mehrkosten)? Ich krieg mit 8Mbit Youtube in HD rein. Mir fällt jetzt spontan nur Blockchain- oder Torrentserver ein. Vielleicht in der Zukunft OculusLiveChat.

      Sicherlich sinnvoll, aber notwendig für den Ottonormal-Whatsapp-Verbraucher?

      1. Die wollen alle ihre Katzen in QHD120i streamen. Das ist wichtig, und so. Schon Autokäufer wissen: Mehr ist IMMER besser! Die Telekom kann das zahlungsbereiten Kunden sicher bestätigen, dass sie das unbedingt alle brauchen(TM).

        1. Haha, hurra. Simmt, die dröflfzich Milliarden Katzenvideos in 8K on a blockchain habe ich vergessen, dafür wär Gigabit natürlich gut geeignet. Wenns wenigstens ein TOR-Knoten oder exit node wär.

          Irgendwie wie bei den Kamerasensoren, hauptsache 30 Megapixel, Sensorrauschen ist völlig Nebensache!!1

      2. Wenn schnellere Anschlüsse da sind, kommen auch die Anwendungen.
        Deine Argumentation klingt nach Internetausdrucker.

        Hab den Standard 50.000 kB/s VDSL, und würde lieber, als einen wesentlich schnelleren Anschluss einen symmetrischen 50.000er haben (Youtube Upload z.B.).

        1. Versteht mich nicht falsch, ich finde gut, wenn es schnelle Zugänge gibt! Ich reagiere bloß allergisch gegen die turbokapitalistische „jeder muss“- und die „immer mehr“-Mentalität. Denn die ist real und es entstehen auch Nachteile – die Schere zwischen lahm und schnell wird sozusagen größer. Und ich versuche, Zusammenhänge zu ergründen. Unser heutiges Internet ist ein zweischneidiges Schwert. Theoretisch nützlich, aber oft schwachsinnig eingesetzt (lauschende Audio-„Assistenten“, IoT oder Windows-10-Zwangsdownload als Beispiele) nicht immer zu unserem Vorteil (umfassende Überwachungsmöglichkeiten, Cloudpest, Schwächung der Kundenrechte mittels abschaffung beliebig nutzbarer Medien durch Streamingabos mit Internetzwang und laufenden Kosten).

          Ich denke darüber nach, was mit uns und dem Netz passiert, anstatt mich einfach zu freuen, dass irgendwas nochmals theoretisch schneller gehen könnte, wenn ich eine Anwendung hätte. ;)

          1. Du als Privatanwender wirst vielleicht nicht direkt von so schnellen Anschlüssen profitieren. Aber je schneller die mögliche Internetverbindung, desto mehr sind Unternehmen gewillt, sich dort anzusiedeln. Und davon profitierst dann auch, wenn auch „nur“ indirekt, du als einfacher Bürger. Aber das ist für dich vermutlich auch nur „Turbokapitalismus“.

            Alles kann und wird auch von dem einen oder anderen schwachsinnig eingesetzt.

      1. Manchmal hilft da auch der Wechsel auf einen kompetenteren Anbieter, wie z.B. von Vodafone auf die Hamburger Tochter der EWE, die nicht so an Hardware und Service sparen. :)

  4. Richtig geiler Artikel der die journalistische Qualität beschreibt die aktuell in dem Bereich vorherrscht. (Bashing in alle Richtungen)

    Da findet ein „Meeting“ unter den Telekommunikations-Pressesprechern aka „Nahmhafte Vertreter“ statt auf dem man sich auf ein Ziel >>Gigabit-Anschlüsse in ganz Deutschland, Kilometer sind irrelevant<< (Also auch die kleine Almhütte 8 KM vom nächsten Verteilerkasten) einigen soll.

    Termin des Meetings: Donnerstag Abend.
    Frist bis zur Festlegung: Freitag 15:00 Uhr.
    Aber denkt dran, ihr werdet darauf festgenagelt!

    Die Telekom mit 20,2 Mio (Stand 2015) Festnetzanschlüssen, davon derzeit rund 12,6 Mio Double Play (aka Internet-) Anschlüssen soll sich binnen 24 Stunden auf ein Operatives Ziel festlegen welches a) mit den Aktionären nicht abgesprochen, b) mit der Geschäftsleitung nicht geklärt und c) technisch in keinster Weise realisierbar ist.

    Klingt…. Realistisch! :D Ponnyhof here i come. Auf jeden Fall wert einen Golem basher-Artikel zu hypen.

  5. Ich glaube ich weiß auch warum das; Im gegensatz zu ihren Mitbewerbern; für die Telekom keine Basis ist.

    Die Vectoring-Technik ist gut für die Telekom weil sie
    – A: Die Mitbewerber aus den Verteilern ausschliesst.
    – B: Mit wenig Investition höheres Tempo ermöglicht das man teuer Verkaufen kann.

    Der Nachteil ist nur: Gigabit-Tempo wird auch mit Vectoring wohl nicht gehen. Jedenfalls nicht für viele.

    Also ist völlig Logisch erklärt warum der von allen; außer der Telekom; als Sinnvoll angesehene und erwünschte Glasfaser-ausbau alllein für die Telekom keine Basis ist.

    Es geht: wieder mal; nur um Profit für umme.

    Man sollte wirklich langsam mal das Gesamte Netz verstaatlichen und auch die Telekom dort nur noch als Kunden dran lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.