Linkschleuder

Warum es normal geworden ist, Laptop- und PC-Kameras abzukleben

Zur inzwischen alltäglich gewordenen „Paranoia“, dem Abkleben von PC- und Laptopkameras, haben die Krautreporter fünf Kurzprotokolle gesammelt. Jüngere und ältere Menschen kommen zu Wort, und glücklich über die „Vorsichtsmaßnahmen“, die man inzwischen treffen muss, ist niemand.

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Eine Studentin erzählt beispielsweise:

Ich gebe zu, es ist ein bisschen schizophren. Beim Handy zum Beispiel klebe ich die Kamera nicht ab. Aber das schaut mich auch nicht so an wie mein Computer, wenn ich chillig auf dem Sofa sitze […]. Wenn ich so darüber rede, finde ich es schon selber fast ein wenig schräg, dass ich das mache.

Aber es ist halt für mich das bisschen, was ich noch kontrollieren kann, wo ich noch Macht habe, was ich verschließen kann.

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26 Kommentare
  1. Wenn ich die Erfahrung im Umfeld mal extrapolieren darf, dann behaupte ich mal, dass wahrscheinlich die Mehrheit der Leute, die die Webcam abgeklebt haben, die selben sind, die sich nicht im geringsten für die politischen Hintergründe interessieren oder nicht einmal darüber Bescheid wissen… Siehe John Oliver’s Video zu dem „Dick Pic Program“ – das wird bei uns nicht viel anders sein.

  2. @MR Das hat wahrscheinlich weniger mit Politik zu tun als mit Hacker-Angriffen. Früher waren Klappdeckel an Laptop-Webcams üblich, aber dann haben die Hersteller herausgefunden, wie man 10 Cent sparen kann.

  3. Paranoia kann Ihre Gesundheit erhalten!

    Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie den Staatsschützer Ihres Vertrauens.

  4. Ich meine es war die Bundeszentrale für gesellschaftliche Aufklärung oder sogar das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, bei der man kostenlos wiederverwendbare Webcam-Sticker bestellen kann.

    1. War das nicht das Familienministerium?

      Wir haben ja auch unsere Special Edition mit Netzpolitik-Webcam-Aufklebern. Aber wir haben keinerlei Shop-Logistik und auch keine große Lust, mit der Post zu interagieren.

    1. … ich hab den Aufkleber auf meinem Firmenlaptop von einem Kollegen geerbt, der die Firma verlassen hat und schon einmal umgezogen. Mein Plan ist mit dem Aufkleber in Rente zu gehen (>20 Jahre).

  5. Der Reihenfolge nach:

    1. Die NSA/GCHQ interessiert sich bei weitem nicht nur für „Terroristen“, wie der jüngste BND-Skandal noch einmal zeigt. Es geht auch um Politker, letztlich um jeden. Sogar um Klimaforscher:

    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/snowden-dokument-zeigt-nsa-spaehte-klimakonferenz-aus-a-950393.html

    2. Der NSA geht es auch um Sex. Mastubieren vor laufender Kamera. Ein Video, und deine (politische) Karriere ist in der Hand der NSA.

    http://www.huffingtonpost.com/2013/11/26/nsa-porn-muslims_n_4346128.html

    Wer nun glaubt, es gehe NUR um Terroristen, vergisst, dass die NSA selbst definiert, wer „Gefährder“ ist. Das kann morgen auch ein unliebsamer Blogger oder Forist sein, wie du und ich. Wetten?
    Dann packt u.a. auch der GCHQ, die Billig-Version der NSA, zu:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/britischer-geheimdienst-gchq-plant-rufmord-im-netz-12819527.html

    3. Wie einfach es ist, zeigte uns jüngst jemand aus Deutschland:

    http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2010-07/kinderzimmer-hacker-spanner-spionage

    (Daraus allein resultiert schon eine Pflicht von Eltern gegenüber ihren Kindern, keine nicht abgeklebten Webcams im Kinder-/Jugendzimmer zu dulden.)

