Generell

ZDF macht aus vollkommen anderen Gründen genau das, was die Verleger wollen

Wir erinnern uns: Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten verhandeln seit einiger Zeit mit großen deutschen Zeitungsverlegern darüber, in welcher Form sie ihr dank Depublizierungspflicht eh schon trauriges Online-Angebot noch nutzloser machen können. Die Pläne sahen dem Vernehmen nach so aus, dass auf Texte weitgehend verzichtet werden soll.


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Heute hat der Leiter der Abteilung „Neue Medien“ des ZDF, Eckart Gaddum, der dapd ein paar Fragen zum neuen ZDF-Onlineauftritt beantwortet. Überraschung: Auf Texte wird weitgehend verzichtet. Aber:

Der ZDF-Manager erklärte, diese Entwicklung habe „absolut nichts“ mit dem anhaltenden Druck vieler Verlage zu tun.

Der Grund sei stattdessen, dass das ZDF für bewegte Bilder stünde. Die große Innovation sieht deswegen so aus:

Wir verknüpfen Videotext mit Online.

Dazu fällt einem bei diesem Sender auch nix mehr ein, was nicht schon tausende von Malen geschrieben worden ist. Videotext dürften die noch lebenden Zuschauer zumindest noch aus ihrer Jugend kennen, insofern herzlichen Glückwunsch zur zielgruppengerechten Gestaltung des Online-Angebots.

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36 Kommentare
  1. Naja, ich halte Videotext fuer eines der brauchbarsten Angebote im Fernsehen: Ton abschalten, gewuenschte Information finden, fertig. Allerdings hatte das ZDF im Gegensatz zur ARD den Bereich „Informationen“ eher eliminiert, als ich das letzte mal nachgesehen habe…

  2. Ist so ein Kommentar nicht etwas unter Eurem eigenen Anspruch?

    Der Witz, das ZDF sei nur für 60+ ist schon so alt wie er bereits nicht mehr stimmt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Sendeanstalten – egal ob ÖR oder privat – bin ich der Ansicht, traut sich das ZDF sehr viel und hat damit auch Erfolg.

    Sendungen wie neoParadise, Roche & Böhmermann, Bambule usw. sind sehr gelungene Formate und alles andere als für die Klischee-Zielgruppe gemacht.

    Und was ist dagegen einzuwenden, einen Online-Auftritt eines Fernsehsenders primär auf Bilder und Video auszurichten? Das ist nicht rückständig sondern aus meiner Sicht sogar sehr zukunftsbedacht – Video nimmt in den nächsten Jahren mMn sehr an Bedeutung zu…

    1. Doch, das mit der Klischee-Zielgruppe ist unter meinem Anspruch. Hab das sehr widerwillig geschrieben, nachdem mich Herr Gaddum durch seine Aussagen dazu mehr oder weniger gezwungen hat.

      Was dagegen einzuwenden ist: U.a. Beschneidung der journalistischen Möglichkeiten, abnehmende Barrierefreiheit und die Koinzidenz mit den Verlegerinteressen.

      1. Oha, das rechtfertigt natürlich alles. So flache Frasen zu dreschen ist in diesem Fall selbstverständlich legitim….

        Sorry, bisher hielt ich netzpolitik.org für sachlicher als Dinge aus dem Hause Springer. Dein letzter Absatz im Artikel und Deine Rechtfertigung dafür lassen diesen Eindruck jedoch – leider – verschwinden.

        Und was bitte soll denn der Punkt mit „Beschneidung der journalistischen Möglichkeiten“? Möchtest Du damit sagen, dass man in Bewegtbild bzw. in Fotos nicht journalistisch arbeiten kann?

        Davon mal abgesehen lese ich „So werde die Startseite von zdf.de fast keine Texte mehr enthalten“ – heisst nach meinem Verständnis, dass die Startseite stärker mit Bildern gestaltet wird – dass komplett auf Text verzichtet wird – also auch weiterführenden (Unter-)Seiten kann ich aus dem verlinkten Artikel in keiner Weise herauslesen.

      2. Auf dieser Ebene macht eine Diskussion keinen Sinn. An welcher Stelle habe ich denn beispielsweise geschrieben, „dass komplett auf Text verzichtet wird“? Wie kommst du darauf, ich wolle sagen, „dass man in Bewegtbild bzw. in Fotos nicht journalistisch arbeiten kann?“ Dein Beitrag trieft vor dialektischen Kunstgriffen, lass das bitte, wenn du an einer ernsthaften Diskussion interessiert bist.

