Meilenstein für europäische Tarnkappen-Drohne könnte hohe Investitionen auch in Deutschland nach sich ziehen

BAE Sytems bringt Erfahrungen seiner Tarnkappen-Drohne "Taranis" in ein neues Drohnen-Projekt mit Frankreich ein.

BAE Sytems bringt Erfahrungen seiner Tarnkappen-Drohne „Taranis“ in ein neues Drohnen-Projekt mit Dassault Aviation aus Frankreich ein.

Großbritannien und Frankreich sind dem Ziel zur gemeinsamen Entwicklung einer Kampfdrohne ein weiteres Stück näher gekommen. Die Regierungen haben nach Medienberichten vergangenen Mittwoch vereinbart, rund 150 Millionen für eine Vorstudie auszugeben. Weitere 100 Millionen Euro sollen später folgen. Eine entsprechende Absicht war bereits bei einer Luftfahrtschau in Großbritannien bekannt geworden. Beauftragt sind die beiden Rüstungsunternehmen BAE Systems und Dassault Aviation, die zu den Marktführern beider Länder gehören.

Bei dem Projekt handelt es sich nicht um eine Kampfdrohne der MALE-Klasse, wie sie etwa die Bundesregierung bestellen will, sondern um ein „Unmanned Combat Aerial System“ (UCAS). Die futuristisch anmutenden Drohnen werden als sogenannte Nurflügler konzipiert. Sie erreichen große Höhen und hohe Geschwindigkeiten und verfügen über Tarnkappen-Eigenschaften. Während andere Drohnen noch von Bodenstationen gesteuert werden, sollen die UCAS über eine größtmögliche Autonomie verfügen.

Geplant ist, ab 2030 mit der Serienfertigung zu beginnen. Bei der jetzigen Vergabe handelt es sich um eine Machbarkeitsstudie. Derartige Verträge geben den begünstigten Konzernen eine gewisse Sicherheit für eigene Investitionen. Die eigentliche Entwicklung wird gewöhnlich erst begonnen, wenn Bestellungen für ein Serienprodukt vorliegen. Die jetzt beschlossene Studie soll benötigte Schlüsseltechnologien identifizieren. Hierfür nehmen weitere Firmen, darunter auch Rolls-Royce und Safran teil. Beide arbeiten an Antrieben. Auch die italienische Firma Selex und Thales aus Frankreich übernehmen Aufträge, etwa zu Elektronik und benötigten Sensoren.

BAE Systems hat mit SELEX bereits an einem UCAS namens „Taranis“ gearbeitet, ein ähnliches Projekt von Dassault firmiert unter „nEUROn“. Beide Firmen hatten bereits an dem gemeinsamen Drohnen-Projekt „Telemos“ gearbeitet, dessen Fortführung nun offensichtlich angestrebt ist. Perspektivisch wollen auch die Mitgliedstaaten der Europäischen Union eine gemeinsame Tarnkappen-Kampfrohne entwickeln. Dem Projekt „Telemos“ werden hierfür gute Chancen nachgesagt.

Die britisch-französische Entscheidung dürfte zu weiteren Investitionen in ein deutsches Drohnenprojekt bedeuten: Seit Jahren versucht EADS Cassidian (jetzt Airbus Group), die Bundesregierung zur Förderung seines Projekts „SAGITTA – Open Innovation“ zu überreden. „SAGITTA“ ist ebenfalls als „Nurflügelkonzept“ ausgelegt, der Erstflug eines Demonstrators war für Mitte dieses Jahres angekündigt gewesen. Es handelt sich dabei nicht um einen Prototyp, sondern um ein flugfähiges Modell im Maßstab 1:4.

Auch das Bundesministerium der Verteidigung ist an Forschungen zu „SAGITTA“ beteiligt, die Universität der Bundeswehr München übernimmt Forschungen zur Untersuchung von „neuartigen Flugführungs- und Missionsmanagementkonzepten“ sowie einer „Schnittstelle Mensch/Maschine in der Bodenkontrollstation zur intelligenten Führung“. Weitere Partner sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Oberpfaffenhofen und Braunschweig, die Technische Hochschule Ingolstadt sowie die Technische Universität Chemnitz.

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