    4. Dass es bei der NSA zuhauf kranke Personen gibt, die ihren eigenen Ehefrauen, Freundinnen etc. (!) hinterher spionieren und solche, die Nacktbilder von „Targets“ tauschen, war a) anzunehmen und ist b) bereits seit 2013 bekannt.

    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/geheimdienst-nsa-nsa-mitarbeiter-spionierten-geliebte-aus-a-918408.html

    http://www.huffingtonpost.com/2015/04/06/edward-snowden-john-oliver-dick-pic_n_7008330.html

    Wer unter diesen Umständen nicht paranoid ist, ist verhaltensauffällig und sollte sich untersuchen lassen. Sollte auf keinen Fall mehr Flugzeuge fliegen oder Busse fahren dürfen. Also … ohne Begleitung jedenfalls nicht.

  6. Das lustige ist ja: Wer denkt an die Mikrofone? Wenn Ihr davon ausgeht, dass die Handykamera Eure Fingerabdrücke ausschnüffelt, wird auch Euer Handy-Mikro Euer Passwort aus den Tastenanschlägen aushorchen.
    In meiner Firma legen mehrere Kollegen bei internen Konferenzen das Smartphone mit zugeklebter Kamera auf den Tisch. Sehr sicher das.

  7. Schön, am Notebook klebt ihr die Kamera ab und lasst das interne Mikro still legen um in bestimmten Situationen nehmt ihr den Akku aus dem Handy (oder legt es wie Snowden in den Kühlschrank) = so weit so gut. Nur mit wem könnt ihr noch unbefangen reden – ist der Bekannte vielleicht V-Mann / Spitzel im Auftrag von …. ?

    1. Die nahezu kostenlose, automatische Vollabspeicherung der Lebensäußerungen aller Menschen versetzt die NSA in die Lage jedwede Karriere zu kontrollieren. Merkelartiges Verhalten ist die Folge: Der gläserne Mensch praktiziert nicht nur fortwährend die gewünschte Selbstzensur, er wagt es auch nicht mehr US-Interessen zu frustrieren.
      Ziel erfüllt.
      Der Einsatz von V-Personen, Spitzeln das persönliche Abhören von Telefonaten ist tatsächlich viel zu aufwendig. Das geht heute anstrengungslos, vollautomatisiert und flächendeckend bereits bezüglich der sechs Staaten, die sich in den Snowden-Unterlagen beschrieben finden, davon ist einer Irak.
      Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass ein weiterer Deutschland ist:

      https://www.youtube.com/watch?v=7zIhf-E363c

      Deine Entsorgnis ist naiv.

      1. https://www.youtube.com/watch?v=7zIhf-E363c

        Hahaha, da kann man sehr schön sehen, wie stumpf die militärische Logik tatsächlich ist und dass das Problem mit dem Zynismus ist, dass kein Mensch ihn bis zum Ende durchhalten kann, weil der Zynismus letztlich immer am eigenen schlechten Gewissen scheitern wird. So erklärt sich der Umstand, dass man aus geostrategischen Gründen zuerst den Irak überfällt, und dann aus psychologischen Gründen noch Demokratie einführen will.

  8. An sich löst ja schon die bloße Tatsache, daß eine Kamera am Computer ist, das Gefühl aus, beobachtet zu werden. Sie abzudecken, fühlt sich irgendwie blöd an, und gibt doch ein Gefühl der Sicherheit zurück.

    Vielleicht sollten wir mehr darauf achten, für uns Räume zu gestalten, die ohne Fernseher und elektronische Geräte auskommen? – „Sacred Space“ oder „Raum der Stille“…

    1. Nein, es sollte einfach, wie früher, normal sein, dass man weder beobachtet, noch gefilmt, noch abgehört wird.
      Dafür sollte man keine besonderen Räume benötigen, das sollte normal sein.

