Der Autor einer Dissertation hat die Plattform VroniPlag mit Hilfe einer sogenannten „DMCA-Notice“ gezwungen, dass seine Doktorarbeit vorerst vom Netz genommen wurde. VroniPlag schreibt dazu:
Aufgrund einer anwaltlichen DMCA-Notice[1] musste die Dokumentation umfangreicher Fremdtextübernahmen in dieser Hochschulschrift zunächst aus dem Wiki genommen werden.
Das Abgeben einer falschen Erklärung im Zusammenhang mit einer solchen Maßnahme kann unter Umständen strafbar sein.
Das Urheberrecht für plagiierte Texte in Anspruch zu nehmen, um eine DMCA-Notice zu versenden und die daraus folgenden juristischen Konsequenzen in Kauf zu nehmen, stellt eine bisher einmalige Vorgehensweise in der Zeit der Dokumentation von wissenschaftlichem Fehlverhalten auf dieser Plattform dar.
Die weitere Vorgehensweise findet in enger Abstimmung mit Wikia, dem Betreiber des Wikis, statt.
Auf VroniPlag überprüfen Freiwillige Dissertationen auf Plagiate. Diese kollaborative Kontrollarbeit hat schon in mehreren Fällen dazu geführt, dass den betroffenen Plagiatoren ihr akademischer Grad wieder entzogen wurde, meistens weil zu große Teile der Arbeit wörtlich übernommen wurden, ohne ausreichend gekennzeichnet zu sein.
Auf diesen juristischen Winkelzug scheint bisher noch niemand gekommen zu sein. Eine DMCA-Notice bezieht sich auf den umstrittenen Digital Millenium Copyright Act aus den USA. Im Vergleich mit einer deutschen Abmahnung soll sie den Vorteil haben nicht direkt mit hohen Kosten für den betroffenen Betreiber einherzugehen. Allerdings ist es damit möglich amerikanische Anbieter, die ausländische Angebote hosten, zur Herausnahme von Texten zu bewegen. In diesem Fall ist es das kalifornische Unternehmen Wikia, das die Seite betreibt. Die Logik hinter der DMAC ‑Notice: zur Überprüfung der Promotion werden Zitate aus der wissenschaftlichen Arbeit übernommen, und diese seien urheberrechtlich geschützt.
VroniPlag will sich dem juristischen Druck aber anscheinend nicht kampflos ergeben. Die Argumentation wirkt auch etwas grotesk, denn so wären Plagiatoren mit möglichst vielen und großen „Fremdtextübernahmen“ am stärksten vor der Überprüfung ihrer Arbeiten geschützt. Denn je mehr Plagiate es gibt, desto mehr Textauszüge müssen die freiwilligen Kontrolleure auf VroniPlag dokumentieren, was dann gegen amerikanisches Copyright verstieße. Hier scheint es rechtlichen Klärungbedarf zu geben, wie der DMCA mit den Fair-Use Bestimmungen in Einklang zu bringen ist. Diese erlauben nämlich die Nutzung geschützten Materials für bestimmte Zwecke.
Außerdem bleibt abzuwarten ob sich diese Art Abmahnung überhaupt für den (vermeintlichen) Plagiator lohnt, denn Dr. Sandro L. könnte unter Umständen auf diesem Weg wesentlich mehr Aufmerksamkeit auf seine Promotion lenken als ihm lieb ist. Wir sind gespannt welche Schritte Wikia als nächstes unternimmt.