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Gambia schaltet zur Präsidentschaftswahl Internet und Auslandstelefonie ab

Die Regierung Gambias hat am Vorabend der Präsidentschaftswahl sowohl das Internet wie auch Anrufe ins Ausland abgeschaltet. Das berichtet das Mediennetzwerk Fatu (unsere Übersetzung): „Die Abschaltung betrifft alle vier Mobilfunkanbieter des Landes, die Internet für mobile Endgeräte liefern. Dazu gehören die privaten Unternehmen Africell und QCell sowie die staatliche Gamcel, die alle 3G-Internet anbieten. Betroffen…

  • Markus Reuter
Karte Gambias. Grafik: CC-BY-SA 3.0 de-user Domenico-de-ga

Die Regierung Gambias hat am Vorabend der Präsidentschaftswahl sowohl das Internet wie auch Anrufe ins Ausland abgeschaltet. Das berichtet das Mediennetzwerk Fatu (unsere Übersetzung):

„Die Abschaltung betrifft alle vier Mobilfunkanbieter des Landes, die Internet für mobile Endgeräte liefern. Dazu gehören die privaten Unternehmen Africell und QCell sowie die staatliche Gamcel, die alle 3G-Internet anbieten. Betroffen ist auch Comium, der neueste private Provider, der 2G-Internet anbietet.“

Laut dem Bericht haben fast 100 Prozent der Gambier Zugang zu Mobilfunk. Internet über feste Anschlüsse ist hingegen wenig verbreitet.

In Gambia wird heute gewählt. Hintergrund für die Abschaltung des Internets ist die drohende Wahlniederlage des seit 22 Jahren regierenden Präsidenten Yahya Jammeh. Seine Herrschaft ist durch ein breites Oppositionsbündnis mit einem gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten gefährdet. Etwa 900.000 Menschen sind im kleinen westafrikanischen Land wahlberechtigt. Wie der Deutschlandfunk berichtet, war schon der Wahlkampf von Festnahmen von Oppositionspolitikern und offenen Drohungen des Präsidenten überschattet. Zudem wurde ein Demonstrationsverbot erlassen.

Update 2.12. / 18 Uhr:
Die Opposition hat die Wahl gewonnen. Accessnow berichtet, dass das Internet wieder angeschaltet sei.

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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5 Kommentare zu „Gambia schaltet zur Präsidentschaftswahl Internet und Auslandstelefonie ab“


  1. […] Artikel  „Gambia schaltet zur Präsidentschaftswahl Internet und Auslandstelefonie ab“ erschien am 01.12.16 auf […]


  2. […] Ich lasse mich ja hin und wieder dazu hinreißen, über Deutschland als Unrecht‑, Polizei- und sonstigem Scheißstaat zu lästern. Hin und wieder halte ich das auch für angebracht, dennoch ist mir natürlich klar, dass es mir hier ziemlich gut geht. Einen kleinen Realitätsabgleich bietet derzeit ein Blick nach Gambia, wo während der „demokratisch legitimerten Wahl“ mal eben für einen Tag das gesamte Internet sowie alle Auslandstelefonverbindungen gekappt werden […]


  3. Tom (Abonnent)

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    Wie man nicht unbedingt erwarten konnte hat der Präsident seine Niederlage anerkannt: https://www.theguardian.com/world/2016/dec/02/the-gambia-president-jammeh-concede-defeat-in-election


  4. Marion

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    Seit dem 17.1.16 ist das Internet wieder komplett abgeschaltet und die Teilnehmer isoliert!
    Telefon geht nur national, international nur bedingt.


    1. Marion

      ,

      Sorry verschreiber, seit dem 17.1.17 natürlich.…

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