Technologie

„Fake“-Musik durch Algorithmen

Künstliche Intelligenz kann auch komponieren und klingt dabei recht authentisch. Dennoch wird Maschinenmusik als „Fake Music“ empfunden. Wenn man nicht bewusst hinhört, fällt der Unterschied zwischen Maschinen- oder menschlicher Komposition gar nicht auf.

Eine analoge Partitur. CC-BY 2.0 Jon-Eric Melsæter

Seit knapp zwei Jahren wird die Komposition von Musik durch Algorithmen auch in Berlin vom Hybrid Music Lab vorangetrieben. Bezeichnet werden die Klänge von Heise als „Fake Music“ – also unechte Musik. Handelt es sich hier in etwa um einen akustischen Uncanny-Valley-Effekt?


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Mit der begrifflichen Anlehnung an Bots, die auf Twitter und anderen Kanälen Falschmeldungen verbreiteten, wird der algorithmischen Kompositionsfähigkeit die Legitimation, echt zu sein, teils entzogen. Dabei klingen die Ergebnisse mittlerweile immer besser und lassen sich mit herkömmlichen Radioproduktionen von heute durchaus messen. Das Urteil „Fake“ könnte diese ebenso betreffen, solange die Techniken der Maschinenmusik nicht überschritten werden. Durch menschliches Zutun, wie in der Improvisation, wäre so eine Überschreitung möglich. In Kurzfilm-Produktionen wie dieser fand algorithmusbasierte Musik zum Beispiel bereits Anwendung:

Die Maschinen, die musizieren können, verfahren gar nicht so anders als es jeder komponierende Mensch. Zunächst lernen die Maschinen über vorhandene Stile, um dann ähnliche technische Reproduktionen zu schaffen. Was ein Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit alles kann, beschrieb bereits Walter Benjamin, dessen 125. Geburtstag zuletzt der Deutschlandfunk einen Beitrag widmete.

Die Maschinenmusik birgt durch Reproduktion zwar musikalisch nichts genuin Neues, aber auf der Ebene der Distribution durchaus. Titel, die durch künstliche Intelligenz komponiert wurden, sollen zukünftig über Blockchains verkauft werden können.

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6 Kommentare
  1. Soso,
    seit zwei Jahren wird an einem Ort in Berlin algorirthmisch komponiert. Und seit über fünfzig Jahren weltweit. Wenn jemand Hiller heißt, sollte sie das eigentlich wissen :-)

  2. Wer das als „Fake-Musik“ bezeichnet, hat von Musik schlicht keine Ahnung. Musik ist Mathematik, egal ob Rhythmus oder Harmonielehre. Und die Anzahl möglicher Variationen von Tönen ist schon lange ausgeschöpft. Ebenso lassen sich die Harmonien, die der Mensch als angenehm oder als unangenehme Dissonanzen empfindet mathematisch darstellen.

    1. Musik != Mathematik
      Allein schon die verschiedenen Arten der Klavier Stimmung macht deutlich, dass es Probleme gibt die mathematisch nicht zu lösen sind und der Quadratur des Kreises ändeln. Dazu kommt, dass erst die geringen Abweichungen von der exakten Interpretation Musik attraktiv macht. Die schönste Musik hört sich als midi recht langweilig an.

      1. Es duerfte kein wirkliches Problem sein, per maschinellem Lernen basierend auf Interpretation den Stil eines Kuenstlers zu imitieren und weiter zu entwickeln. Mal davon abgesehen, dass Publikum wie Kritiker ihre Geschmaecker und Vorurteile haben.

        1. Klar kann man das. Und alle Mischformen zwischen synthetisch erzeugter Musik und menschlich erzeugter werden auch erfolgreich praktiziert und können auch durchaus Musik sein. Mir ging es lediglich darum die Behauptung Musik ist Mathematik anzufechten. Vielleicht wird es noch deutlicher wenn man diese Behauptung umkehrt. Mathematisch korrekt sollte dann auch stimmig sein, dass [Mathematik = Musik] ist. Ich denke mal, dass jetzt jedem klar wird, dass das nicht ganz richtig sein kann.

          Der weit verbreitete Irrtum liegt darin, dass Menschen die z.B. Noten auf ein Instrument umsetzen können auch im Lösen mathematischer Aufgaben glänzen können. Bei beiden Disziplinen ist die Fähigkeit von Vorteil ein Systems in ein Anderes umsetzen zu können. Noten allein sind aber noch lange nicht das, was Musik bieten kann.

          Auch gab es mit Pythagoras einen Vertreter der die Welt und Musik mathematisch mit einander in Einklang wolle. Aber wie schon gesagt, es klappt nicht ganz Deckungsgleich.
          Die Stimmung eines Klaviers ist da ein gutes Beispiel.

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