Überwachung

EU beobachtet brasilianische Stadien mit Satelliten – Bilder bleiben bis Ende der WM unter Verschluss

Aufnahme eines Stadions in Südafrika vom EU-Satellitenzentrum EUSC und dem deutschen DLR.
Aufnahme eines Stadions in Südafrika vom EU-Satellitenzentrum EUSC und dem deutschen DLR.

Das Satellitenzentrum der Europäischen Union ist mit der Aufklärung von Sportstätten in Brasilien befasst. Das berichtete das EU-Programm „Copernicus“ gestern auf seiner Webseite. Hintergrund ist die Fußballweltmeisterschaft der Männer, für die angeblich Notfallpläne ausgelotet würden. Die Bilder will die EU aber entgegen ihrer Gepflogenheiten noch nicht veröffentlichen: Es handele sich um eine vertrauliche Aktivität.


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Stattdessen wird die Archiv-Aufnahme eines optischen Satelliten von einem Stadion in Südafrika gezeigt. Erst nach Ende der WM sollen alle Bilder aus Brasilien online gestellt werden.

Bei dem nun veröffentlichten Foto handelt sich um ein freigegebenes, also nicht geheim eingestuftes Dokument. Es kann also davon ausgegangen werden, dass die tatsächliche Auflösung deutlich darüber liegt.

Bilddaten aus dem All werden unter anderem vom EU-Satellitenzentrum (EUSC) im spanischen Torrejón ausgewertet, das seit 2002 als EU-Agentur operiert und der nach dem Lissabon-Vertrag installierten „Hohen Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik“ untersteht. Vom EUSC aufbereitete Informationen werden an den Europäischen Rat, den Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD), die Geheimdienstzentren INTCEN und EUMS sowie die EU-Mitgliedstaaten geliefert. Auch internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, die OSZE oder die NATO können ihre Missionen auf die Produkte aus Torrejón stützen: Jedenfalls dann, wenn dies im Interesse der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU (GSVP) liegt.

Deutscher „Ansprechpartner“ und Mitglied im Verwaltungsrat des EUSC ist das Auswärtige Amt, das „Produkte“ von dort erhält und an andere Nutzer in Deutschland weiterleitet. Auch die Bundeswehr ist beteiligt, sie stellt „auf Anforderung Personal für die Satellitenbildauswertung an das EUSC ab“. Hierfür nimmt sie regelmäßig an Ausbildungen teil.

Der wichtigste zivile Akteur ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das Institut agiert im Auftrag der Bundesregierung und betreibt zur Auswertung der Satellitenaufklärung das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) im bayerischen Oberpfaffenhofen und in Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern. Ebenfalls zum DLR gehört das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI), das die Bilder aus Brasilien ausweislich der Metadaten anfertigt hat. Vor sieben Jahren hatte das ZKI bereits die Polizeimaßnahmen zum G8-Gipfel in Heiligendamm testweise aus der Luft begleitet.

Auf der Webseite von „Copernicus“ heißt es, die Aufnahmen von der WM in Brasilien sollten die Bereitschaft für etwaige Evakuierungen stärken, falls es zu nicht weiter definierten „Notfällen“ komme. Aufgeklärt würden Hubschrauberlandeplätze, Versammlungsstätten oder Straßen, die zu Krankenhäusern führen. Außer der WM 2010 in Südafrika wurden bereits zur Euro 2012 in Polen bzw. der Ukraine EU-Satellitenkapazitäten eingesetzt.

Die EU schießt im „Copernicus“-Programm mehrere eigene Satelliten ins All. Sie dienen der Unterstützung militärischer und ziviler Missionen, darunter die Bekämpfung von „Terrorismus“ und „Piraterie“. Angefordert werden die Bilder aber auch für die Kontrolle von Abrüstungsmaßnahmen, Grenzsicherungen, Kontrolle des Anbaus von Betäubungsmitteln, Absicherung polizeilicher Großereignisse sowie für Bedrohungsanalysen. Zur Zeit müssen aber noch Kapazitäten hinzugekauft werden. Hierfür greift das EUSC auf diverse private Anbieter zurück:

kommerzielle-satelliten

Die Operationen der vergangenen Jahre werden in einer aktuellen Präsentation der griechischen EU-Präsidentschaft geschildert. Demnach kam die EU-Satellitenaufklärung vor allem bei EU-Operationen in Bosnien, Nigeria, Mali, Sudan und Somalia zum Einsatz. Auch Polizeimissionen in den Palästinensischen Gebieten und in Georgien wurden unterstützt. In Syrien wurde die Vernichtung chemischer Waffen aus dem All kontrolliert. Über der Ukraine und der Krim klärten die Satelliten die Aktivitäten militärischer und paramilitärischer Truppen auf. Auch ganze Städte, Häfen und Flughäfen wurden ausgespäht.

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2 Kommentare
    1. Lieber Andreas, das ist interessant: Lässt sich sagen, in welcher Auflösung die Aufnahmen hier vorliegen und welche „Differenz“ sich zu den tatsächlichen Kapazitäten der Pléiades-Satelliten ergibt? Denn die wird ja mit 50cm angegeben. Ich würde sagen, die vom ZKI gefertigte, online gestellte Aufnahme des Durham-Stadions in Südafrika hat eine höhere Auflösung. Oder?

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