Seit knapp zwei Jahren wird die Komposition von Musik durch Algorithmen auch in Berlin vom Hybrid Music Lab vorangetrieben. Bezeichnet werden die Klänge von Heise als „Fake Music“ – also unechte Musik. Handelt es sich hier in etwa um einen akustischen Uncanny-Valley-Effekt?
Mit der begrifflichen Anlehnung an Bots, die auf Twitter und anderen Kanälen Falschmeldungen verbreiteten, wird der algorithmischen Kompositionsfähigkeit die Legitimation, echt zu sein, teils entzogen. Dabei klingen die Ergebnisse mittlerweile immer besser und lassen sich mit herkömmlichen Radioproduktionen von heute durchaus messen. Das Urteil „Fake“ könnte diese ebenso betreffen, solange die Techniken der Maschinenmusik nicht überschritten werden. Durch menschliches Zutun, wie in der Improvisation, wäre so eine Überschreitung möglich. In Kurzfilm-Produktionen wie dieser fand algorithmusbasierte Musik zum Beispiel bereits Anwendung:
Die Maschinen, die musizieren können, verfahren gar nicht so anders als es jeder komponierende Mensch. Zunächst lernen die Maschinen über vorhandene Stile, um dann ähnliche technische Reproduktionen zu schaffen. Was ein Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit alles kann, beschrieb bereits Walter Benjamin, dessen 125. Geburtstag zuletzt der Deutschlandfunk einen Beitrag widmete.
Die Maschinenmusik birgt durch Reproduktion zwar musikalisch nichts genuin Neues, aber auf der Ebene der Distribution durchaus. Titel, die durch künstliche Intelligenz komponiert wurden, sollen zukünftig über Blockchains verkauft werden können.
