Über das ethische Dilemma von Edward Snowden

440x270-asyl-snowden-aufkleber___440xZum dritten Jahrestag der Snowden-Enthüllungen schreibt Carolin Emcke in ihrer Kolumne in der Süddeutschen Zeitung über das ethische Dilemma: Pflicht.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Ziviler Ungehorsam kann auf eine notwendige und wünschenswerte Veränderung oder auf die notwendige und wünschenswerte Erhaltung des Status quo ausgerichtet sein“, schrieb die Philosophin Hannah Arendt 1970 in ihrem Aufsatz „Ziviler Ungehorsam“, „auf die Erhaltung verfassungsmäßiger Rechte oder auf die Wiederherstellung des richtigen Machtgleichgewichts innerhalb des Regierungssystems.“ In der einen oder anderen Deutung passt diese Beschreibung sehr gut auf die Handlungen von Edward Snowden. Als der ehemalige Mitarbeiter der NSA im Jahr 2013 sein geheimes Wissen über die weltweiten Abhörpraktiken der amerikanischen und britischen Geheimdienste enthüllte, motivierte ihn nach eigener Auskunft ebendies: der notwendige Wunsch nach Veränderung und die notwendige Erhaltung verfassungsmäßiger Rechte. Was Snowden durch seinen aufklärerischen Akt kritisierte, waren die illegalen Auswüchse eines unkontrollierten Sicherheitsapparats, der die Rechte der Bürgerinnen und Bürger, die zu schützen er den Auftrag hat, missachtete. Es ging ihm insofern um beides: um den Erhalt der subjektiven Rechte des Einzelnen wie um die parlamentarische Wiederherstellung des Machtgleichgewichts innerhalb eines Regierungssystem – hier zwischen Regierung und den Geheimdiensten – das ganz offensichtlich aus den Fugen geraten war.

Währenddessen kann man im Vice-Magazin lesen, dass Edward Snowden sehr wohl vor den Enthüllungen viele Wege ausprobiert hat, die Missstände intern zu melden. Das hat nur niemanden interessiert. Die Vice konnte dazu diverse Korrespondenzen per Informationsfreiheitsgesetz rausklagen und veröffentlichen: Snowden Tried to Tell NSA About Surveillance Concerns, Documents Reveal

Passend zum dritten Jahrestag bleibt nur noch ein: Danke, Edward, für den Mut und die Zivilcourage!

15 Kommentare
  1. … aber die Brille fällt auf und die Person, die sie trägt, nicht?
    Wozu dient eine Brille?
    Nun, eine Brille wertet den Träger auf … gehst du mit deiner Brille in der Masse unter, solltest du dir eine auffälligere und zu dir (deinem Gesicht/deiner Gesichtsform) passende Brille besorgen … und nicht Jammern!

        1. Ich kann mir vorstellen, das meine Szenarien manche hier auch ziemlich Nerven!
          … zumal sehr viele in die Schubladen „Machbar“ und „politisch durchaus Erstrebenswert“ gehören … klar sind sie hin und wieder etwas überzogen, aber wenn zu Real dann macht es ja auch keinen Spaß, mal darüber Nachzudenken/-schauen, ob nicht doch ein Fünkchen Wahrheit dahinter steckt!
          Man stelle sich vor, man hat drei Tore, die sind alle drei durchsichtig … klar, das man nicht mehr hinter alle drei Tore schauen muss, man sieht ja alles!
          … und das ist gleichzeitig auch ein psychologisches Problem, man sieht die Gefahr, aber man erschreckt sich nicht mehr davor … man stumpft da eher ab!

  2. Also ich hatte da mal ne nette Übung für die Paarberatung gelesen und den beiden Eltern 1 Blatt Papier in die Hand gedrückt. – „Das ist jetzt mal ihr Kind.“ – Er zieht, sie läßt los. – Sie: Das ist ja wieder typisch! – Er schaut verblüfft das Blatt Papier an. – Mein Kind? fragt er verwundert. – Sie: UNSER KIND!!! – …Er verlässt wütend den Raum.

    So wie bekomme ich jetzt die Kurve zu dem Gerangel um Edward Snowden und die Dokumente? Ach egal, Troll ist Troll! :-D

  3. @ Markus Beckedahl

    Ich habe zwei Bitten an Dich/Euch:

    Edward Snowden hat jüngst getwittert, dass es Zeit sei, ein Buch zu schreiben. Vielleicht wollt Ihr ganz vorne dabei sein, wenn es um die Herausgabe der deutschen Übersetzung geht? (Nicht nur des Geldes wegen…)

    Und schaut doch mal, wie es in Island weitergeht. Wenn dort die Piratenpartei demnächst tatsächlich die stärkste Partei im Parlament und Jonsdottir Premierministerin werden sollte, dann rücken isländische Staatsbürgerschaft oder mindestens Asyl für Snowden in greifbare Nähe. Man kommt auch gut mit dem Flugzeug von Russland nach Island (Nordroute).

  4. @Markus Beckedahl
    Erhellend zu diesem Thema: Geoffroy de Lagasnerie, Die Kunst der Revolte.
    Zum demokratischen, gesellschaftlich ethischen Wert des Verhaltens von Snowden, Assange, Manning in von undurchdringlichen Partikularinteressen verklebten Institutionen.

  5. Ed Snowden ist für mich der größte Held der Dekade, vielleicht sogar für einen längeren Zeitraum … umso mehr tut er mir Leid dafür, mit welchem Aufwand er und sein Lebenswerk ignoriert wird. Nicht nur von denen, die etwas zu befürchten haben, sondern auch von denen, denen er helfen wollte …

  6. Ich sehe da kein großes Dilemma.
    Unrecht zu bekämpfen ist moralisch völlig korrekt, zumal leider nur für ihn Schaden entstanden ist.
    Ein Dilemma wäre es, zwischen dem Tot eines Kindes oder eines Senioren entscheiden zu müssen, um den anderen zu retten.
    Aber Geheimdienstarbeit ein winziges bisschen transparenter zu machen… Gibt für mich keine rechtfertigbare Alternative zu Snowdens Tat.

  7. Die bemerkenswert hohe Anzahl von Männern mit einen bestimmten Netztypischen Brillengestell, die irgendwann der Vergewaltigung, sexueller Abnormität oder Nötigung bezichtigt werden, ist aber schon sehr auffällig. Ob es da Zusammenhänge gibt ?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.