Nutzerrechte

„Betroffene Kreise“ fordern generelles gesetzliches Verbot von Ad-Blockern

Die öffentlich nur wenig diskutierte Arbeit der Bund-Länder-Kommission zur Medienkonvergenz wird nach Intervention von Lobbyisten nun zum Politikum: In ihrem neuen Bericht wird ein Verbot von Ad-Blockern diskutiert.

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Seit Dezember 2014 gibt es die Bund-Länder-Kommission zur Medienkonvergenz, die sich mit Rechtsfragen des Jugendschutzes offline und online, mit Fragen des Wettbewerbs, der Medienvielfalt oder der Auffindbarkeit von Inhalten beschäftigt. Sie soll auch Vorschläge für anstehende EU-Richtlinien entwerfen, die EU-Reformen begleiten und Ideen erarbeiten im Hinblick auf die „nationale und europäische Medienordnung“. Nun ist der Bericht der Kommission erschienen (pdf).

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, koordiniert gemeinsam mit der Rundfunkkommission Rheinland-Pfalz und deren Vorsitzender, Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die Arbeit der Bund-Länder-Kommission, die sich seit März 2015 in fünf Fachgruppen aufgeteilt hat:

  • Audiovisuelle Mediendienste-Richtlinie,
  • Jugendschutz/Jugendmedienschutz,
  • Kartellrecht/Vielfaltssicherung,
  • Plattformregulierung,
  • Intermediäre.

Ad-Blocker

Die Kommission widmet sich nach einer „Besprechung der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder“ im Dezember 2015 nun im Rahmen der Fragen des Wettbewerbs und der Medienvielfalt auch dem Thema Ad-Blocker. Medienanbieter bemängeln nämlich, dass sie ein Gesamtprodukt anbieten würden, zu dem im Falle des kostenlosen Anbietens eben auch Werbung gehöre. Das diene der Refinanzierung journalistischer Inhalte. Dieses Gesamtprodukt werde aber …

… durch den Ad-Blocker faktisch entbündelt. Es bestünde aber kein Anspruch auf unentgeltliche Information, weshalb entweder für ein Medienprodukt gezahlt oder die Werbung geduldet werden müsse. Ad-Blocker wurden als existentielle Bedrohung der wirtschaftlichen Basis insbesondere für die digitalen Angebote der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger bezeichnet. (S. 20)

Etwa dreißig Prozent der Nutzer würden Ad-Blocker nutzen, bei manchen Angeboten sogar über fünfzig Prozent. Die „betroffenen Kreise“ (S. 20) fürchten deshalb, dass es zu Beeinträchtigungen der Medienvielfalt kommen könnte und fordern gesetzgeberische Maßnahmen.

Die Forderungen gehen auf einem Workshop zurück, der im März 2016 stattfand und die einschlägigen Verdächtigen zusammenholte:

  • Organisation der Mediaagenturen (OMG),
  • Omnicom Media Group Germany GmbH,
  • Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV),
  • Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ),
  • Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW),
  • Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT),
  • ARD,
  • Geschäftsführer der ZDF Werbefernsehen GmbH,
  • AG Privater Rundfunk (APR),
  • Anzeigenchef eines (ungenannten) Verlags.

Dass hauptamtliche Werbeprofis Ad-Blocker nicht mögen, wird nun niemanden überraschen:

Die Medienunternehmen forderten […] ein generelles gesetzliches Verbot von Ad-Blockern.

Man könnte laut lachen, allerdings wissen wir nicht erst seit dem Leistungsschutzgeld für Presseverleger, dass Forderungen dieser speziellen „betroffenen Kreise“ in der Politik regelmäßig sehr ernstgenommen werden. Zwar hat das Oberlandesgericht Stuttgart dem Springer-Konzern gerade zu verstehen gegeben, dass es ein Verbot von Ad-Blockern nicht goutiert, aber was interessieren schon Gerichte, wenn die Lobbyisten es auf eine Gesetzesänderung abgesehen haben.

Die Kommission selbst sieht Ad-Blocker „medienpolitisch als problematisch“ an und hält es „mit Blick auf die Refinanzierung journalistisch-redaktioneller Angebote“ für erforderlich, die bestehenden gesetzlichen Regelungen zu prüfen.

Kartellrecht, Plattformregulierung und Sicherung der Vielfalt

Im Kartellrecht wird der Frage nachgegangen, ob ein Konzern „marktbeherrschend“ und daher der entsprechende Markt zu regulieren ist. In der Arbeitsgruppe geht es aber auch um Vielfalt in einem weiteren Sinne. Man möchte gewährleisten, …

… dass meinungsrelevante Inhalte von den Rezipienten auch wahrgenommen werden können. Um dies zu erreichen sollten die folgenden allgemeinen Grundsätze für Medienplattformen […] gelten:

  • Transparenz,
  • Diskriminierungsfreiheit, Chancengleichheit,
  • Nutzerautonomie.

Der Rundfunkstaatsvertrag (RStV) soll dahingehend angepasst werden, dass ein „technologieneutraler und entwicklungsoffener Plattformbegriff (Medienplattform)“ Einzug findet. Grundsätzlich plädiert die Kommission für Diskriminierungsfreiheit und Transparenz, die diesen Plattformen auferlegt werden soll.

Audiovisuelle Mediendienste-Richtlinie

Die AVMD-Richtlinie (2010/13/EU) des Europäischen Parlaments und des Rates über audiovisuelle Mediendienste hatte die frühere EG-Fernsehrichtlinie abgelöst und soll nun novelliert werden. Die Richtlinie beschäftigt sich mit Werberegulierungen, Barrierefreiheit, Jugendschutz, Schleichwerbung und Teleshopping, aber auch „Hate Speech“. Im aktuellen Bericht der Bund-Länder-Kommission wird auf ein Positionspapier zur anstehenden Überarbeitung der AVMD-Richtlinie vom November 2015 (pdf) verwiesen.

