Technologie

Bezahlschranken umgehen: „Unpaywall“ für Firefox und Chrome

Wer im Netz auf eine Bezahlschranke stößt, dem kann eine Browser-Erweiterung auf einfachem Wege Zugang zu wissenschaftlichen Beiträgen verschaffen. Und das Beste: Das Werkzeug ist quelloffen, datensparsam und vollkommen legal.

Die berühmte Bibliothek des Trinity College in Dublin. CC-BY-NC-ND 2.0 Nicole S

Eine „Paywall“, also eine technische Bezahlschranke, kann bei der Recherche sehr störend sein, wenn man beispielsweise auf der Suche nach wissenschaftlichen Untersuchungen oder Zeitschriftenbeiträgen ist. Zugang zu den Inhalten von tausenden Open-Access-Inhalten bietet jedoch seit einiger Zeit eine praktische Browser-Erweiterung für Chrome und Firefox mit dem Namen „Unpaywall“ (Chrome Extension, Firefox Extension). Anders als bei Alternativen wie Sci-Hub wird hier versucht, möglichst keine Rechte zu verletzen. Stattdessen werden bei Unpaywall diejenigen akademischen Open-Access-Papiere im Volltext gesucht und angeboten, die Forscher und Wissenschaftler selbst in akademische Repositories hochladen.

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Interessant ist das Angebot nicht nur für Wissenschaftler, sondern insbesondere für Menschen außerhalb der Universitäten oder in Staaten mit wenig Zugang zu weltweiter akademischer Literatur. Denn wer in Forschungseinrichtungen arbeitet, hat oft die Möglichkeit, sich in deren Bibliotheken Inhalte zu verschaffen, die hinter Paywalls versteckt sind. Aber gerade für Menschen außerhalb dieser Institutionen ist Unpaywall nutzbringend, weil sie diese Zugänge nicht so leicht bekommen können.

Jason Priem, der zusammen mit Heather Piwowar die Idee zu Unpaywall hatte, fasst das Ziel so zusammen:

We want to do just one thing really well: instantly deliver legal, open-access, full text as you browse.

Wir wollen nur eine Sache wirklich gut machen: beim Browsen sofort legale, vollständige Open-Access-Texte ausliefern.

aktive nutzer unpaywall
Mittlerweile kommen über 50.000 aktive Nutzer von Unpaywall zusammen. Via Unpaywall-Twitter.

Wer nach wissenschaftlichen Papieren sucht und auf eine Paywall stößt, kann mit einem einfachen Klick und kostenlos die vollständige Version des Beitrags als pdf-Datei lesen. Die Technik ist dem Open Access Button (mit der oaDOI-Schnittstelle) entlehnt und erlaubt den Zugriff auf etwa zehn Millionen wissenschaftliche Beiträge.

Dahinter steht Impactstory, eine von Stiftungen unterstützte Non-Profit-Organisation, die auf quelloffene Software setzt. Die erste Version von Unpaywall wurde am 5. April freigegeben und war in den folgenden Tagen schon von Tausenden heruntergeladen worden. Die Browser-Extension ist dabei denkbar einfach benutzbar und datensparsam in dem Sinne, dass keine personenbezogenen Daten abgefragt oder gespeichert werden. Sie kann also unpersonalisiert genutzt werden.

Als Alternative für eine automatische Open-Access-Suche gibt es außerdem noch den Wikipedia-OAbot, der bei den Referenzen auf Wikipedia-Seiten ansetzt und die zugehörigen Open-Access-Papiere sucht.

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12 Kommentare
    1. Hier aus anderer Quelle: „Das ist möglich, weil viele Verlage den Urhebern Ihrer Publikationen gestatten, die Arbeiten als PrePrint oder PostPrint z.B. auf der eigenen Website oder Repositorien ihrer Hochschule […] hochzuladen.“

      Link: http://blog.bib.hs-hannover.de/2017/04/11/werkzeuge-fuer-die-literaturrecherche-unpaywall/

      Daneben kann man natürlich auch für Open Access bezahlen, wodurch im bestem Fall der Artikel auch ohne Paywall zur Verfügung steht.

  1. Wo ist hier die Innovation? Schon Google Scholar oder andere Suchmaschinen erlauben Papers auf Uni Webseiten oder in OpenAccess Archiven zu finden.

    1. Das ganze ist ziemlich komfortabel! Man findet ein paper auf der offiziellen Seite und rechts das Schloss zeigt direkt an ob es auch irgendwoanders open access verfügbar ist. Das sehe ich schon als Vorteil.
      Für Unimitarbeiter ist es wie beschrieben aber eher uninteressant, da die meisten paper entweder in den Abos enthalten sind oder eben nicht. Da hilft dann nur Scihub.

    2. Das Problem bei Google Scholar ist, dass massenhaft auf Artikel verlinkt wird, für die man bezahlt haben muss. Und diese kosten schnell mal $30 oder mehr. Selbst Universitäten haben längst nicht für alle Zeitschriften die Rechte. Von daher kann es schon sinnvoll sein Open Access gezielter zu suchen und freizuschalten. Nur ist dann eben gewisses Wissen vorenthalten, was einer wissenschaftlichen Neutralität entgegensteht, die schwer wird, wenn man nicht Zugang zu allen Artikeln hat.

  2. Für das deutschsprachige Publikum besonders interessant ist vielleicht die Tatsache, dass eine der wichtigsten Datenquellen von Unpaywall eine Spezialsuchmaschine ist, die von der Universitätsbibliothek Bielefeld betrieben wird: BASE .

    BASE ist die weltweit umfangreichste Suchmaschine für wissenschaftliche Arbeiten, die in institutionellen Repositorien abgelegt wurden. Siehe auch https://oadoi.org/faq.

  3. Die Seite ist ohne JavaScript komplett leer und enthält «script src=“//localhost:35727/livereload.js“» ? Sorry, aber das ist nur unwesentlich besser als eine Paywall.

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