Facebook macht Freundesvorschläge („Personen, die du vielleicht kennst“) auf Basis des Handystandortes. Sind zwei Handys von Facebook-Nutzern am selben Ort, kann es sein, dass das Unternehmen den Nutzern den Namen und das Profil des anderen anzeigt, ohne dass sich die Personen kennen.
In der Hilfe von Facebook heißt es zu dieser Funktionalität:
„Personen, die du vielleicht kennst“ sind Facebook-Nutzer, die du möglicherweise kennst. Wir zeigen dir anhand gemeinsamer Freunde, Ausbildungs- und Berufsinformationen, Netzwerken, denen du angehörst, Kontakten, die du importiert hast, und vielen anderen Faktoren Personen an.
Einer dieser vielen anderen Faktoren, die hier verschwiegen werden, sind offenbar die Geodaten des Telefons. Gegenüber Fusion.net sagt ein Facebook-Sprecher, dass der Ort alleine keine „Personen, die du vielleicht kennst“-Meldung auslösen könne, sondern dass es noch anderer Faktoren bedürfe. Welche das sind, sagt Facebook allerdings nicht.
Die Funktionalität, von der unklar ist, ob sie einfach allen Usern standardmäßig zugeschaltet ist, birgt große Probleme für die Privatsphäre. Neben durchaus positiven Einsatzmöglichkeiten, sind viele Szenarien denkbar, die zu Problemen für die Nutzer führen können.
Beispiele für Datenschutzprobleme der Funktionalität:
Szenario 1:
Peter Power geht im Club tanzen. Er tanzt lange in der Nähe von Jenny Jansen. Peter traut sich nicht Jenny anzusprechen. Jenny hat gar keine Lust mit Peter zu reden und findet ihn richtig unsympathisch. Am nächsten Tag schlägt Facebook Peter vor, dass er sich mit Jenny Jansen befreunden könnte.
Szenario 2:
Hans Huber geht zur Aidsberatung. Er sitzt dort länger im Wartezimmer. Dort sitzen noch andere Leute. Am nächsten Tag fragt Facebook Hans Huber, ob er sich mit Susi Schneider befreunden will. Hans Huber kennt ihr Gesicht nur aus dem Wartezimmer.
Szenario 3:
Mario Meister geht im Baumarkt einkaufen. Hinter ihm an der Kasse steht Thor Tritschler. Thor zündet mit dem im Baumarkt gekauften Brandbeschleuniger ein Flüchtlingsheim an. Die Polizei kommt zu Mario Meister und verdächtigt ihn des Brandanschlages.
Standort-Überwachung der Facebook-Nutzer wird stärker
Facebook wird in Sachen Standortüberwachung seiner Nutzer immer invasiver. Zuletzt berichtete der WDR, dass die Conversionsraten von Online-Anzeigen und Offline-Käufen mittels des Handystandortes ermittelt werden:
Dank GPS-Funktion weiß Facebook ganz genau, wo sich seine Schäfchen gerade aufhalten. Auf den Meter genau wird alles getrackt und ausgewertet. Nicht mehr nur, um passende Anzeigen zu präsentieren (Komm in den Laden, vor dem Du gerade stehst), sondern eben auch, um den Erfolg von Anzeigen zu tracken. Betritt jemand den beworbenen Laden, bekommt Facebook das mit und kann dem werbetreibenden Unternehmen Vollzug melden. Die „Conversion“ ist gelungen: Die Anzeige hat aus einem Interessenten einen Kunden gemacht. Check.
Auch war vielen Leuten aufgefallen, dass ihnen auf Facebook ihre Tinderdates als „Personen, die du vielleicht kennst“ vorgeschlagen wurden. Auch hier könnte die Geolocation des Telefons ausschlaggebend gewesen sein.
Gegen die zunehmende ortsbasierte Überwachung von Facebook hilft nur: in den Optionen die Standortüberwachung ausschalten. Diese Einstellung haben wir nur mobil unter „Weitere Einstellungen > Ort > Niemals“ gefunden.
Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte einfach ganz auf Facebook verzichten.
Update:
Es gibt mittlerweile eine Aussage von Facebook, dass sie die Standortdaten nicht (mehr?) nutzen für diese Funktionalität. Wir haben mal bei Facebook nachgefragt und haben folgende Antwort bekommen:
„We’re not using location data, such as device location and location information you add to your profile, to suggest people you may know. We may show you people based on mutual friends, work and education information, networks you are part of, contacts you’ve imported and other factors.“
