Netze

Breitbandausbau: Rheinland-Pfalz setzt auf Glasfaser

An breitbandigen Internetanschlüssen mangelt es besonders im Westen von Rheinland-Pfalz. Screenshot: Studie TÜV Rheinland

Rheinland-Pfalz will offenbar Nägel mit Köpfen machen und die bestehende Netzinfrastruktur weitgehend durch Glasfaser ersetzen. Untermauert wird das Vorhaben der Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) von einer Studie des TÜV Rheinland, die den Kommunen dabei helfen soll, eine flächendeckende Versorgung mit Breitbandnetzen der nächsten Generation (NGA) zu erreichen.

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Freilich kommt die zukunftsgerichtete Initiative nicht ganz billig: Um die 816.353 mit Breitbandanschlüssen unversorgten Haushalte an ein Glasfasernetz (FTTB, Fiber To The Building) anzuschließen, entstünden Kosten in der Höhe von 2,83 Mrd. Euro. Ein weiterer Ausbauschritt, der die Glasfaserleitung bis in die Wohnung bringen würde (FTTH, Fiber To The Home), käme demnach auf 369,27 Mio. Euro. Die restlichen 56,6 Prozent der Haushalte, denen jetzt schon potenziell Bandbreiten von über 100 MBit/s zur Verfügung stehen, bleiben von der Studie unberücksichtigt.

Langfristige Refinanzierungszeiträume notwendig

Über den freien Markt wird sich der auf 15 Jahre angelegte Ausbau nicht realisieren lassen, da private Unternehmen zu kurzfristig planen würden. Stattdessen sollen regional tätige Versorgungsunternehmen oder kommunale Gesellschaften einspringen, die im Unterschied zu Telekommunikationsunternehmen mit Refinanzierungszeiträumen von 20 bis 30 Jahren arbeiten könnten. Ernstzunehmende Alternativen zu der zwar teuren, dafür aber langfristig ausgelegten Ausbauvariante bleiben jedoch überschaubar:

Zur Realisierung eines Breitbandnetzes stehen unterschiedliche Technologien und Strukturen der Zugangsnetze zur Verfügung. Angesichts der in der Studie definierten Zielerreichung einer flächendeckenden Versorgung von mindestens 300 Mbit/s reduzieren sich jedoch die nutzbaren Technologien. Funktechnologien können die geforderten Bandbreiten aus heutiger Sicht nicht zuverlässig bereitstellen. Die Netzstruktur Glasfaser bis zu den Verteilerkästen am Straßenrand, kurz FTTC (Fiber to the Curb), kann zwar über technologische Weiterentwicklung wie das sogenannte Super Vectoring theoretisch Bandbreiten von 300 Mbit/s erzielen, allerdings nicht flächendeckend. Nur die Glasfaserstrukturen FTTB und FTTH können sehr hohe Bandbreiten für 100 Prozent der Haushalte bereitstellen. Auch die bestehenden CATV-Netze [TV-Kabelnetze, Anm. d. Red.] besitzen hierfür das technologische Potential.

Aufgrund des hohen Investitionsbedarfs soll der Ausbau bedarfsorientiert und nach Prioritäten geordnet in mehreren Stufen erfolgen. Die Studie empfiehlt, in einem ersten Schritt alle Verteiler in den Ortslagen an das Glasfasernetz anzuschließen (FTTC, Fiber To The Curb), die später als Sprungbrett für einen FTTB-Ausbau dienen könnten. In der Zwischenzeit müsste man sich im Bedarfsfall mit einem Technologiemix begnügen, der auch auf Kupferleitungen basierende Übergangslösungen wie „Super Vectoring“ oder „G.fast“ miteinbezieht.

Gewaltiger Aufholbedarf

Screenshot: Studie TÜV Rheinland
Screenshot: Studie TÜV Rheinland

Rheinland-Pfalz hat jedenfalls viel aufzuholen, denn derzeit liegt die Versorgung mit Anschlüssen, die Bandbreiten von 50 MBit/s liefern können, knapp unter dem bundesweiten Durchschnitt von 68,7 Prozent. Bekanntlich will die Bundesregierung bis 2018 sämtliche deutsche Haushalte mit dieser Bandbreite ans Internet angeschlossen wissen und hat im vergangenen Herbst ein mit 2,7 Mrd. Euro ausgestattetes Förderprogramm ins Leben gerufen. Demnach soll der Bund in der Regel 50 Prozent eines Ausbauprojektes finanzieren, den Rest könnten andere Förderprogramme übernehmen, etwa die eines Landes. Der Eigenanteil einer Kommune soll ausdrücklich bei 10 Prozent liegen.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Kritik der CDU-Opposition in Rheinland-Pfalz am Ausbauvorhaben des Landes wie eine schlechte Parodie. So eigne sich laut dem stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden Christian Baldauf das noch lange nicht ausgerollte Mobilfunknetz der fünften Generation (5G) zur Überbrückung, während der medienpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Josef Dötsch, ironiefrei verkündete:

Die Kommunen werden alleine gelassen. Der Bund hat ein milliardenschweres Förderprogramm für den Breitbandausbau aufgelegt. Da, wo der Bund finanzschwache Kommunen durch höhere Förderung unterstützt, zieht sich das Land aus der Verantwortung, reduziert die eigene Förderung und verlangt einen 10%igen Eigenanteil der Kommunen.

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4 Kommentare

  1. Über den freien Markt wird sich der auf 15 Jahre angelegte Ausbau nicht realisieren lassen, da private Unternehmen zu kurzfristig planen würden. Stattdessen sollen regional tätige Versorgungsunternehmen oder kommunale Gesellschaften einspringen, die im Unterschied zu Telekommunikationsunternehmen mit Refinanzierungszeiträumen von 20 bis 30 Jahren arbeiten könnten.

    Guten Morgen!

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