Überwachung

The Register: Standpunkt von britischen Spähbasen in Oman enthüllt

Glasfaserkabel in Seeb

Die britische Technologie-Newssite The Register hat heute Informationen aus Snowden-Dokumenten veröffentlicht, die den Standpunkt der britischen Anzapfstelle OPC-1 für Glasfaserkabel im Mittleren Osten enthüllen. OPC-1 ist Teil eines Internetüberwachungs-Zentrums namens CIRCUIT. Bisher wurden die konkreten Namen und Orte zu diesem zentralen Anzapfknoten auf Druck der britischen Regierung von anderen Medieneinrichtungen wie dem Guardian bisher nicht veröffentlicht. Die von The Register neu ins Spiel gebrachten Informationen über die konkreten Standpunkte bauen auf Informationen auf, die The Independent bereits letzten August vorbrachte. Derer zufolge gebe es im Nahen Osten drei Abhörstationen, an denen sämtliche Kommunikation des Gebietes abgehört werde. Damals dementierte der Guardian sowohl, Informationen zurückgehalten zu haben als auch Glenn Greenwald, dass The Independent je Dokumente von Snowden bekommen habe.

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Die Zuordnung der konkreten Standpunkte zu Codenamen wird in den Geheimdienstdokumenten als „Strap 3“ klassifiziert, das bedeutet gewissermaßen Top-Top-Top-Top Secret und liegt drei Level über dem eigentlichen Top-Secret-Label. Die Basis für den Zugriff auf die internationalen Glasfaserkabel- Deckname GUITAR – befindet sich The Register zufolge in Seeb in Oman, neben den zwei weiteren GCHQ-Standpunkten TIMPANI an der Straße von Hormus und CLARINET im Süden des Landes. Die besondere Aufmerksamkeit für den Oman ist offensichtlich dessen günstiger strategischer Lage geschuldet, denn man befindet sich direkt an neun Unterseekabeln – in günstiger Position um den Kommunikationsverkehr des gesamten Persischen Golfs und des Jemen abzufangen.

Der GCHQ-Stützpunkt Seeb wurde in Kollaboration mit der Regierung des Oman errichtet, namentlich mit Quaboos bin Said al Said, dem derzeitigen Sultan. Al Said hat enge Verbindungen mit Großbritannien, er ging dort seit seinem 17. Lebensjahr zur Schule, stand im Dienst des britischen Militärs und wurde schließlich mit britischer Beteiligung in einem Staatsstreichs anstelle seines Vaters als Machthaber des heutigen Sultanates platziert. Bereits seit längerem war die Existenz eines ECHELON-Stützpunktes im Oman mit dem Codenamen SNICK bekannt – dem Vorgänger des CIRCUIT-Zentrums. Ausgebaut wurde der Standpunkt in Seeb dann nachdem GCHQ das Einverständnis der Regierung für den weltumfassenden „Mastering the Internet„-Spionageplan bekommen hat.

Das Anzapfen der Unterseekabel wird in enger Zusammmenarbeit  mit Telekommunikationsanbietern durchgeführt. Wie etwa REMEDY, so wie in den internen GCHQ- und NSA-Dokumenten der britische Telko BT bezeichnet wird, oder GERONTIC, was für Vodafone Cable steht.  Die kritischen und überaus engen Beziehungen zu den Telkos werden bei GCHQ jeweils von einem „Sensitive Relationship Team“ betreut und so werden jegliche neuen Späheinrichtungen und Anzapfpunkte an den Glasfaserkabeln in enger Zusammenarbeit und gegen Bezahlung von dem jeweiligen Telko installiert.

Bisher gab es noch keine Reaktion von The Guardian und anderen Medien darauf, ob und warum sie sich dazu bringen ließen, die Informationen zurückzuhalten. Es taucht jedoch in letzter Zeit vermehrt Kritik an deren Publikationspraxis auf in der zu starke Regierungshörigkeit angesprochen wird.

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