Apple hat gestern auf seiner jährlichen WWDC in San Francisco ein neues Apple File System für seine Betriebssysteme iOS und OS X (sowie für tvOS und watchOS) vorgestellt. Es weist eine Besonderheit auf, die zwar nicht neu ist, von Apple aber auffällig betont wird: die starke Verschlüsselung für die Festplatteninhalte.
Für das mobile Betriebssystem iOS kommt ein Konzept hinzu, das Apple „Differential Privacy“ nennt und ebenfalls die Privatsphäre des Telefonnutzers in den Vordergrund stellt. Man wolle mit dem Konzept Daten nutzen und analysieren, um den Käufern maßgeschneiderte Vorschläge unterbreiten zu können, jedoch ohne ihn jeweils individuell zu überwachen.
Technisch bleibt das Konzept bisher vage, Apple beschreibt es so:
Starting with iOS 10, Apple is using Differential Privacy technology to help discover the usage patterns of a large number of users without compromising individual privacy. To obscure an individual’s identity, Differential Privacy adds mathematical noise to a small sample of the individual’s usage pattern. As more people share the same pattern, general patterns begin to emerge, which can inform and enhance the user experience.
Ziel ist es laut Apple also, zwar Muster bei der Nutzung zu finden, aber ohne die Privatsphäre der einzelnen Nutzer zu kompromittieren. Dafür soll „noise“ hinzugefügt werden, also eine Art Rauschen, das den Informationsgehalt über den einzelnen Nutzer senkt. Dadurch soll mit Hilfe mathematischer Methoden die Identität der Nutzer verschleiert werden. Ob diese Art der Anonymisierung wirkungsvoll ist, hängt natürlich von den technischen Parametern ab, die derzeit noch nicht bekannt sind. Theoretisch soll es aber verhindern, dass die analysierten Daten auf einen einzelnen Nutzer zurückzuführen sind.
Es ging Apple während der WWDC-Präsentation in diesem Zusammenhang um sogenannte „deep learning“-Technologien, etwa bei der Gesichtserkennung in Bildern. Das Versprechen, das besonders betont wurde: Die Berechnungen sollen auf dem Gerät des Nutzers stattfinden und gerade nicht auf Computern anderer Leute (aka „in der Cloud“).

Apples Software-Chef Craig Federighi erklärte:
„When it comes to performing analysis of your data, we’re doing it on your devices, keeping your personal data under your control.“
Federighi wies außerdem auf die bereits bestehenden Verschlüsselungstechnologien, etwa bei iMessage und FaceTime, hin und betonte, dass der Konzern keine Nutzerprofile sammle.
Auch die Kontroverse um das FBI und das iPhone 5C eines Verbrechers, die national und international breit diskutiert wurde, dürfte Apple darin bestärkt haben, noch sichtbarer auf Verschlüsselung und Privatsphäre-Features hinzuweisen.
Der Konzern, der um die 215 Milliarden Dollar Barreserven hortet, hat jedenfalls strategisch seinen interessanten Weg fortgesetzt: Im hochpreisigen Marktsegment stellt sich das Unternehmen klar gegensätzlich zu Google oder Microsoft auf. Wenn es einen Markt für privatsphärenfreundliche Technologie gibt, dann wird Apple ihn wohl zuerst zu erobern versuchen.
Man kann diese Entwicklung positiv sehen. Die Frage der Zukunft sollte aber besser nicht sein, wer sich Privatsphäre noch leisten kann.
