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Remixerin #17 DJ Ipek: „Musikindustrie ist immer mehr auf Remixer/innen angewiesen“

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DJ Ipek (Foto: Luis Cobelo)

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: DJ Ipek.

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Ipek Ipekcioglu aka DJ Ipek bezeichnet ihren Zugang als „Eklektik BerlinIstan“, einem Wortspiel aus Berlin und Istanbul, der sehr traditionelle bis hin zu sehr elektronischen Tunes miteinander mischt, teilweise auch in Form von Live-Remixes. Sie produziert für Film und Theater (z.B. für die Wiener Kammeroper) und arbeitet mit verschiedenen MusikerInnen als Komponistin, Remixerin oder bei Live-Auftritten zusammen, z.B. mit Olivinn Ensemble Classical Fusion, Musiqa Sequenza oder Electro-Acoustic-Classik, und hat eine eigene Band namens DeliBrass (siehe YouTube-Embed).

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Während ich auflege mache ich zum Beispiel Live-Remixes, wenn ich Compilations bei Trikont herausgebe benutze ich selbstverständlich lizensierte Werke Dritter. Und natürlich erstelle ich eigene Remixes von Tracks, die mir besonders gut gefallen, für nicht-kommerzielle Zwecke. Für meine veröffentlichten Remixes habe ich immer eine Lizenz.

Wie stehst Du dazu, wenn andere Leute Deine Werke remixen? Hast Du keine Angst, dass Leute damit Dinge tun, die Dir nicht gefallen?

Ich finde, wenn DJs oder Producer meine Musik so gut finden, dass sie sich hinsetzen, Zeit und Ideen investieren und etwas anderes daraus machen , egal ob es jetzt ein guter oder ein schlechter Remix ist, finde ich das grundsätzlich sehr gut. Und es ist auch eine gute Werbung für mich, weil Zuhörer auch das Original im Vergleich ebenso hören wollen. Klar ist, nicht alle Remixes sind toll, aber grundsätzlich bin ich sehr offen dafür, dass meine Werke geremixt werden.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein Remix ist dann gut, wenn die Essenz des Originalwerkes beibehalten oder sogar gesteigert werden kann und nicht umgekehrt. Eine völlige Veränderung des Werkes kann sehr spannend aber auch befremdlich sein. Ein guter Remix sollte auf jeden Fall keine Kopie des Originals sein, in dem man darunter nur ein paar Beats eingefügt und den Track nur schneller gemacht hat. Das wäre für mich lediglich ein Re-Edit aber kein Remix.

Dennoch heißt ein Remix nicht, dass es sich um einen total anderen Track handelt. Der Originaltrack sollte dennoch erkennbar sein. Es gibt leider genug Remixe, wo ich denke, das braucht die Welt nicht. Ergo Orginal ist besser als der Remix.

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Ja Ja Ja. Natürlich in erster Linie aus rechtlichen Gründen und weil die Lizenz dafür zu erfragen einfach zu Bürokratisch oder zu teuer sein kann, oder weil ich nicht die richtigen Connections zu dem Rechtinhaber habe. Natürlich geht es darum, das Werk des Künstlers zu respektieren. Ich verändere den Track zwar nach meinen Gedanken, sofern ich aber namentlich angebe, wen oder was ich geremixt habe, klaue ich de facto nichts, sondern interpretiere das Original lediglich anders.

Es gibt tatsächlich viele Tracks, die ich toll finde und aus denen ich gerne etwas machen würde, aber ich könnte es ohne die Genehmigung eigentlich nicht herausgeben, weil ich mich damit strafbar machen würde, was ich ein Unding finde. Unter anderem werden Unsummen für ein Sample verlangt, was ich unverhältnismäßig finde und das zu zahlen ich nicht bereit wäre, zumal ich über CD-Verkäufe das Geld nicht wieder hereinbekomme und mir keine GEMA-Gebühren zustehen, da ich nur Bearbeiterin wäre.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Wenn den Besitzern des Originalwerkes damit zu Gute kommt und ich mir damit mir das Recht alles zu Remixen hole, und wenn das keine horende Summe ist, bin ich sehr gerne dabei und unterstütze diesen Gedanken. Letzten Endes kommen die GEMA-Gebühren dem Komponisten zu Gute und nicht dem oder der BearbeiterIn, damit verdient der Rechteinhaber des Orginalwerks zusätzlich Geld. Damit hätte der oder die KünstlerIn auch etwas. Der oder die RemixerIn hat hoffentlich etwas Neues und Gutes geschafft, und kann damit etwas bekannter werden.

In Anbetracht dessen, dass die Musikindustrie sich im Leerlauf befindet und immer mehr auf Retromusik zurückgegriffen wird in Form von Covern und Remixes (Swing, Remixes der 60er , 70er, 80er etc.) wird immer klarer , dass die Musikindustrie eigentlich immer mehr auf RemixerInnen angewiesen ist.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Baris Manco – Dönence DiskoFunk Remix by me.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet.

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Ein Kommentar
  1. Es gibt tatsächlich viele Tracks, die ich toll finde und aus denen ich gerne etwas machen würde, aber ich könnte es ohne die Genehmigung eigentlich nicht herausgeben, weil ich mich damit strafbar machen würde, was ich ein Unding finde. Unter anderem werden Unsummen für ein Sample verlangt, was ich unverhältnismäßig finde…

    Hier stellt sich glaube ich die Frage, ob es nicht noch andere z.B. billigere Alternativen gibt und da gibt es doch schon einiges. So hat z.B. der bekannte Komponist Hans Zimmer kürzlich sehr viele Samples frei für einen Remix Wettbewerb zur Verfügung gestellt. Freie Creative Commons lizensierte Musik ist ein anderes Beispiel.

    Man könnte auch versuchen einfach selbst Samples herzustellen, also z.B. selbst ein Instrument zu spielen oder zu singen etc.
    Falls man das (noch) nicht kann gibt es sogar (noch) Musikschulen in Berlin!

    Man kann ja auf allem möglichen rumkloppen, auf Blechen (wie hier z.B. bei dem Lärmorchester Proletkult oder auf Rohren. Es gibt ziemlich viele Orchester die Mitspieler suchen, wie z.B. die Adamson Militaryband (nur so als Beispiel :))

    Allerdings sollte man dabei ein bisschen Aufpassen und vorallem auf die Nachbarn rücksichtnehmen. Eine mit Kopfhörer gespielte el. Geige tuts eventuell auch.

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