Linkschleuder

Kurzkritik: „Der Circle“ von Eggers ist leider ein langweiliges dickes Buch voller Klischees.

Ich hab mich vergangene Woche während eines Kurz-Urlaubes u.a. durch „Der Circle“ von Dave Eggers gelesen. Das Buch ist vor Kurzem in deutsch erschienen und wird vor allem vom Zeitungs-Feuilleton gehypt. Kein Wunder, geht ja auch gegen Google, auch wenn das imaginäre Unternehmen „Circle“ heißt. Der Verlag vermarktet es als „1984 der Neuzeit“. Das Buch könnte also spannend sein, ist es aber leider nicht. Stattdessen bekommt man 550 Seiten voller Klischees und die Thriller-Geschichte ist auch noch vorhersehbar. Freitag twitterte ich ein Kurz-Fazit:

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Bevor ich jetzt die Geschichte nacherzähle sei auf eine Rezension beim Tagespiegel verwiesen, wo das schon einer getan hat, der dafür Geld bekam. Und wo mein Fazit passenderweise in Langform aufgeschrieben wurde. Problem gelöst: Dave Eggers arbeitet sich am Internet ab – Der Circle: Google, Apple, Facebook, klapp, klapp, klapp.

Nur hat man das nach gut 50 Seiten des Romans verstanden, und was folgt, sind Handlungs- und Gedankenarmut, ermüdende Redundanzen und Holzhammermethoden. Zumal Dave Eggers seinen Internetroman in einer erschreckend schlichten, konventionellen Prosa erzählt, der jede Eleganz, literarische Verschlüsselungen oder bewusst herbeigeführte stilistische Brüche abgehen. Das wirkt selbst wie ein Offenbarungseid. Als könnte man den Gefahren und der Weltherrschaft des Internet mit sprachlichen Mitteln gar nicht mehr beikommen.

Fazit: Spart Euch das. Positiv: Trotz 550 Seiten hat man das Buch schnell überflogen.

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7 Kommentare
  1. Danke für den Hinweis. Nachdem ich Euren Artikel „Das vermessene Ich?“ mit zugehörigem MP3 (sehr empfehlenswert) gehört hatte, in dem Eggers Roman an zwei Stellen zitiert wird, stand das Buch erst mal oben für den Urlaub. Glücklicherweise ist die Liste lang :)

    1. Ja, kann man. Was Markus nicht so gerne sehen will (keine Bange, das Buch bleibt schlecht) ist, dass das Buch, wenn auch holzschnittartig Dinge erklärt, die oftmals auch hier, wenn auch aus Not, angewendet werden.

      Apple, Werbetracker und Facebook. Diese werden halt im Buch über sozialen Druck immer mehr und mehr zu einem „Kreis“ kombiniert, mit Kameras und Co.

      Und genau diese Dinge stecken halt auch in den Smartphones mit vollem Systemzugriff, außer für den User. Das Buch ist also sehr relevant, wenn leider halt auch sehr einfach gestrickt. Die Leute, die sich damit etwas auskennen und dazu gehört Markus, hören dies teilweise nicht so gerne, da sie es a) Besser wissen, aber b) Es halt auch die Kompromisse offenlegt, die viele Journalisten aus Not auch machen müssen (Facebooks, offene Mails, Werbetracker, Apple Hard- und Software, Smartphones ohne Kontrolle …)

      Ich stimme mit Markus überein, halte das Buch aber trotz des seichten und gut erratenen Handlung/Ausgangs für tauglich, gerade auch, weil der soziale Druck immer wieder im Vordergrund steht, der pubertierende Jugendliche nach WhatsSnapChat-nächste doofe App/Smartphone treibt und zu oftmals ungewollten Exhibitionisten macht.

  2. Alles eine Frage der Erwartungshaltung, ich weiß nicht genau wie die bei Markus aussah. Wer nicht mehr erwartet als einen Mainstream-Thriller, der sich u.a. mit den Themen Datenerhebung / Datenmissbrauch / Privatsphäre befasst, wird meines Erachtens nicht enttäuscht. Wer sich damit bereits genauer auseinandergesetzt hat, wird durch das Buch darüber nichts Neues erfahren (hätte mich auch gewundert).

    Frl. Unverständnis: ja, ich denke genau dafür taugt es gut, eben weil es nicht fokussiert und tief in die Thematik einsteigt, aber (hoffentlich) trotzdem zum Nachdenken anregen kann.

  3. Mir persönlich hat das Buch gefallen – der Plot ist etwas gewöhnungsbedürftig aber wer zwischen den Zeilen liest findet den Hintergrund des gesamten Szenarios – und dieser ist nunmal auf unsere fordernde Mainstream-Gesellschaft aufgebaut; ich finde die Schlüsselszenen sind ev nicht für jeden erkennbar aber vorhanden und der Zwiespalt absolut offensichtlich

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