Darin findet sich für die Richtlinien-Novellierung die Forderung, dass Werbung in Zukunft klar von Inhalten abgegrenzt werden soll, auch bei nicht-redaktionellen Inhalten. Quantitative Werberegeln will man hingegen weitestgehend abschaffen, Ausnahmen für Kindersendungen, Nachrichten und Sendungen mit Gottesdiensten sollen aber erhalten bleiben.

Dieses Positionspapier wurde nun leicht erweitert, man möchte den Schutz der Medienvielfalt sichern, indem „nationale Regelungen für audiovisuelle Plattformen“ in der Richtlinie zugelassen werden.

Jugendschutz

Beim Jugendschutz ist das zentrale Ziel der Kommission, „Kohärenz“ herzustellen, also Medien unabhängig von ihrem Verbreitungsweg zu bewerten. Im Jugendschutzgesetz (JuSchG) soll dazu ein einheitlicher Medienbegriff sowohl für Träger- als auch Telemedien verankert werden. Man strebt eine „bundesgesetzliche Reform“ und generell die „Modernisierung der bundesrechtlichen Strukturen im Jugendmedienschutz“ an.

Es ist außerdem geplant, „Projekte des technischen Jugendmedienschutzes“ mit offenen Standards und Schnittstellen weiterhin zu fördern, die „anbieterunabhängig“ Hilfe- und Beschwerdemechanismen für Kinder und Jugendliche zur Verfügung stellen sollen. Das „BPjM-Modul“ der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, das beispielsweise (freiwillig kooperierenden) Suchmaschinenbetreibern mit einer BPjM-Liste bei der Ausfilterung indizierter Telemedien hilft, soll „technisch modernisiert“ werden.

offline-bereich
Offline-Medien, ca. 1920.

CC-BY-NC 2.0 via flickr/The University of Iowa Libraries

Die Bundesprüfstelle steht aber ohnehin vor einem Umbau: Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte im Mai angekündigt, sie in eine „Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz“ umzuwandeln. Ziel sei es, „Standards aus dem Offline-Bereich möglichst gut in den Online-Bereich“ zu übersetzen.

Intermediäre

Mit „Intermediären“ sind Plattformen gemeint, die als Vermittler wirken. Typisch sind etwa Suchmaschinen.

Auch hier stellen sich Wettbewerbsfragen, aber auch die Kontrolle des Zugangs und die Auffindbarkeit von meinungsrelevanten Inhalten sind Themen der Kommission. Bisher ist der Markt der Suchmaschinen weder in den Vereinigten Staaten noch in Europa reguliert worden. Dass es eine Konzentration in diesem Suchmaschinen-Markt oder gar eine marktbeherrschende Stellung durch Google beidseits des Atlantiks gibt, ist aber durchaus in der Diskussion. Denn ob die Dominanz von Google bei der Suche zulässig ist, kann in den USA anhand des Telecommunications Act bewertet werden. Der schreibt dortigen Fernsehsendern vor, dass ihre Reichweite nicht höher als 35 Prozent sein darf. Vergleichbares gibt es bei Suchmaschinen jedoch bisher nicht, obwohl Google mit einem Anteil bei Suchanfragen in Deutschland von derzeit 90,6 Prozent mit weitem Abstand alle anderen Anbieter übertrifft.

touch display
Frühes Touch-Display, ca. 1920.

CC-BY-NC 2.0 via flickr/The University of Iowa Libraries

Allerdings blickt die Kommission bei der Sicherung der Meinungsvielfalt nicht nur auf Suchmaschinen. Ihre Forderungen sind allgemeiner und gehen dahin, dass geschäftliche Intermediäre für die Nutzer „leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar“ bestimmte Angaben machen sollen:

  • zentrale Kriterien der algorithmusbasierten Aggregation, Selektion und Präsentation von Inhalten und ihre Gewichtung einschließlich Informationen über die Funktionsweise der eingesetzten Algorithmen in verständlicher Sprache,
  • relevante Kriterien, die über den Zugang zu einer Online-Plattform und über den Verbleib auf der Online-Plattform entscheiden,
  • Bevorzugung von eigenen Inhalten und von Inhalten Dritter, mit deren Anbieter der Intermediär in Geschäftsbeziehung steht,
  • Kenntlichmachung, ob Inhalte aus weltanschaulicher, religiöser oder politischer Motivation heraus bevorzugt, nachgeordnet oder überhaupt nicht dargestellt werden.

Explizit schreibt die Kommission aber, dass in diesen Transparenzvorgaben eine Offenlegung der Algorithmen […] nicht umfasst sei. Außerdem soll eine Bagatellschwelle für diese Regeln gelten, die sich etwa an Umsatz oder Nutzerzahl orientiert.

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65 Kommentare
  1. Das Verbot von Ad-Blockern wäre die Legalisierung von digitaler Vergewaltigung durch privatsphäreverletzende, sicherheitsgefährdene, bandbreiten- und zeitraubende Werbung.

    Wenn die Werbe- und Verlagswirtschaft keine Ad-Blocker mehr will, dann sollen sie aufhören, Nutzer mit Tracking, Malware, bandbreiten- und ladeintensiver Werbung zu belästigen.

    PS: Will der Staat uns auch die „Keine Werbung“-Aufkleber auf unseren Briefkästen verbieten? Wem dient unser Staat eigentlich?

    1. „bandbreiten- raubende“ Genau das! Kein Wunder, dass es an allen Ecken und Enden klemmt, mal vom CO2-Ausstoß abgesehen. Wer passenden Inhalt anbietet der kann es sich auch erlauben seine User zu bitten, den Blocker auszuschalten, sonst gibts nix, die Werbung sollte dann aber auch laufen, und zwar ohne den Rechner zum Glühen zu bringen. Da werden doch wieder nur Sündenböcke gesucht.

