Seit Juli 2016 darf ich den Bereich „Internet“ im ZDF-Fernsehrat vertreten. Was liegt da näher, als im Internet mehr oder weniger regelmäßig Neues aus dem #Fernsehrat zu berichten? Eine Serie.
Thema im (nicht-öffentlichen) Ausschuss Telemedien und in der (öffentlichen) Plenumssitzung am 08./09. Dezember 2016 waren unter anderem der Entwurf des Intendanten für die Selbstverpflichtungserklärung 2017–18 des ZDF (PDF der Bilanz der letzten Erklärung 2015–16). Die Selbstverpflichtung ist eine einseitige Erklärung, mit der sich das ZDF verpflichtet, bestimmte Regeln einzuhalten bzw. Ziele anzustreben. Diese Selbstverpflichtung ist rechtlich nicht bindend.
Ein Aspekt, der sich im vorgelegten Entwurf durch die diversen Themenbereiche zieht, ist die Präsenz des ZDF auf Drittplattformen und „Social Media“. Zwar wird allerorts – so auch im Bericht des Intendanten im Fernsehrat – die ungebrochene Bedeutung des linearen Programms betont, zumindest mit der Gründung des quasi „senderlosen“ Jugendprogramms funk haben plattformbasierte Angebote auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Einzug gehalten. In Vorbereitung ist auch der Aufbau einer „Kulturplattform“, die Kulturinhalte aus dem Hauptprogramm, den Digitalkanälen, von arte, 3sat und Kika an einem Ort bündeln wird.
Aktivitäten auf Drittplattformen
Hinsichtlich des auch für die Zukunft geplanten Ausbaus von Aktivitäten auf Drittplattformen ist jedoch ein klares und für einen öffentlich-rechtlichen Anbieter fragwürdiges Ungleichgewicht erkennbar. Während beispielsweise regelmäßig auf Erfolge beim Aufbau von YouTube-Kanälen – durchaus verbunden mit dem Ziel, SeherInnen in die ZDF-Mediathek zu lotsen – verwiesen wird, gibt es bislang keine nennenswerten Initiativen des ZDF, auch auf nicht-kommerziellen Plattformen mit Inhalten präsent zu sein. Gerade für einen öffentlich-rechtlichen und beitragsfinanzierten Anbieter ist dieser ausschließliche Fokus auf kommerzielle Plattformen eigentlich nicht vertretbar.
Denn selbst wenn das Engagement des ZDF auf YouTube, Facebook & Co durch die große Reichweite dieser Plattformen zu rechtfertigen ist, gälte dasselbe auch für Plattformen wie die Wikipedia, die laut ARD-ZDF-Onlinestudie von über 93 Prozent der 14- bis 29-Jährigen genutzt wird. Eigentlich wären ZDF und Wikipedia eine ideale Ergänzung: Während bei Wikipedia kaum Bewegtbildinhalte verfügbar sind, darf das ZDF auf Grund des erfolgreichen Lobbyings der privaten Medienverlage kaum Textinhalte digital zugänglich machen. Und beide, ZDF und Wikipedia, verfolgen eine nicht-profitorientierte, aufklärungsorientierte Agenda mit dem Ziel eines neutralen Standpunkts (dass das in der Praxis nicht immer gelingt, ist so klar wie unvermeidbar).
Nichts für Nicht-kommerzielle Plattformen?
Voraussetzung für die Präsenz auf Plattformen wie Wikipedia ist aber die systematische Identifikation von Wikipedia-kompatiblen Inhalten und deren entsprechende (Creative-Commons-)Lizenzierung. Im Nachrichtenbereich wären das beispielsweise Reportagen, die ZDF-Korrespondenten bei eigenen Drehreisen fertigen, oder überhaupt größere Teile der Inlandsberichterstattung, die ohne Agentur- und Partnermaterial erstellt werden. Aber auch in Magazinsendungen wie Drehscheibe und Mittagsmagazin gibt es natürlich ebenfalls Beiträge, deren offene Lizenzierung bereits im Planungsprozess mitgedacht werden könnte.
Besonders zu zeitgeschichtlichen Ereignissen und Phänomenen wie Wahlen, Naturkatastrophen oder Protestbewegungen wäre es dadurch möglich, Wikipedia-Artikel durch öffentlich-rechtliches Videomaterial zu ergänzen. Gleichzeitig würde dadurch die Sichtbarkeit des ZDF gerade in schwer erreichbaren, jüngeren Zielgruppen verbessert.