      Nicht Opt-Out, sondern Opt-In! (… gilt in der EU bei SPAM, anders: USA)

    2. […] für uns Räume zu gestalten, […]
      Wenn ein Satz bereits diesen gegenderten Sozioheulsusenquark beinhaltet, dann kann eigentlich alles nach dem Komma nur noch Bäumeknutschermüll sein.

      Und, Überraschung, Du hast das dann auch ganz souverän bewerkstelligt.

      1. @“Boston Bomber“: Schade, dass du deine Beiträge durch deine Namensgebung so entwertest. Sich diesen Namen zu geben, bedeutet, dass man Sympathie kundtut, ja, sogar, dass man sich identifiziert.

    3. Mir ging es um die Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen.

      Weil früher war, wenn man so will, schon immer alles viel normaler, auch das Klatschen und Tratschen und andere beobachten und schlecht machen bis hin zum Denunzieren als Volkssport. Geheimdienste werden nicht zu Unrecht als zweitältestes Gewerbe der Welt bezeichnet.

      Ach ja, und Mann muß ja nicht bei jeder provokativen These gleich in die Luft gehen! Ich geh dann mal zum Abreagieren einen Baum umarmen ;-)

      1. Ich finde die Idee gut, was interessiert mich das negative Digital-Gutmenschgetratsche von BB. Formt sich immer mehr: Analog zu ‚Umweltschutzgebieten‘ könnte man ja auch (Analog-/Menschen-)’Weltschutzgebiete‘ entwickeln. Muß man ja nicht so nennen. Die Industrialisierung hat lange gebraucht für solche Schutzräume. Und sie sind bitter nötig geworden, vor allem für ganz junge und ganz alte (und auch dazwischen, aber da sind viele offenbar noch nicht abgebrannt genug). Die Industrialisierung des Geistes – aber aktuell auch die ‚Verspitzelung‘ der Welt – läßt wohl, soweit aktuell pessimistischerweise absehbar ist, wohl kaum mehr als noch solche Optionen zu. Vielleicht gibt es dann mittelfristig auch wieder ‚Biotopverbünde‘ dazwischen, damit ‚vom Aussterben bedrohte Spezies‘ (nicht nur analoge straight-edgler, aber auch die) dort noch ein wenig durch einen halbwegs empathisch-rekreativen Menschenpark flanieren können. Und nicht so Betonkopf-Hatedigital-Zynisch werden von Dauer-digital-sein wie der liebe BB (BB sollte dringend mal umarmt werden, und zwar nicht von einem Baum), der sich offenbar mords was drauf einbildet, online emotional abzustumpfen. Aber glücklicherweise scheinen langsam digitaloholic-Futurismus-Trolle („Fortschritt klar! Alles muß unter die Räder! BummBumm!“) nicht mehr umstandslos überall als analoge Rollenvorbilder zu taugen.

    4. Diese Räume können wir uns durch gute Argumente erkämpfen.
      Man merkt es daran, wie es in der Debatte für einen Moment stille wird.

  9. Finde es witzig dass alle ein auf paranoid machen – meistens sind es ja die die keine oder wenig Ahnung von Computern haben die ihre Webcam aufm PC oder Lappi abkleben. Genau dieselben Leute aber unterlassen es dasselbe aufm Smartphone zu machen. Und auch sonst nutzen sie keinerlei Anonymitäts – oder Sicherheitstools. Verwenden den echten Nachnamen auf Facebook, geben ebenfalls das richtige B-Day Datum an, verstecken nicht ihre IP im Netz, unterzeichnen keine Petitionen, gehen nicht auf Demos, schreiben keine e-mails an Firmen oder Politiker nachdem sie kritische Meldungen gelesen haben, geben ihre echte Uni und Firmen an auf sozialen Netzwerken und bestellen ebenfalls mit dem echten Vornamen sowie Geschlecht und B-Day Datum bei online Shops. Aber tun allen Ernstes so als hätten die Ahnung von Security oder machen ein auf Ahnung haben mit der Webcam Sache Abkleben. FAIL !

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