      1. @Klara

        Ach Du weißt doch, wie das ist mit den „einfachen“ Wahrheiten.

        Genauso wie Adblocker am Niedergang der Verlage und des „Qualitätsjournalismus“ schuld sind, tragen Facebook und generell das Internet Schuld an Hass, Terror und Gewalt.

        Wenn Adblocker verboten sind, werden Verlage und „Qualitätsjournalismus“ endlich wieder prosperieren.
        Wenn Facebook und das gesamte Web überwacht und kontrolliert sind, werden wir endlich wieder in Frieden und Sicherheit leben.

    2. „Will der Staat uns auch die „Keine Werbung“-Aufkleber auf unseren Briefkästen verbieten?“
      Verbraucherfreundlich wäre da ein optin. Also jeder der Werbung im Briefkasten haben will, klebt sich einen entspr. Aufkleber auf den Briefkasten.

  2. Dieses Gesamtprodukt werde aber …
    … durch den Ad-Blocker faktisch entbündelt.

    Diese vermeintliche Entbündelung eines behaupteten Gesamtprodukts ist auf vielen Ebenen Quatsch.
    Die Inhalte sind ja technisch schon entbündelt und kommen als alle möglichen Einzelteile am Endgerät an.
    Etwas weniger atomisiert betrachtet, wird vor allem die Werbung von Drittanbietern ausgeliefert und dazugekleistert.
    Wenn ich sueddeutsche.de aufrufe, dann will ich nur Inhalte von dort und nicht von irgendwelchen anderen, mir unbekannten Dritten.
    Dazu wollt ihr die Leute zwingen? Na sicher, doch.

    1. Interessanterweise macht das auch der Browser selbst:

      Dieses Gesamtprodukt werde aber …
      … durch den Ad-Blocker faktisch entbündelt.

      Weil ein Browser ja z.B. nicht alle Bilder der Homepage gleichzeitig darstellen kann, sind einige Bilder ja erst nach Nutzerinteraktion sichtbar, z.B. die beim letzten Artikel erst nach dem runterscrollen.

      Analog dazu müssten dann ja auch Browser verboten werden, da die das Gesamtprodukt immer entbündeln müssen, um es anzuzeigen.

    2. Muß ich meiner Frau dann auch verbieten einzelne Angebote aus einer Schweinebauchzeitung rauszureissen? Die entbündelt ständig solche Gesamtpakete! :)

  3. Man muss sich nur mal vor Augen führen was ohne Ad- und Scriptblocker so alles den heimischen Computer heimsuchen kann. Mal von den Gesundheitschäden durch Werbung abgesehen (Davon bin ich fest überzeugt). Realitätsferner geht es gar nicht, wer Adblock blockt sieht mich halt nie wieder, so einfach ist das.

  4. Auf der Re;publika TEN gab es dazu einen interessanten Vortrag:
    https://www.youtube.com/watch?v=zJUmjtjCtY8
    Angesichts der nicht vorhandenen Regulierung von Werbung, und den sich daraus ergebenen Angriffsmöglichkeiten, bin ich nicht gewillt meinen Adblocker zu deaktivieren.
    Ich möchte dabei betonen, dass ich kein Problem mit der Werbung an sich habe, sondern dass diese blinkt flackert und meistens versucht mich und mein Verhalten auszuspionieren.
    Ein alternatives Modell, wie es z.B. hier auf Netzpolitik praktiziert wird, ist für mich Akzeptabel.

    Statt gegen die einzelnen Nutzer und Werbeblocker zu Kämpfen, würde ich den großen Verlagen eher empfehlen sich zu fragen, warum die Nutzer blocken, und wie man sich irgendwo in der Mitte treffen kann.

    1. @Anonym
      „Statt gegen die einzelnen Nutzer und Werbeblocker zu Kämpfen, würde ich den großen Verlagen eher empfehlen sich zu fragen, warum die Nutzer blocken, und wie man sich irgendwo in der Mitte treffen kann.“

      Sorry, aber so funktioniert das eben bei den meisten Menschen nicht. Anstatt sich zu fragen, warum junge Leute radikalisiert und/oder brutal anderen Gewalt antun wollen (Straßenkriminelle, Terroristen), werden einfach alle Menschen pauschal und unterschiedslos „zum Schutz“ massenüberwacht.

      Ursachenforschung und ursachenorientierte Problemlösung waren noch eine Stärke der Mehrheit der Menschen.

    2. Selbst wenn Werbung reguliert würde, findet eine Armee aus Anwälten und skrupellosen Entwicklern wieder einen Weg drumherum.

      Beispiel: Dieses Cookie-Gesetz … einfach ein Banner einbinden, dass man sich mit der Nutzung der Cookies einverstanden bekennt – alle Cookies wurden da bereits geladen und ein „Nein“ gibt es nicht!

  5. Es kann unmöglich gesetzlich geregelt werden das *mein* Gerät Ressourcen zwangsweise für Werbetreibende zu Verfügung stellen muss.

    Scripte, Flash & Co. laufen schließlich auf meinem Prozessor und verbrauchen meine bezahlte Bandbreite. Und können potentiell bei mir Schaden anrichten.

    Werbung sollte gezwungen werden sich zu klassifizieren (nur Text, nur (stille) Bilder, Scripte, Videos, Ton) und im Browser kann man dann seine persönliche Schmerzgrenze setzen.

    Werbetreibende müssen außerdem für Schäden durch malwaretisement gerade stehen; sollten also schon mal Bitcoins sammeln.

  6. Die haben die Frechheit.

    Ich fordere ein generelles gesetzliches Verbot von Werbescheiße.

