Linkschleuder

Paypal sperrt Konto des VPN-Anbieters UnoTelly

Bei UnoTelly wird PayPal nicht mehr akzeptiert. CC BY-NC 2.0 via Flickr/Jeremy Brooks

Der Online-Bezahldienstleister PayPal hat damit begonnen, die Konten von VPN- und SmartDNS-Anbietern zu sperren. Bekannt wurde bisher der Fall des Anbieters UnoTelly, laut TorrentFreak ist es jedoch wahrscheinlich, dass andere Anbieter ebenfalls betroffen sind. PayPal begründet die Maßnahme mit angeblichen Urheberrechtsverletzungen, die durch das Umgehen von Ländersperren mit Hilfe von VPN- und SmartDNS-Diensten begangen werden.

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Die Nutzungsbedingungen von PayPal schließen alle Kunden und Transaktionen aus, die mit Urheberrechtsverletzungen in Verbindung stehen. Der Dienstleister könnte also sämtliche VPN-Anbieter sperren, TorrentFreak geht jedoch davon aus, dass vor allem solche betroffen sein könnten, die ihre Angebote explizit als „Unblocking“-Möglichkeit anpreisen:

Under PayPal’s policy every VPN and SmartDNS service is at risk of losing its PayPal account. However, it seems likely that the company will mainly take action against companies that market themselves as an “unblocker” service.

Zahlungen an UnoTelly via PayPal sind nun nicht mehr möglich. Zudem muss der Anbieter alle Links, Logos und Funktionen PayPals von seiner Webseite entfernen.

Das Blockieren von ungeliebten Dienste-Anbietern ist nicht neu. Schon 2013 hatte PayPal Zahlungen an den VPN-Anbieter IPredator verweigert. Bei Paysafe und Mastercard gab es ähnliche Aktionen.

Mit VPN-Verbindungen und SmartDNS-Diensten kann beispielsweise das Geo-Blocking von Seiten wie Netflix, Hulu oder Youtube umgangen werden. Die Seitenanfragen der Nutzer gehen dabei nicht direkt an die jeweilige Seite, sondern über einen Server des VPN/SmartDNS-Dienstes, der die Anfrage mit einer neuen IP-Adresse versieht. Ist die neue IP-Adresse zum Beispiel eine US-amerikanische, kann der Nutzer damit auf das – in Deutschland gesperrte – US-Angebot von Netflix zugreifen.

VPN-Verbindungen und SmartDNS-Dienste können aber nicht nur dazu genutzt werden, Ländersperren zu umgehen und den eigenen Standort zu verschleiern, sie sind auch ein legitimes Mittel zur Anonymisierung und zum Schutz der Privatsphäre. Die Verbindung mit einem VPN-Server schützt beispielsweise vor neugierigen Providern oder dem eigenen Arbeitgeber. Beide können nur noch die verschlüsselte Verbindung zum VPN-Server sehen, aber nicht mehr, welche Internetseiten tatsächlich besucht wurden.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
17 Kommentare
    1. Herrje,, durch das breite Löschen von Kommentaren der der Netzpolitik.org Linie entgegenlaufen bleibt nur noch KOmmentarsuppe übrig. Übrigends Kommentaren, die sachlich, wenn auch zynisch waren. Immerhin bleiben die Response Kommentare erhalten. Diese zeigen auch ohne Bezugstest, wessen Geisteskind die netzpoltik.org Leser sind, die nicht von den Machern von Netzpolitik,org zensiert und gelöscht werden. Das ist noch entlarvender, als selbst Texte zu schreiben.

    1. Nun, ob das wirklich so politisch ist, oder einfach eine besonders nette Art sich an Geldern anderer zu bereichern? Denn mit der Kontosperrung wird auch das Guthaben eingefroren und dann frühestens nach 6 Monaten (falls überhaupt) wieder freigegeben!

    2. Paypal ist generell unserioes. In Europa sitzen sie in Luxemburg um den Bankenaufsichten nicht zu unterliegen und in den USA haben sie Geschaeftspraktiken die ueberall anders in der zivilisierten Welt sofort vom Betrugsdezernat untersucht wuerden.

  1. Ich kenne genügend Künstler, die Nettoeinzahler für dieses System sind.
    Die für das unentgeldliche zur Verfügung stellen ihrer eigenen Arbeiten, oder wenn sie einen nicht genemigten eigenen Song bei einem Konzert spielen, auch noch bezahlen müssen. Oft sichern sich die Plattenfirmen die Rechteverwertung.
    Wie sonst auch haben nur die Erfolgreichen einen Nutzen von Systemen wie Gema!!!

  2. Hm, das Astroturfing der großen Contentverwerter und Verlage, eben denen, die als (heute eigentlich obsolete) Vermittler das eigentliche Geld mit kulturellen „Texten“ verdienen, scheint unterdessen immer aggressiver zu werden, zumindest manchen Kommentaren hier nach zu urteilen. Globalisierung, das Wesen digitaler Kopien, Bürgerrechte, all das wird ausgeblendet. Pöser Kommunismus, das alles…

  3. Es ist schon ein seltsames Gefühl, für das Werk eines anderen Gelder zu erhalten. Geld für Nixtun. Quasi Kacken ohne zu drücken.
    Selbst, wenn man dann meint, die Werke unter einer CC-Lizenz zur freien privaten Benutzung, für Studienzwecke oder wwi. zur Verfügung stellen zu wollen, steht man plötzlich vor ganz neuen Problemen. Die fangen schon da an, wo man nicht alleinvertretungsberechtigt ist, die Vertretung hauptsächlich in dummen und gierigen/geizigen Händen liegt, die die Werke lieber in irgendwelchen Archiven vergammeln lassen wollen.
    Spannend wirds dann weiter bei Rechten von Verlagen und wer weiß was da noch für Beteiligte mit im Boot sitzen.
    Das wird gewiss noch eine etwas größere Aufgabe.

  4. Dabei ist das Geoblocking in vielen Fällen illegal oder zumindest unerwünscht. Schließlich wird über VPN nichts illegal genutzt – nur die Diskriminierung nach Aufenthaltsort wird überwunden. Wenn Paypal da ausfällt, sollten diese Anbieter mit Bitcoins bezahlt werden. Da gibt es keine politischen Kriterien nach denen die Zahlungen unterbunden werden.

  5. Zahlungsdienste haben das zu tun was sie anbieten. Zahlungen abzuwickeln.
    Den Moral-Apostel zu spielen übersteigt deren Kompetenzen um Lichtjahre.
    Nachher erzählt mir noch ein elektronischer Geldschein, dass es verboten ist eine Hure
    im Sperrbezirk damit zu bezahlen. So ein Blödsinn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.