Technologietransfer: Die NSA lizenziert ihre Software an US-Firmen

Die NSA hat ein Technology Transfer Program:


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The NSA Technology Transfer Program (TTP) transfers NSA-developed technology to industry, academia, and other research organizations, benefitting the economy and the Agency mission. The program has an extensive portfolio of patented technologies across multiple technology areas.

Dafür gibt es in diesem Jahr erstmalig einen 100-seitigen Technologie-Katalog.

Kevin Collier schreibt auf The Daily Dot:

Many of the listed technologies in the NSA’s TTP catalog are methods to either help transcribe recorded communications or sort through massive troves of transcriptions, calling to mind the NSA’s ability to absorb huge quantities of people’s communications without their knowledge. Vines declined to share specifics on why those available technologies were developed, or how they were used within the agency. „Our lawful mission is centered on foreign intelligence and information assurance in defense of the nation,“ she said.

One technology, called ScribeZone, which the NSA suggests „is ideal for teaching foreign language and can also be used for teaching English as a second language,“ improves efficiency of transcription of audio and video content from „any foreign language,“ the catalog claims. Another, called Aladdin, identifies transliterated terms, like names. A third, which the catalogue doesn’t identify with a code name, helps users sort through massive troves of text by identifying nouns in a mass of text, deciding which ones are used most frequently, then automatically creating a list what the topic’s about.

Denn wer würde sich nicht gerne Software aus dem Hause der größten Überwachungsinstitution der Welt installieren?

8 Kommentare
  1. Oder sollte man das nach Hartgeld folgendermassen sehen.
    Nach einem Finanzcrash sind die Kosten für solche Moloche nicht mehr zu Zahlen
    deshlb kaufen jetzt Firmen der verborgenen Elite die Technologie für nach dem
    Zusammenbruch denn nach welchem Gesetzt dürfte diese Software ausser in gewissen
    Staaten Heutzutage angewendet werden ?
    Technologie für nachher sichern ?

  2. Danke, für diesen interessanten Artikel!
    Mein persönliches Highlight ist folgendes, im Katalog angepriesene, Produkt:

    PATENT NO .: 6,724,893
    „This invention is a method of passing a
    cryptographic key between users so an authorized
    third party (i.e. law enforcement) can access the
    key. This method is called key escrow.“

    Das ist doch nicht deren ernst? Wer aus „industry, academia, and other research organizations“ sollte Interesse an einem solchen Produkt haben? Wieso sollte f r e i w i l l i g unsichere Verschlüsselung implementiert werden? Wenn ich das richtig sehe, ist die Lizenzierung der Produkte nämlich mit einem mehrstufigen Bewerbungsprozess versehen – also recht aufwendig.

  3. „Wieso sollte f r e i w i l l i g unsichere Verschlüsselung implementiert werden?“

    Weil Gesetze das so vorschreiben können? Ein Rechtsstaat ist ja auch dann noch ein solcher, wenn Dir seine Rechtssetzungen aka Gesetze nicht gefallen. Key escrows kann man per Gesetz regeln. Frankreich z.B. ist da erst vor ein paar Jahren etwas lockerer geworden. Man kann ja jemand anders wählen.

    1. An die gesetzliche Vorgabe zur Installation solcher Schnittstellen hatte ich dabei gar nicht gedacht. Das ist natürlich ein Argument. Mein Unglauben kam auch eher daher, dass für viele der Produkte aus dem Katalog durchaus ein rein ziviler Nutzen im Bereich von Industrie und F&E vorstellbar ist (auch wenn die Entwicklung vor dem Hintergrund staatlicher Auslandsaufklärung durch die NSA erfolgte). Hier handelt es sich jedoch um ein Tool, welches wohl nur genutzt werden wird, wenn es dem Unternehmen so diktiert wird – also keinesfalls eine „freiwillige“ Anschaffung erfolgen wird.

      Vor dem Hintergrund der gesetzlich vorgeschriebenen Bereitstellung von Schnittstellen zur TKÜ aber natürlich völlig stimmig – da will ich gar nicht widersprechen.

      1. Ich vermute mal, daß die so etwas einführen werden, wenn starke zivile Vollverschlüsselung um sich greift und ihnen die Hintertüren ausgehen. Das ist wie wenn eine Kerze langsam niederbrennt. Die Herrschenden werden den Rückfall in die Dunkelheit fürchten und Licht vorzuschreiben versuchen. Da sind Firmen dann froh, wenn es zuverlässige Escrows gibt, die nur dem Heimatstaat, nicht aber dem Rest der Welt Zugriff erlauben.

        Stell Dir mal folgende BILD-Headline vor: „Bundesregierung schreibt zwingend starke Verschlüsselung auf allen Leitungen vor! Nur Bundesbehörden erhalten auf Anordnung Zugriff. Damit ist die Bedrohung durch NSA Wirtschaftsspionage endlich gebannt!“

        Der BDI würde jubeln.

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