    Es reicht diesen Früchtchen ja nicht, dass sie Online-Nutzer und Fernsehschauer zuspammen, da kann man ja noch abschalten (oder eben einen Adblocker benutzen*). Nein, die Scheißbranche aus der Hölle zwingt (!) in größeren Städten inzwischen alle (!) zum Konsum ihrer Konsumgehirnwäsche, indem sie extra nervige motorisierte Kästen hinter Ampeln (!) und entlang von Straßen anbringt, so dass man gar nicht anders kann, als hinzugucken oder den ganzen Tag mit Ignorieren beschäftigt zu sein.

    Eine Heimsuchung. Keinen Cent haben die verdient! Geld mit Gehirnwäsche zu machen geht gar nicht. Wir sind als Gesellschaft total durchgeknallt, wenn wir das hinnehmen. Wenn ich Zeit und Geld hätte, würde ich klagen. So sieht es eher nach Auswanderung aus. Statt überwacht und zugespammt in der (marktliberalen) DDR 4.0 zu leben (durch den Run auf die unnötige Personalisierung gehört beides inzwischen zusammen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie ihre inzwischen beim Straßenbau als genauso selbstverständlich wie Gas, Wasser, Abwasser, Internet, normalen Überwachungskameras (halt mal …) mit eingeplanten (!) Apparate auch mit Kameras versehen – wie in New York schon geschehen).

    Was ich verdeutlichen will: Werbung ist für mich überhaupt nur als Angebot hinnehmbar, nicht als Machtausübung!

    Adblocker für moralisch fragwürdig oder illegal erklären zu wollen finde ich dann auch ungefähr so sinnvoll, als ob man das Herausfiltern giftiger Verunreinigungen wie Blei oder antibiotikaverseuchter Jauche aus dem Trinkwasser für moralisch fragwürdig oder illegal erklären wollte. Und damit meine ich noch nicht mal die IT-Security-Aspekte, sondern die Idee, man habe sich Werbung anzusehen. Mithin die Frage, wem die drei Pfund graue Masse im Kopf gehören und wer da versucht, sie zu annektieren.

  7. Wenn die Verlage schon so vehement auf eine Clockwork Orange-eske Betrachtungspflicht für ihre Werbung bestehen und ihre Seiten inkl. Werbung als untrennbares „Gesamtkunstwerk“ verkaufen, dann übernehmen die bestimmt auch gerne die volle Verantwortung und haften unbürokratisch und vollumfänglich, falls sie mit ihrer „untrennbaren“ Werbung Malvertizing ausliefern.
    Die Haftungsfrage bei Malvertizing gehört m.M.n. halt schon in so ein Gesetz mit rein, wenn mir der Schutz davor schon verboten werden soll.
    Spätestens wenn das Damoklesschwert hunderttausender bild.de Leser, die dem Verlag eine saftige Rechnung für Datenrettung und Neuinstallation schicken über denen schwebt, ist so ein Gesetz für sie vielleicht plötzlich gar nicht mehr so sexy…

    1. Die PARTEI muss natuerlich ein Verbot von werbefreien Angeboten fordern.

      Denn sonst sind werbefinanzierte Angebote ja im Nachteil gegenueber werbefreien Angeboten, das verzerrt den Markt und mindert die Gewinne, das kann also nicht sein. Zwangswerbequote fuer alle Medien, verbunden mit lueckenloser Ueberwachtung der vorgeschriebenen Rezeption!

  8. Ich finde das aus einer ganz anderen Perspektive witzig. Was wir nämlich eigentlich gerade erleben ist das Platzen einer gewaltigen Blase. Werbung hat die Leute früher schon nicht interessiert: Im Fernsehen wurde umgeschaltet oder pinkeln gegangen, Zeitschriftenwerbung wurde überblättert, Einlagen weggeworfen, Briefkästen mit „Bitte keine Werbung“ beklebt.

    Das Internet macht das ganze nur sichtbar. Plötzlich ist der Werbekonsum keine Schätzung zugunsten der Fernsehsender, die sich auf irgendwelche mehr oder weniger seriöse Quoten berufen, sondern es kann festgehalten werden, wie oft und wie lange sich Werbung angesehen wird – und mit erschrecken stellt auch die Werbebranche fest: Gar nicht. Nicht nur ignorieren die Leute unsere Werbung, sie werden sogar selbstständig AKTIV, um unsere Werbung zu vermeiden. Und wir wissen alle: Damit Menschen ihre Faulheit überwinden, müssen sie schon sehr stark getriezt werden. Das ist also die ultimative Bankrotterklärung einer Branche, denen es seit Jahrzehnten gelungen ist die Unternehmen glauben zu machen, ihre Dienstleistung wäre mehr als ein Placebo.

    1. Ha ich hab die Lösung! Eine GEZ-Gebühr für Verlage. Um die Grundversorgung von Qualitätsjournalismus(tm) aufrecht zu erhalten. Jeder wird verpflichtet 3 Zeitungen aus dem Hause Springer & Co für 16,95EUR zu abonnieren. In die Aufsichtsräte kommen Politik, Kirchen und Gewerkschaften. Die bürgerliche Mitte(tm).

      1. Und wer nicht zahlt wird zwangsgepfändet oder kommt in den Knast. Einfach mal ein Gesetz(tm) machen. Ob das event. grundrechtswidrig ist? Geschenkt! Es geht um die Arbeitsplätze(tm) und die Grundversorgung(tm) der pluralistischen(tm) Meinungsbildung.

  9. Die GEZ Gebühr für Verlage – das hat was :-)

    Zu den genannten Textbrowsern gesellt sich noch „links“…

    und.. last but not least…

    jeder, wirklich jeder hat eine hosts Datei im Rechner. Dise Datei ist sozusagen der universelle Ad Blocker, erblockt nicht nur Werbung sondern auch Tracker und ähnlichen Mist.

