Wichtige Frage: Welche Bilder eignen sich zur Bebilderung von Überwachung?

Auf Spiegel-Online fragt Markus Böhm: Bilder zu Netzthemen: Überwachung? Kann ich nicht mehr sehen!


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Netzpolitik und Überwachung sind Themen, die jeden betreffen – trotzdem erreichen die wenigsten Artikel dazu hohe Klickzahlen. Liegt das vielleicht auch an der Bebilderung? Und wenn ja, wie lässt sich die Situation ändern?

Und beschreibt das Dilemma:

Die Bildarmut bei den Digitalthemen ist ein Problem, gerade im Online-Journalismus. Bilder entscheiden hier maßgeblich darüber, welche Artikel aufgerufen werden. Auch in sozialen Netzwerken wie Facebook sind optische Reize wichtig dafür, dass ein Artikel in der Masse von Inhalten überhaupt wahrgenommen wird. Man kann wohl mittlerweile noch so gute und wichtige NSA- oder BND-Enthüllungsgeschichten schreiben, noch so originelle Plädoyers für oder gegen die Vorratsdatenspeicherung: Ohne ein Foto, das in den Artikel zieht, ist die Chance gering, dass der Text überdurchschnittlich oft gelesen wird und nicht nur die übliche Zielgruppe erreicht.

Antworten werden per Mail an spon_ueberwachungsbild@spiegel.de erbeten. Ihr könnt aber auch gerne unsere Kommentare nutzen.

16 Kommentare
  1. Ich denke öffentlicher Austausch darüber kann mehr bringen als gesammelte Einzelmails, deswegen meine Meinung hier:

    Zuerst glaube ich, dass es schon nen guten Grund hat, dass mit den üblichen Bildern nur die üblichen Verdächtigen erreicht werden. Der Rest benutzt es als Filter um für sie subjektiv uninteressante Artikel zu überblättern. Dass das doof ist, ist klar. Frage ist für mich nur, ob man Leute auf Artikel lotsen möchte, die sie nicht interssieren oder ob man nen guten Grund hat, anzunehmen, dass die Menschen sich nach dem Lesen mehr für das Thema interessieren als vorher. Spätestens da kommt dann die subjektive Glaubwürdigkeit, die Leser_in der Quelle und der Gegenposition (Muddi würde sowas doch nie tun) zuschreibt ins Spiel.

    Davon ausgehend, dass man sich dafür entscheidet, die Leute trotzdem auf die Artikel zu locken, denke ich auch, wie im Artikel angemerkt, dass persönliche Schicksale (leider) weiterhin mehr Macht haben als Statistiken – oder in diesem Fall Landschaftsbilder der NSAzentrale oder Snowden. Vielleicht etwas vom NSA-Schutzbund (Vorkommnisse letzte Woche)? Oder generell Menschen als Opfer von Datenmissbrauch.
    Auf der anderen Seite denke ich, dass auch sehr schnell-verständliche Grafiken Neugier wecken können – wobei da natürlich die Frage ist, ob das auch außerhalb der normalen Zielgruppe so wäre. Ich stelle mir da gerade sehr plakativ z.B. ein Balkendiagramm mit dem Vergleich der abgegriffenen Daten von Stasi und NSA vor. Oder Beispiele für Bilder, die die NSA von „normalen Menschen wie du und ich“ aus dem Datenstrom gefischt hat (Verweis auf das letzte Snowdeninterview und „The NSA has my dick-pic“).
    Zuletzt wäre eine weitere Option natürlich Karikatur; In dem Fall eher nichts direkt vollständig greifbares, sondern „Appetizer“. Muddi im Neuland, Mensch vor dem Berg von Daten, die er ignorant generiert hat, etc.

    Aber als weitere Anmerkung: Die Klickdaten sind ja scheinbar da, aber der Schluss, dass die Bilder (alleine) an den schlechten Zahlen schuld sind, könnte auch verfrüht sein, wenn Artikelüberschriften und Teaser weitere Variablen teilen, wie z.B. den Themenbereich, Schlüsselworte etc. – und die Interaktion zwischen diesen.

    1. edit sagt, dass ein Metafaktor zu oben Gesagtem die subjektive Relevanz für die Person ist, die per Bild transportiert werden müsste, um da was zu erreichen.

  2. Viele können mit den Abstrakten Bildern nichts anfangen. Macht es doch plastisch und übertragt das „Digitale“ in die Analoge Welt! Beispiele:
    – Ein „Polizist“ rupft jeden Brief auf und liest den Inhalt
    – Nummernschilder werden von jemandem in Uniform aufgeschrieben (Besonders Plakativ, wenn es die parkenden Autos vor einem arabischen Restaurant wären)
    – Adress-/Notizbuch wird mal eben durch den Kopierer gezogen
    – Kontoauszüge werden mitgelesen/kopiert
    – Eine AU-Bescheinigung wird „dreifach“ ausgestellt: An die Krankenkasse, An den Arbeitgeber, An den Geheimdienst…
    Ich glaube, dann kapiert die „nix-zu-verbergen“ – Fraktion mal endlich, was hier die ganze Zeit eigentlich schon passiert.

