Am vergangenen Wochenende ist in der Rheinischen Post ein lesenswertes Interview mit Niek Jan van Damme erschienen, einem Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom. Darin wirbt er für ein Zwei-Klassen-Netz, in dem sich beispielsweise Online-Spiele®, die auf schnelle Reaktionszeiten angewiesen sind, Überholspuren erkaufen können. Mit einem Zwei-Klassen-System habe das aber nichts zu tun, so van Damme. Außerdem liege der Telekom die Netzneutralität am Herzen – die man jedoch einschränken müsse, um die Innovationskraft des Internets nicht zu gefährden.
Um das mal klar und unmissverständlich zu sagen, die Deutsche Telekom steht für Netzneutralität. Aber ein freies und offenes Internet bedeutet auch, dass möglichst viele neue Dienste entstehen können. Also müssen wir für manche Angebote auch die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen schaffen. Sonst würden wir die neuen Dienste ja faktisch verhindern – das wäre genau das Gegenteil eines freien Internets.
Auch beim Breitbandausbau sieht sich van Damme darin bestätigt, auf das veraltete Kupferkabel zu setzen. Zum einen würde dadurch ein Monopol der Kabelanbieter verhindert und insgesamt der Wettbewerb beflügelt, zum anderen ließe sich noch einiges aus der antiquierten Technik herausquetschen. Laut van Damme alles Gründe, um die umstrittene Vectoring-Entscheidung der Bundesnetzagentur zu begrüßen, die augenscheinlich auf der Vectoring-Strategie der Telekom fußt:
Wenn wir auf Vectoring verzichten, haben die Kabelnetzfirmen wie Unitymedia in vielen Gebieten ein Monopol auf besonders schnelles Internet. Wenn wir dagegen aufrüsten, können auch andere Telefonfirmen unsere schnellen Anschlüsse anmieten. Wir schaffen also mehr Wettbewerb. Und Millionen Haushalte erhalten durch Vectoring erstmals superschnelle Anschlüsse. Darum befürwortet auch die Bundesnetzagentur unsere Vectoring-Strategie, und ich bin zuversichtlich, dass die EU unseren Vorschlag unterstützen wird.