    Ich brauche nur via script dafür zu sorgen, dass diese Datei monatlich upgedated wird und schon habe ich den Ad-Blocker für alle installierten Browser.

    Noch komfortabler wirds dann mit „pihole“. Die Open source (was sonst) Software wird auf dem Rasberry PI installiert, der kommt an den häuslichen Router und schon ist die Werbung für das ganze Netz geblockt….

    Um ehrlich zu sein, ich verstehe nicht wie man ernsthaft darüber nachdenkt adblocker zu verbieten, wenn es doch so viele andere Möglichkeiten gibt Werbung auszusperren.

    Dummheit bei den Kommissionsmitgliedern?

      1. > hosts ist doch gar kein Adblocker, sondern lediglich ein notwendiger Teil des TCP/IP-
        > Stacks ;))

        Falls das keine Ironie warm hier eine Erklärung.
        Jede Werbebotschaft muss ja von irgendeinem Computer her kommen. Und der hat eine IP-Adresse die zu seinen dns-namen (domain) gehört. In der hosts-datei kann man nun die domain eintragen mit der IP 127.0.0.1 (das ist der eigene PC)
        Da von dort aber nichts geliefert wird verlaufen entsprechende Anfragen in einem timeout.
        Im Ergebnis: Werbung geblockt! Und das Gilt für Alle verbindungen auf dem jeweiligen PC.

        Also müssten sie die hosts-datei mit verbieten. Ob das von den leuten die die Internet-standards setzen aber gut gefunden wird… :-)

  10. Ja. Ihr habt alle recht. Werbung ist unverschämt, gemein und was weiß ich nicht noch alles. Ich selber bin so eine Art Dinosaurier. Ein Blogger. Jede Fliege am Fenster ist relevanter. Ich habe Werbung auf meinem Blog. Nein nichts besonderes. Eigenwerbung für meine Bücher und die von ein paar Freunden. Den üblichen Google-Adsense Kram und das wars. Keine gekauften Artikel. Alles von mir oder meinen Mitautoren selbst geklöppelt. Die Werbung bezahlte den Blog. Auch nicht ganz aber doch zumindest zu einem guten Teil. J

    Jetzt wollen alle keine Werbung mehr sehen und haben den Adblocker installiert der ihnen nur die Werbung liefert die Adblocker Geld bringt. Mein Blog kränkelt. Wenn ich vernünftig wäre,. müsste ich aufgeben. Ich kann ihn mir nicht mehr leisten.

    Oh ich könnte meine Leser bitten bei meinem Blog den Adblocker zu deaktivieren. Dazu muss ich feststellen ob sie mit so einem Ding kommen und dann ein Programm starten, das zeigt das ich sie überwache. Nein danke. Ick schmeiß ja auch händisch die IP-Daten bei Kommentaren weg. Das ist übrigens echte Arbeit.

    Nun gut. Mach ich meine Butze also dicht. Es ist sicher kein Verlust für die Menschheit. Einige von dem braunen Pack wird es freuen, ein paar Politiker oder Wirtschaftsleute auch. Der Bildung unserer politischen Polizei wird es schaden, weil sie jetzt ja immer nachlesen müssen wofür sie mich anzeigen und strafverfolgen können. Mir wird es einige Geldstrafen ersparen. Aber war es das was ihr wolltet?

    Ach ja. Ich mag die Systemmedien nicht und ich könnte einen Adblocker so managen, dass er zielgenau wäre. Aber wenn mir jemand etwas zur Verfügung stellt und seien es auch nur die Propagandalügen. Dann bin ich so anständig und nehme es, wie es gedacht ist. Springer, Mohn, Burda und Funke werden mich dafür auslachen. Ihr auch. Aber das ist mir offengestanden egal.

  11. Nach notleidenden Banken gibt es jetzt auch noch eine notleidende Werbewirtschaft. Das ist eine richtig gute Nachricht.

    Ist der Kapitalismus jetzt kaputt? Ist Werbung ein Produkt, das am Markt nicht mehr bestehen kann? Werden wir jetzt zwangsverpflichtet, Werbung zu konsumieren, zur Rettung des Systems?

    Abscheu und Ekel vor Werbung, die niemanden interessiert, verderben das Geschäft. Gut so!

    1. Kapitalismus im Spätstadium? Businesses, die nicht mehr funktionieren, werden per Gesetz aufgeproppt. Contentmafia und Autoindustrie (Abwrackprämie) lassen grüßen.

      Man darf nie vergessen: Werbung im Netz war lediglich ein opportunistisches Geschäftsmodell, bevor alles knallhart durchkommerzialisiert wurde. Warum sollte es nicht ebensoschnell verschwinden dürfen, wie es gekommen ist? Die Auswirkungen schrecken zu Unrecht. Das ist kein System, das ich gerettet sehen will. Dass es zu einem Sterben von Netzkultur und von unabhängigen Angeboten führen würde, halte ich aus verschiedenen Gründen für totalen Käse. Diese hat IMHO mit der Facebookisierung und Verwerblichung viel mehr Schaden genommen.

      Gezwungen? Gezwungen werden wir außerhalb des Netzes ja de facto schon. JCDecaux und co geben sich mit einfachen Plakaten nicht mehr zufrieden, sondern bekommen direkt (wie oben in einem Kommentar von meinem Alter Ego angeprangert) die Möglichkeit, ausgefeilte Waffen so aufzustellen und so penetrant zu gestalten, dass man nicht mehr weggucken kann. Wo diese Usurpation des öffentlichen Raumes durch eine außer Rand und Band geratende Werbeindustrie bis aus weiteres so erfolgreich ist und es „niemanden“ stört, weil „alle“ ja schon online an nervige Werbung gewöhnt sind, kann man anscheinend auf ein „Anrecht“ kommen, Menschen mir nichts dir nichts und gegen ihren Willen und ihr Interesse mit mentalen Harpunen beschießen zu dürfen.