  3. Für gestellte Bilder hätte ich wenig Verständnis. Klare Piktogramme sind hier besser geeignet. Alexander Lehmann hat hier schon sehr überzeugende Darstellungen realisiert.

    Grundsätzlich wäre ich auch sehr dafür das sämtliche Überwachungstechnologie im öffentlichen Raum klar und hervorstechend gekennzeichnet werden muss. Kameras in Neongelb, Hinweistafeln ebenfalls in neon und mind 1 x 1 m gross etc. Soviele Kameras wie in Berlin hängen, da müsste man eigentlich schon Schilder aufstellen a’la hier beginnt der britische/französische Spionagesektor

    Das Thema an sich fällt halt einfach zu wenig auf. Deswegen ist auch das Interesse gering weil der persönliche Bezug fehlt.

  4. Es gibt wahrscheinlich drei Millionen Illustrationen zu Überwachung und NSA, an Bildern mangelt es sicherlich nicht. Sehr wohl aber an dem Willen, was anderes, als Stock Fotos zu verwenden. (Die ja auch im Artikel ständig als einzige Alternative zu eher abstrakten Kunst-Projekten dargestellt werden.) Dazwischen soll es nichts geben? Das isn Witz, oder?

  5. Ja, Bilder sind wichtig für Aufmerksamkeit. Der zweite Punkt ist aber Konkretisierung und Personalisierung. „Warum sollte mich das betreffen? Ich bin ja klein und habe nichts zu verstecken“ Das Thema wurde kurzzeitig groß als eine Betroffene Person (Angela Merkel und ihr Telefon) im Mittelpunkt stand. Kaum war das „geklärt“ war das Thema aber wieder klein.

  6. Oder man wendet sich eben an Profis, die das jarhelang studiert haben? Kommunikations-Designer heißen die. Aber nein, man kann ja alles selber machen, man hat ja Photoshop. Es soll aber trotzdem so toll aussehen wie bei den anderen, die dafür Geld bezahlen.

  7. Die Themen sind fast alle zu komplex um mit nur einem Motiv Aufmerksamkeit zu erregen. Es muss »im Vorbeifahren« wahrgenommen werden und funktionieren. Viel wichtiger ob man es selber im Photoshop bastelt oder einen Designer dran setzt, ist (wie so oft) die zündende Idee. Daher müsste man erstmal die Themen aufteilen: Mailüberwachung, Daten abschnorcheln usw.

    Und dann für jedes einzelne das am simpelsten funktionierende Motiv finden. Also z.B. als Symbol für Mailüberwachung ein Stapel aufgerissener Briefe. Das funktioniert vermutlich, lässt aber das ins Verhältnis-Setzen zwischen Überwachter und Gesamtmenge der Kommunkation aussen vor. Daher ist m.E. die eigentliche Aufgabe zu überlegen wieviel vom komplexen & abstrakten Sachverhalt man weglassen kann (ohne in der gleichen Liga unserer Politkerriege zu spielen) um dafür von der breiten Ich-habe-nichts-zu-verbergen-Masse wahrgenommen & verstanden zu werden.

    Und dann natürlich noch die Überlegung was das Bild eigentlich leisten soll: für möglichst viele verschiedene Personengruppen halbwegs funktionieren, am einfachsten den Sachverhalt abstrahiert oder toll auf nem Plakat aussehen am besten aussieht?

  8. Ein Verhörraum, im Querschnitt – auf der linken Seite hinter halbdurchlässigem Spiegel die Überwacher, auf der rechten Seite ein normal eingerichtetes Wohnzimmer, auf der Couch eine Frau mit einem Tablet in der Hand.

  9. Oder abgewandelt, man befindet sich auf Seite der Überwacher im dunklen Raum und schaut durch den halbdurchlässigen Spiegel in ein Schlafzimmer, Wohnzimmer o.Ä.

  10. Ich finde, das „Hausbuch“ in der DDR illustriert die Überwachung des privaten Bereiches ganz gut. Die Ossis mußten da eintragen, wer wann zu Besuch da war. Das fand ich früher total krass, es ist aber natürlich nichts gegen die heutige Totalüberwachung, und vielleicht geht das ja dann dem einen oder anderen auf.

    Überhaupt müßte die Bebilderung m.E. in Richtung Bilder aus totalitären Systemen gehen (Blockwarte, Gestapo, Wachtürme…), denn totalitär wird unser Gesellschaftssystem jetzt wieder. In ein paar Jahren schaffen sie noch das Bargeld ab und dann wars das endgültig mit der Freiheitlichkeit.

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