Martin Schulz hat auf der Buchmesse eine Rede gehalten, die der Börsenverband des Deutschen Buchhandels gerne zitiert:
Es gibt keine Trennung zwischen analoger und digitaler Welt, meint Schulz. „Bei fast allen sogenannten Netz-Fragen geht es im Wesentlichen um gesellschaftspolitische Fragen, die wir schon in der analogen Welt kannten. Deshalb ist es nicht entscheidend, was Netzpolitiker oder Netzaktivisten sagen, sondern auch derjenige, der kein Digital Native ist, hat ein Mitspracherecht in dieser Diskussion. Denn wenn wir diese Fragen allein den technischen Experten, den Programmierern und Nerds überließen, lebten wir in einem selbstreferentiellen System, es käme zur Herrschaft der Ingenieure und Mathematiker, zu einer Expertenregierung im Platon‘schen Sinne. Das wäre dann sicher keine Demokratie mehr.“
Entscheidend ist dabei nicht, was er sagt, sondern wie er es sagt.
Update: Nochmal zur Einordnung. Schulz sagt das so vor der Buchindustrie. Die Urheberrechtslobby vertritt seit Jahren den Spin, dass man die Meinung von Nerds, Netzpolitikern (aka Irgendwas pro Internet) in der Urheberrechtsreform-Debatte nicht (so stark) berücksichtigen sollte (aka einfach nicht drauf hören). Was natürlich Unsinn ist, weil es seit 15 Jahren keinerlei Reform in Richtung Nutzerrechte gab, sondern immer mehr Verschärfung und Durchsetzung. Und die Nerds und Netzpolitiker haben lediglich verhindert, dass wir jetzt Netzsperren, VDS und 3‑Strikes-Systeme haben, was die Urheberrechtslobby durchbringen wollte. Möglich, dass Schulz das unbewusst so dort gesagt hat. Aber der Börsenverein zitiert ihn ja bewusst damit und wird das gerne auch weiter verwenden.