  12. Ich habe vielleicht keinen Anspruch auf kostenlose Informationen, aber dann sollen sie mich doch aussperren, wie es Bild online ja beispielsweise tut. (An dieser Stelle meinen Dank an die Bild, das erspart mir viel versehentlich angeklickte Grütze ohne eigenes Zutun.) Möchten sie aber in Wahrheit ja gar nicht. Sie möchten mich zwingen, zu konsumieren, und mich gleichzeitig zwingen, dafür durch Werbeaufrufe zu bezahlen. Genau wie man google erst zwingen wollte, für snippets zu bezahlen, und dann vor Gericht zog, als man von google stattdessen einfach rausgeschmissen wurde. Wer solches Verhalten nötig hat, beweist damit doch nur die Überflüssigkeit des eigenen Produktes.

    1. Durch Erweiterung des Rundfunkstaatsvertrags. Was die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit der Novellierung von 2013 erreicht haben (eine Garantiesumme), möchten jetzt die Verleger auch haben. Mit Hilfe eines Gesetzes/Staatsvertrages. Wenn einem der Rechtsweg zu lange dauert und nicht erfolgversprechend wirkt, wenden sich manche Kreise direkt an den Gesetzgeber.

      Als Nächstes kommt dann die marokkanische Methode: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/verbot-der-zweitnutzung-von-zeitungen-in-marokko-14280413.html

  13. Und der Spam Ordner im E-Mail Client wird auch gleich mit verboten. Ohne Lesebestätigung der letzten Spam wird keine neue E-Mail empfangen.

  14. Nachdem hier alle einer Meinung sind, wage ich eine kurze und ein bisschen unreflektierte, weil nur bedingt informierte, Gegenrede. In der Kommentarspalte ist leider viel schwarz und weiß und das stört mich. Vorab: Natürlich blocke auch ich Werbung.
    Ich verstehe das Argument, dass man sich vor Schadsoftware, Tracking und anderen Angriffen sowie zusätzlichem Traffic schützen können muss und dass dies mit diesem Gesetz verkompliziert werden würde. Das kann nicht sein.
    Nun ist es aber schon so, dass wir alle SPON, ZON, SZ-online und wie sie alle heißen kostenlos nutzen und wie sagt man: nichts im Leben ist umsonst (auch nicht der Service von Adblock). Wenn wir kostenlose Plattformen haben wollen, müssen wir ihnen die Möglichkeit geben, ihre Leistung zu finanzieren. Alles andere geht zu Lasten von Unabhängigkeit und/oder Qualität, und das merkt man natürlich. Ich finde es nicht schlecht, wenn hierfür eine Lösung gefunden werden würde. Menschen mit größerem technischen Verständnis können natürlich Verbote umgehen, aber das ist bei fast jeder Regelung so. Für die breite Masse, für die es momentan sehr bequem ist Werbung zu blocken, gilt dies natürlich nicht.
    Im Übrigen: Der Vergleich mit den Postwurfsendungen hinkt. Diese entsprechen eher den Spam-Mails, die wir eh schon alle rausfiltern.
    Hier geht es -im Vergleich- eher um die Anzeigen, die in Zeitungen und Magazinen mitabgedruckt werden und damit tatsächlich zum Gesamtprodukt der Plattform gehören. Mit der Rede vom „Gesamtkunstwerk“ setzten sich meines Erachtens die Betreiber selber unter Druck, da sie sich für dieses „Gesamtkunstwerk“ rechtfertigen müssen und im Zweifel auch für aufdringliche Werbung und deswegen zurückgehende Nutzerzahlen.
    Wenn eine Lösung für das Schadsoftware-, Tracking- und Traffic-Problem gefunden werden würde, fände ich so ein Gesetz nicht schlecht.

    1. Nicht alles muss immer per Gesetz geregelt werden. Manchmal funktionieren auch Märkte, zu denen neben Anbietern auch Konsumenten gehören.

      Glücklicherweise ist heute jeder in der Lage, sich von unerwünschter Werbung zu befreien – sofern er das will.

      Im analogen Leben gibt es z.B. seit Jahrzehnten die Robinson-Liste, welche zuverlässig den Briefkasten frei hält. Das funktioniert wirklich gut und schont die Ressourcen.

      Anders verhält es sich im Internet, wo Belästigung nahezu ohne Kosten möglich ist. Das hat Ausmaße angenommen, die für den einzelnen nicht mehr erträglich sind, und Auswüchse wie Tracking die hinterhältig und nicht mehr rechtskonform sind.

      Für das kommerzielle Ausspähen, was der Benutzer meist nicht einmal bemerkt, gibt es bislang keinen wirksamen Verbraucherschutz, der hier schon sehr wünschenswert wäre.

      Das Tracking, die moderne Methode der Marktforschung ist das größere Problem, weil es die Selbstbestimmung der Benutzer überhaupt nicht respektiert. Während Tracking im nicht sichtbaren Bereich im Hintergrund läuft, ist die Werbung als eigentliches Produkt immer sichtbar.

      Die sichtbare Werbung ist ein „kostenloses“ Produkt, das die Nutzer sehen sollen, im Gegensatz zum Tracking, das vor den Augen der Nutzer verborgen bleiben soll. Doch niemand kann ernsthaft gezwungen werden, etwas anzusehen, das er nicht will – aus welchen Gründen auch immer. Jeder Zwang wäre hier Folter, und das ist keine Übertreibung. Diese sichtbare Werbung jedoch lässt sich jedoch mit vergleichbar einfachen Mitteln durch den User abstellen, ganz nach seinen individuellen Bedürfnissen.

