Die weiter anhaltende Diskussion um die Angriffe auf Router von Kunden der Deutschen Telekom treibt bizarre Blüten, deren Dokumentation aufgrund der Menge nicht vollständig sein kann. Die schon lange Zeit bekannte Sicherheitslücke, die ausgenutzt wurde, löst eine Flut an Kommentaren und Vorschlägen aus, als sei dies ein Angriff einer ganz neuen Qualität gewesen.
Dabei ist es nun wirklich keine Neuigkeit, dass wir unsere Digital-Welt auf brüchigen Fundamenten bauen und dass die verschiedenen Technologien, auf die wir uns verlassen, voller Lücken, Hintertüren, Fehler und damit anfällig für Angriffe sind. Vielleicht wäre deshalb die üppige Summe von 150 Millionen Euro im Bundeshaushalt besser darin angelegt, die IT-Sicherheit zu stärken, statt weiterhin staatliches Hacking zu alimentieren.
Der einzige, der bisher die wahren Hintergründe kennt, ist übrigens der unnachahmliche Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Er kommentiert die Angriffe auf die Telekom in
einem Interview, erklärt die Hacker darin zu kurzerhand zu Terroristen und beschreibt deren Ziele so: Geld erpressen, ganze Staaten destabilisieren und als Geisel nehmen. Da hat die Telekom ja nochmal Glück gehabt.
Ende der Wartezeit bei der Telekom
Bei der Telekom wird es gar militant, denn es erfolgt der Aufruf zu den Cyber-Waffen, wie heise.de titelt. Das lenkt aber nur kurz davon ab, dass der Konzern bald zwei Jahre Zeit gehabt hätte, etwas gegen die Sicherheitslücke zu unternehmen, wenn er denn gewollt und das Geld dafür locker gemacht hätte.
Die Telekom hat sich nach für deren Kunden vertrauter Wartezeit immerhin zu einigen Antworten bemüßigt und gibt mittlerweile gute Hinweise, was Betroffene tun sollen. Allerdings war aus technischer Perspektive wenig Erhellendes bei der Telekom zu lesen. Wollte sich der geneigte Betroffene technisch weiterbilden und gar für die Zukunft etwas lernen aus dem Vorfall, war er jedenfalls bei der Telekom an der falschen Adresse.
Erst nach der Analyse von Ralf-Philipp Weinmann, über die Linus bereits geschrieben hat, können sich Interessierte jetzt endlich genauer informieren. Gerade eben erst zog nun auch die Telekom mit detaillierten Informationen nach. Der Konzern redet allerdings immer noch von einer „Störung“, bestätigt aber immerhin exakt die Erkenntnisse von Ralf-Philipp Weinmann.
Was das BSI zu sagen hat
Beim zuständigen BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) aber findet man nur eine peinlich dürre Pressemitteilung mit wenigen Worten, die keinerlei Erkenntnisgewinn für die betroffenen Menschen bringt.
BSI-Chef Arne Schönbohm lässt sich wie folgt darin zitieren:
In dem am 9. November vorgestellten Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland haben wir auf die Gefahren durch Hackerangriffe insbesondere für Kritische Infrastrukturen hingewiesen. In der Cyber-Sicherheitsstrategie wurden bereits geeignete Maßnahmen zum Schutz vor Angriffen auf unsere digitale Infrastruktur beschlossen. Diese müssen nun wirken.

Da steht im Grunde: „Told you so“. Ende der Durchsage. Kein einzige Andeutung, welche „geeigneten Maßnahmen“ das sein sollen, welche Aspekte der „Cyber-Sicherheitsstrategie“ hier welche Wirkung entfalten könnten.
Soll das ein Witz sein?
Auch über den BSI-RSS-Newsfeed (RSS-Feed) gab es keinerlei Hinweise, Hilfestellungen oder Informationen. Und die einzige Antwort über den Twitter-Kanal des BSI ist nebenstehend dokumentiert.
Während sich Innenminister Thomas de Maizière vor die laufenden Kameras stellte und seine „Cyber-Sicherheitsstrategie“ lobte und auf das BSI verwies, bietet das Amt weder Informationen noch Hilfe.
Es ist natürlich eine Binsenweisheit, dass ohne eine gute Informationsbasis kaum gute Entscheidungen zu treffen sind, auch politische. Aber finge nicht jede gute „Cyber-Sicherheitsstrategie“ damit an, sinnvolle Informationen anzubieten, genau dort, wo man sich darauf verlassen können sollte, dass sie akkurat und vielleicht gar verständlich sind, nämlich auf der Website der zuständigen Behörde? Insbesondere dann, wenn wie in diesem Fall mehrere Hunderttausend Menschen betroffen sind.
