Linkschleuder

Telekom Deutschland, Hüterin der Netzneutralität und des Wettbewerbs

CC BY-NC-ND 2.0, via flickr/Matt Thorpe

Am vergangenen Wochenende ist in der Rheinischen Post ein lesenswertes Interview mit Niek Jan van Damme erschienen, einem Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom. Darin wirbt er für ein Zwei-Klassen-Netz, in dem sich beispielsweise Online-Spiele(r), die auf schnelle Reaktionszeiten angewiesen sind, Überholspuren erkaufen können. Mit einem Zwei-Klassen-System habe das aber nichts zu tun, so van Damme. Außerdem liege der Telekom die Netzneutralität am Herzen – die man jedoch einschränken müsse, um die Innovationskraft des Internets nicht zu gefährden.


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Um das mal klar und unmissverständlich zu sagen, die Deutsche Telekom steht für Netzneutralität. Aber ein freies und offenes Internet bedeutet auch, dass möglichst viele neue Dienste entstehen können. Also müssen wir für manche Angebote auch die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen schaffen. Sonst würden wir die neuen Dienste ja faktisch verhindern – das wäre genau das Gegenteil eines freien Internets.

Auch beim Breitbandausbau sieht sich van Damme darin bestätigt, auf das veraltete Kupferkabel zu setzen. Zum einen würde dadurch ein Monopol der Kabelanbieter verhindert und insgesamt der Wettbewerb beflügelt, zum anderen ließe sich noch einiges aus der antiquierten Technik herausquetschen. Laut van Damme alles Gründe, um die umstrittene Vectoring-Entscheidung der Bundesnetzagentur zu begrüßen, die augenscheinlich auf der Vectoring-Strategie der Telekom fußt:

Wenn wir auf Vectoring verzichten, haben die Kabelnetzfirmen wie Unitymedia in vielen Gebieten ein Monopol auf besonders schnelles Internet. Wenn wir dagegen aufrüsten, können auch andere Telefonfirmen unsere schnellen Anschlüsse anmieten. Wir schaffen also mehr Wettbewerb. Und Millionen Haushalte erhalten durch Vectoring erstmals superschnelle Anschlüsse. Darum befürwortet auch die Bundesnetzagentur unsere Vectoring-Strategie, und ich bin zuversichtlich, dass die EU unseren Vorschlag unterstützen wird.

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7 Kommentare
  1. Audi bietet (die ersten 3 Jahre) kostenloses und unbegrenztes LTE an, mit eingebautem Wlan … darüber kann man aber nur abrufen, was Audi will. Wenn jetzt noch das Auto direkt vorm Haus oder in der Garage steht … es tut sich was, die Welt schreitet unaufhörlich voran, der SPD Justizminister kommt gar nicht mehr hinterher mit neuen Terrorgesetzen.

  2. Erst wird die Netzneutralität zerstört, damit angeblich Telemedizin und autonom(!) fahrende Autos im Internetverkehr Vorrang vor Youtube und Spielen haben, dann wird auch den Spielern derselbe Vorrang verkauft :)))

    1. Achja, und morgen den Youtubern (damit ihre Slomo-Aufnahmen ruckelfrei mit 60 fps und 4K aufs Smartphone gestreamt werden können). Zum Leidwesen von sinnvollen Anwendungen – doch keine Bange, dann gibt es die ÜberÜberholspur und das normale Internet fühlt sich an wie der D-Kanal von ISDN.

      1. Da sprudeln die Marketingideen: Überholspur-Kanalbündelung für 10€ extra im Monat – nutzen sie die gesamte* Bandbreite ihres Internetzugangs!

        *) Bis zu den beworbenen 50 Mbit, für die sie bezahlen, aber wahrscheinlich weniger …

        1. Du willst Bandbreite? Ich geb dir Bandbreite! „Telefónica: Microsoft und Facebook bauen 160-TBit/s-Seekabel nach Europa“ Golem. War da nicht was, ach ja, telefonica, einer der drei VDS-Provider, direkt an die USA angeschlossen.

  3. Wahr ist: Diese Beschränkte aber Geldgeile Sicht der Internetwelt darf; ja MUSS; man von einem Vorstandsmitglied eines Ehemaligen Monopolisten wohl erwarten.
    Falsch ist: Wenn dieser annimmt das seine; der Geldgeilheit geschuldeten; offensichtlichen Lügen von den Informierten Benutzern nicht als solche erkannt und demaskiert werden.
    Wahr ist leider auch: Die meisten Leute interessiert es einen Schei** solange sie für Wenig Geld viel Surfen können.

    Aufklärung tut not. Über das was Technisch möglich ist (Beliebige Verkehrsflußsteuerung, Ausbremsung, Beschleunigung) und der Schlichten Wahrheit das; was Technisch Möglich ist; irgendwer auch umsetzt – zu Seinem eigenen Vorteil und dem Nachteil anderer (=Aller!)
    Marktpolitik heute: Halte das Angebot knapp, dann steigt der Preis!

  4. Es erinnert an den inzwischen verbrannten Begriff „Flatrate“. Er wird benutzt, beworben und zerstückelt, bis von der Grundidee nur noch die leere Marketing-Hülse überig ist.

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