      Das Ansinnen der „betroffenen Kreise“ zeigt, dass die individuelle Abwehr Wirkung zeigt. Das sollte uns freuen. Doch anstatt mit immer subtileren Penetrationsmethoden für Werbeplazierung die Konsumenten zu vergrätzen, sollte man einfach mal anfangen, die Selbstbestimmung der Menschen zu respektieren. Doch damit tut man sich in der Werbebranche schon immer schwer, weil man in dieser Branche schon immer von Grenzüberschreitungen lebt und immer neue Übertreibungen hipp sind.

      „Betroffene Kreise“ haltet mal inne und benutzt euer kreatives Hirn! Zwang führt unweigerlich zu Reaktanz. So kann man nur sehr opportunistisch kurzfristige Erfolge verbuchen. Langfristig jedoch wird die Angelegenheit zu einem Bumerang, der euer Hirn zertrümmern wird. Peiniger werden als solche wahrgenommen und bekämpft. Und Produkte, die mit Methoden der Peiniger verkauft werden sollen lassen sich prächtig boykottieren. Das lässt sich zur Not auch schnell und punktuell organisieren. In letzter Konsequenz werden dann die betroffenen Säue aus dem Internet-Dorf getrieben. Ihr habt es schon lange übertrieben und seid damit dick und fett geworden. Nun seid ihr dabei, eure eigene Gesundheit durch zu viel Dummheit und Gier zu gefährden.

      Politik im Allgemeinen, wie Legislative im Besonderen! Ihr seid ja auch nicht vor jeder Dummheit gefeit! Wollt ihr wirklich den „betroffenen Kreisen“ folgen? Seid gewarnt, wir können auch „bündeln“!

  15. Behrens lehrte in den Siebzigern noch, „Werbung ist eine absichtliche und zwangsfreie Form der Beeinflussung, welche die Menschen zur Erfüllung der Werbeziele veranlassen soll“. Jetzt fordert die Werbewirtschaft das Ende der Zwangfreiheit.

    Eine soziologische Einschätzung von Primosch: „Die Werbung ist ein Ort, an dem sich die tief greifenden Erscheinungen einer Epoche ausdrücken, deren Geschichte, Ängste, Mythen, Vorlieben und Interessen“. Das Epochale heute wäre das gesetzliche Verbot von Werbeabwehrmaßnahmen.

    Man muss den „betroffenen Kreisen“ dafür danken, dass sie ein Begehren in die Welt gesetzt haben, dass entlarvend ist: Die Werbewirtschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die vollständige Entwaffnung jener Konsumenten zu betreiben, die sich mit aversivem Verhalten einem „natürlichen Konsumverhalten“ entziehen wollen.

    „Betroffene Kreise!“ Wir haben verstanden!

    Was sagt uns nun das Lamentum dieser „betroffenen Kreise“? Intentioneller Konsumverzicht und strikter Verzicht auf Konsum von Werbung wirkt: Er trifft den Turbokapitalismus ins Mark!

    Verstehen wir die Signale so, dass unsere bisherige Abwehr wirksam und erfolgreich ist. Aber unsere Gegner sind mächtig und der Sieg ist noch lange nicht unserer. Jene unter uns, die sich aktiv gegen ubiquitäre Werbung ,und die damit verbundene Ausspähung, wehren sind noch immer eine kleine Minderheit. Was unsere Gegner beunruhigt ist, dass diese kleine Minderheit wächst. Immer mehr Menschen erkennen in Werbung eine Belästigung, und lernen, dass sie sich den aufdringlichen Manipulationsversuchen der Werbewirtschaft entziehen können.

    Die „betroffenen Kreise“ die nun unsere Aufmerksamkeit auf sich gelenkt haben, zählen zu jenen Unternehmen, die international agieren und geschickt ihre Einnahmen in solche Länder kanalisieren können, wo sie sich einer fairen Besteuerung entziehen können. Śie zählen zu den Klick-Profiteuren, die kaum nachverfolgbar im Internet ihre Profite anhäufen. Sie sind es, die als Parasiten unsere Daten abgreifen und auch volkswirtschaftlich parasitär sind.

    Lasst uns die „betroffenen Kreise“ doch näher unter die Lupe nehmen. Wir wissen, womit und wie sie ihre Geschäfte machen. Wir haben gelernt, dass sie skrupellose Methoden anwenden. Eine angemessene Reaktion auf die Ankündigungen der „betroffenen Kreise“ ist die Offenlegung ihrer verborgenen Zahlungsströme und Steuerfluchten.

    „Werbung gehört zum Mark des wirtschaftlichen Kapitalismus.“ So lautet das Selbstverständnis der Werbewirtschaft. „Der gegenwärtige Kapitalismus könnte nicht funktionieren und die globalen Produktionsnetzwerke könnten ohne Werbung nicht bestehen.“ Das lehrt man dem jungen Wirtschaftsnachwuchs in einschlägigen Fakultäten.

    Aktivisten! Hört die Siganle!
    Lasst uns dieses Mark trocken legen!

    1. Gestern hat Google nach Handelsschluss der New Yorker Börse das zweitbeste Quartalsergebnis der Unternehmensgeschichte bekanntgegeben. Der Gewinn habe satte 3,93 Milliarden US-Dollar betragen – im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch 3,35 Milliarden. Der Gesamtumsatz sei auf 17,73 Milliarden US-Dollar gewachsen. In Folge der Meldung ist der Aktienwert um sieben Prozent gestiegen.
      Satte 90 Prozent der Umsätze generiere Google nach wie vor durch Online-Werbung – allerdings verändert sich das Geschäft zunehmend.

      http://t3n.de/news/womit-google-meisten-umsatz-macht-624118/

    2. Facebook hat sein Geschäft im vergangenen Quartal fast verdreifacht. Der Überschuss kletterte in den drei Monaten bis Ende März auf 1,51 Milliarden Dollar nach 509 Millionen Dollar vor einem Jahr, wie das weltgrößte soziale Online-Netzwerk am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitteilte.

