Kultur

Zur netzpolitischen Dimension (6) von Danni Lowinski

In der Serie „netzpolitische Dimension“ geht es um Themen, deren netzpolitische Relevanz sich bisweilen erst auf den zweiten Blick erschließt. Diesmal: Danni Lowinski.

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Ich weiß nicht mehr, wie ich darauf gekommen bin, mir eine deutsche Sat1-Serie anzusehen. Ich weiß aber ganz genau, wie ich nicht darauf gekommen bin: Twitter. Meine geschätzte und gepflegte Twitter-Timeline hat mich diesbezüglich völlig im Stich gelassen. Fünf ganze Staffeln lang tauchte Danni Lowinski nicht in meiner Timeline auf.

Und das hatte nicht einmal etwas mit meiner Filter-Bubble zu tun. Danni Lowinski fand nicht nur nicht in meiner Timeline, sondern in quasi keiner Timeline auf Twitter statt. Menschen, die Danni Lowinski schauen, sind offensichtlich zum allergrößten Teil nicht auf Twitter unterwegs. (Oder sie schämen sich, ihre Timeline mit Sat1-Content zu bespielen. Oder das passiert nur auf „Dark Twitter„.)

DanniLowinskiLogoDieser Umstand ist gleich aus mehreren Gründen bedauernswert. Und zwar nicht nur, weil es illustriert wie schwer es ist, mit Twitter Leute außerhalb der Netzgemeinde™ zu erreichen. Sondern in erster Linie deshalb, weil es dadurch wahrscheinlich vielen ging wie mir und sie einen der wenigen lichten deutschen Serienmomente verpasst haben. Eine Serie mit starkem, ambivalentem, weiblichem und zumindest in Ansätzen diversem Cast. Eine der, laut Wikipedia, ersten deutschen Serien überhaupt, für die ein US-Sender eine Adaption geplant und zumindest eine Pilotfolge gedreht hatte.

Es ist aber auch deshalb bedauernswert, weil eine der besten Episoden der Serie eine netzpolitische Folge war. In der Folge „Dannileaks“ (4. Episode der 5. Staffel) geht es um einen 17jährigen, Snowden-verehrenden Hacktivisten der aus politischen Gründen eine Bankwebseite mittels DDoS lahmgelegt hat. Verhandelt wird letztlich vor Gericht eine Frage, die auch schon einmal Thema bei einem netzpolitischen Abend des Digitale Gesellschaft e.V. war (siehe Vimeo-Embed): Sind DDoS-Attacken legitime politische Protestformen vergleichbar mit politischen Demonstrationen auf der Straße?

Aus Danni Lowinskis Plädoyer:

„Ja, das sind neue Zeiten jetzt. Man kann ja so eine Datenkrake nicht einfach bestreiken. Wie willstn das machen? Mit einer Montagsdemo oder Friedensverhandlungen oder einer lustigen Menschenkette? Das ist doch der Krake scheißegal. Die muss ich treffen, wo es ihr wehtut. In ihrem Zentrum. Mit einem … [Danni ringt um das Wort, der Angeklagte ergänzt: „DDoS“]. Genau.“

Ein wiederkehrendes Motiv der Folge ist dabei, dass Danni Lowinski „DDoS“ nicht richtig verwendet oder ausspricht. Überhaupt ist die ganze Folge ein einziger Versuch einer Übersetzung von Nerdthemen, -akteuren und -anliegen in Mainstreamsprache. Dass in der Episode manche Dinge durcheinander geworfen werden und nicht klar zwischen DDoS und „echten“ Hackerattacken unteschieden wird, ist aus genau diesem Grund auch kein Problem. Im Gegenteil, es dokumentiert genau die (Verständnis-)Schwierigkeiten die mit vielen Netzthemen einhergehen.

Die ersten vier Staffeln von Danni Lowinski sind übrigens kosten- und registrierungsfrei bei MyVideo verfügbar.

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5 Kommentare
  1. Und bei „Mord mit Aussicht“ kann man sich auch prima verdummen verlassen. In der zweiten Staffel ist es sogar noch blöder!11. Dann kann man auch nachgucken, wie es mit Silk Road nicht war, statt sich mit der Realität ™ auseinanderzusetzen. Starke Empfehlung daher auch für SPD nahe Zielgruppen, insbesondere die ohne Technikbezug oder Interesse, aber mit starken Mitredebedürfnissen …

    1. Nach kurzem Review liegen die öffentlich-rechtlichen in der Darstellung von Technik klar vorne (ÖR: Halbwegs technisch korrekt mit Abstrichen, Privat: Aus drei „Gefühl“-Stories eine Falsche gemacht) wobei der Preis für das scripten von wiederbelebten Lisbeth Salande-Klischeefiguren und doller Hardware im Schrank eindeutig an die Privaten geht. Wo bleibt den hier das Urheberrecht? Ist das Seichtfernsehn ein rechtsfreier Raum?

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