Mitfahrgelegenheit.de, die bisher größte Plattform für die Suche nach Fahrern und Mitfahrern, hatte im April dieses Jahres viele seiner Nutzer verprellt, da plötzlich Fahrten über 100km 11% Provision pro vermitteltem Mitfahrer kosteten. Zum 20. November werden sich die AGB wieder ändern. Neben dem Wegfall der 100km-Grenze für provisionspflichtige Fahrten hat sich aber auch für die persönlichen Daten der Nutzer eine interessante Änderung ergeben:
Mit dem Einstellen von Informationen im Rahmen von Mitfahrgelegenheiten räumt der Nutzer carpooling [der Betreiberfirma] ein auf die Verwendung im Zusammenhang mit der Mitfahrplattform und den Vertragszweck beschränktes, widerrufliches und übertragbares Nutzungsrecht an den jeweiligen Informationen [in der kommentierten Fassung: Daten, die er beim Suchen und Anbieten von Mitfahrgelegenheiten auf der Mitfahrplattform hinterlässt] ein.
Das heißt also, man gibt seine Fahrtdaten in die Gewalt von carpooling. Wobei unklar bleibt, was die Informationen tatsächlich umfasst. Sind es „nur“ die Fahrtdaten, ergo, dass zu einem bestimmten Datum eine Fahrt von A nach B stattfinden wird? Oder gehören diverse Profilinformationen gleich mit dazu? Neben dem Namen und einem Foto kann das beispielsweise auch eine ADAC-Mitgliedschaft oder komplette Fahrzeuginformationen umfassen. Außerdem beobachtet man häufiger, dass Personen in der Detailbeschreibung der Fahrt recht offen mit ihren Informationen, wie Nummernschildern, umgehen.
Aber was hat carpooling mit diesen Angaben vor?
Klarstellend wird darauf hingewiesen, dass entsprechend des Vertragszwecks von der Rechteeinräumung die Darstellung der Informationen im Rahmen von Partnerprogrammen und damit auf Angeboten Dritter umfasst ist. carpooling verpflichtet alle Betreiber solcher Partnerprogramme, die Informationen ausschließlich temporär zur Anzeige im Angebot zu nutzen und nicht dauerhaft zu speichern
Aha, also sollen die Daten von anderen angezeigt werden können. Wer sind diese anderen? Dazu gibt uns carpooling auch Auskunft und verweist auf eine Seite mit der Aufzählung seiner Partner. Hier wird es richtig interessant. Zu den Partnerprogrammen von carpooling gehören nämlich, neben einigermaßen plausiblen Auto- und Tourismusangeboten, Dinge wie: http://www.berlinkriminell.de, das Elitewohnheim Jena und – favoritenverdächtig – die Jerxer Meerschweinbande (deren Homepage leider nicht existiert). Wie das Geschäftsmodell mit diesen Partnern funktioniert, bräuchte sicher eine gesonderten Erklärung. Und wer informiert eigentlich über neue Partner?
Später findet sich in der Datenschutzrechtlichen Einwilligung (die jedoch nicht aktuell geändert wurde) noch der Hinweis, dass man auch bisher nicht registrierten und dementsprechend nicht eingeloggten Nutzern aktuelle Angebote schicken würde, die „Name, Foto und Bewertung des Nutzers“ anzeigen. Heißt im Klartext, mit ein klein wenig Google und Facebook-Gesichtserkennung dürfte es niemandem mehr schwerfallen, zu ermitteln, wer wann wohin fährt.
Es wäre ein Experiment wert, anhand von Fotos und dem Abgleich mit Bildern auf Facebookprofilen, Fahrtprofile zu erstellen und den jeweiligen Personen ihre Bewegung der letzten Wochen zu präsentieren.
Und ansonsten: Einfach abmelden und datenschutzfreundlichere Alternativen wählen. Zum Beispiel www.bessermitfahren.de, da klappt das alles ganz ohne Registrierung und mit eigener Verantwortlichkeit, wie viele und welche Daten man preisgibt – nur eine Verifizierungsmail ist nötig. Leider gibt es (noch) keine https-Verbindungsmöglichkeit.
Weitere Alternativen, die nicht auf Werbung und Datenverkauf aufgebaut sind, dürft ihr gerne in den Kommentaren erwähnen.