      Dabei ging der Löwenanteil auf Werbeerlöse zurück, die fast 57 Prozent höher ausfielen. Vor allem die wachsende Beliebtheit von Facebook-Diensten wie die App für Mobilgeräte lockte neue Werbekunden an. Rivale Twitter verliert dagegen weiter den Anschluss an Facebook und Google.

      http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/facebook-verdreifacht-gewinn-im-ersten-quartal-2016-a-1089680.html

    3. Mit viertägiger Verspätung haben die EU-Staaten ein neues Gesetz gebilligt, um weitere Steuerschlupflöcher für multinationale Konzerne zu schließen. Das teilte der EU-Ministerrat in Brüssel mit.

      Mit dem Gesetz will die EU Konzerne dazu bringen, Steuern in den Ländern zu zahlen, wo die Gewinne tatsächlich anfallen. Bislang verteilen Unternehmen wie Google, Facebook oder Amazon ihre Gewinne so auf mehrere Länder, dass sie am Ende nur minimale Steuern zahlen müssen. Öffentlichen Kassen in der EU entgehen wegen Steuervermeidung 50 bis 70 Milliarden Euro im Jahr.

      http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/steuern-eu-staaten-segnen-gesetz-gegen-steuervermeidung-ab-a-1098853.html

  16. Ich mag solche nerv- und nachfrag-Kommentare ja eigentlich nicht so, aber ich hab heute so gegen 9:30 einen Kommentar geschrieben und der wurde bisher nicht veröffentlicht. Im Gegensatz zu manch anderen. Kommt das noch?

  17. Oder anders ausgedrückt: Angela Markel will Adobe Flash länger am Leben erhalten als notwendig und damit das GESAMTE Internet unsicher machen, weil Sie ein paar „Wahlhelfern“ (Springer-Verlag) helfen MUSS..

    1. Flash? Ist doch eigentlich spätestens seit HTML5 tot, oder? Aber dass da Lobbyismus dahintersteckt, kann ich mir nur allzu gut vorstellen… selbst wenn man diese Adblocker verbieten sollte (wie auch immer man das überprüfen soll lol), haben die schon mal was von Banner Blindness gehört? Dann lieber Premiumdienste anbieten… es gibt sicherlich genug alternative Modelle…

    2. Habe Flash seit ca. 4 Jahren in meinem Browser deaktiviert. Bisher hätte ich es in der gesammten Zeit 1x gebraucht.. Flash ist sowas von tod!

  18. Mal sehen, ob bald auch eine Klagewelle auf Sportseitenleser losgeht, die das Werk am Frühstückstisch entbündeln. Oder die fiesen Feuilleton-Leser.

  19. Wäre doch kein Problem, von mir aus können die Adblocker ruhig verboten werden.
    Durch Plugins wie NoScript und Ghostery wird bei mir auch ohne Adblocker glücklicherweise fast keine Werbung angezeigt!

  20. Eigentlich ist es doch ganz einfach: Sie wollen uns ihre Werbung aufzwingen und unsere Daten einsammeln. Das ist unverschämt und man wird einfach keine der Webseiten besuchen deren Anbieter einen zu irgend etwas zwingen wollen. Basta!

    Wir haben Springer Produkte schon seit je her als Printmedien boykottiert, digital ist es nur einfacher. Und wer meint auf diese Medien nicht verzichten zu können, sollte dringend mal einen Psychologen aufsuchen oder zumindest den Hauptschulabschluss nachholen.

    1. Vollste Zustimmung zum ersten Teil. Abstinenz ist die wirkungsvollste Machtentfaltung des Individuums, gleich nach der Ausübung physischer Gewalt.

      Während Psychologen vor allem höchste Kompetenzen im Schreiben aufgeblähter Rechnungen haben, deren Höhe nicht in Korrelation mit einem Behandlungserfolg steht, so bleibt der Verweis auf ’nachholen des Hauptschulabschlusses‘ doch fragwürdig.

      Hauptschulabsolventen haben erfahrungsgemäß vergleichsweise die größten Schwierigkeiten, sich seduktiven Angeboten zu widersetzen. Während Bildungsgesättigte z.B. zunehmend auf Smartphones verzichten, und den Luxus der Nichterreichbarkeit genießen können, steigen die Verkaufszahlen am anderen Ende der Skala ins Uferlose, auch weil Unsmarte auf Statussymbole nicht ganz so leicht verzichten können.

  21. Da fragt man sich doch gleich

    1) wie das funktionieren soll?
    Wenn der Verkauf von Ad-Blockern in Deutschland verboten wird, dann
    kann man sie zur Not auch welche aus China holen. Bringen wird es nichts.

    2) wie prüft man, ob dieses Gesetz eingehalten wird?
    Etwa mit polizeilichen Kontrollen „Darf ich mal prüfen ob Sie einen
    Ad-Blocker auf Ihrem Pad installiert haben?“
    Möglich auch, daß der Anbieter prüft ob vom Server entsprechende
    Aufrufe erfolgten. Wenn nicht, dann droht eine Strafanzeige
    gegen IP x.x.x.x ?

  22. Ich habe da eine Idee:
    – Wir verbieten Adblocker.
    – Im Gegenzug werden gesetzlich 250.000 Euro Vertragsstrafe pro Seitenaufruf gegen den Störer festgeschrieben, der es nicht von vornherein ohne Abmahnung unterlässt, mittels Werbung Schadsoftware auszuliefern und damit versucht oder dem Versuch Beihilfe leistet, Datenverarbeitungsanlagen zu manipulieren.

    Deal?

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