      3. Ich bin an einer ersthaften Diskussion interessiert. Mein erster Kommentar war doch auch sachlich, oder nicht?

        Den letzten Abschnitt Deines Artikel finde ich ziemlich daneben und dies habe ich kommuniziert. Du rechtfertigst dies damit, dass Du dazu quasi gezwungen wurdest… Sorry, aber das lasse ich nicht gelten, denn es ist ziemlich schwach sich darauf zu stützen. Man hätte es doch auch anders formulieren können…

        Aber lassen wir (also bitte beide) diesen Teil der Diskussion ruhen und kümmern uns um den sachlichen Teil. ;)

        Du hast nirgends geschreiben, dass komplett auf Text verzichtet wird und ich habe nirgends behauptet, dass Du dies hast. :)
        Die Aussage aus dem ZDF-Interview habe ich ja zitiert und auch wie ich selbige interpretiere.

        Auf diesen Fakt gehst Du jedoch keineswegs ein. Ok, mag daran liegen, dass Du schlicht anders interpretierst. Denn wenn die Startseite verändert wird, und auf der Startseite (!) weniger Text kommt, sondern eben mehr Bilder sehe ich das als vollkommen unproblematisch. Es ist nämlich meiner Meinung nach davon auszugehen, dass eben diese Bilder dann mit entsprechenden Artikeln/Beiträgen verlinkt sind. Auch dies habe ich bereits erläutert.

        Was ist daran kritisch? Denn letztlich wird es Text zu Themen geben, nur eben weniger davon auf der Startseite. Und die Einstiegsseite mehr zu visualisieren ist doch nicht schlimm.

        Aber letztlich reden wir beide über ein Thema, welches wir nicht wirklich beurteilen können, da es jeweils auf Interpretation beruht. Also warten wir doch, bis die Seiten live gehen und dann schauen wir, obs tatsächlich Anlass zur Kritik gibt oder nicht. ;)

        Sollte es diesen Anlass geben: eine andere Art wie die, welche Du im letzten Abschnitt Deines Artikels anbringst wäre aus meiner Sicht jedoch wünschenswert. :)

      4. OK. Ich bin auch gespannt, wie das letztlich aussehen wird, und dabei eben deutlich skeptischer als du. Wenn das trotz Gaddums Aussagen und trotz der Lobbyarbeit der Verleger und den berüchtigten Statements von ÖR-Intendanten eine Verbesserung des Informationsangebots geben sollte, würde ich mich selbstverständlich freuen.

    2. Dein letzter Absatz erzeugt bei mir nur Kopfschütteln. Das viele Menschen heutzutage nicht mal mehr 3min konzentriert einen Text lesen können, sollte nicht als Begründung dafür herhalten, auf alle Vorteile von reinem Text zu verzichten. Durchsuchbar, Maschinenlesbar, Platformunabhängig, Zitierbar, …

      Das man Videos gerne als Ergänzung und für die die es Lieber so serviert bekommen, dazu packen kann, gerne. Aber es als Zukunftsorientiert zu bezeichnen, auf die Grundlage zu verzichten, finde ich schon mutig.

      1. Ich glaube nicht, dass es rein das Problem ist, dass sich „viele Menschen heutzutage nicht mal mehr 3min“ konzentrieren können. Der Mensch prägt sich in der Regel Bilder (ob Foto oder Bewegtbild ist relativ egal) besser ein, als reinen Text.

        Wie bei meiner Antwort auf Kilians Kommentar bereits bemerkt, so kann ich im verlinkten Artikel nichts finden, wa steht, dass man KOMPLETT auf Text verzichtet. Die Startseite soll wohl mehr mit Bildern bestückt werden. Ich interpretiere dies so, dass die Bilder dann eine Verlinkung zu einer Unterseite beinhalten auf der mehr zum jeweiligen Thema steht.

        Die Kritik ist somit für mich nicht nachvollziehbar.

        Würdest Du denn grundsätzlich sagen, dass Video/Bewegtbild nicht an Relevanz gewinnt? Ich bin schon der Ansicht und finde es daher auch gut, wenn Fernsehsender dieses Medium stärker nutzen und in Ihre Webauftritte integrieren. Bis man irgendwann mal soweit ist, komplett auf Text zu verzichten wird es wohl noch dauern – wenn es überhaupt soweit kommt. Denn dass ich KEINEN Text mehr geben wird habe ich nirgend geschrieben und kann ich auch aus dem verlinkten Artikel nirgends herauslesen.

      2. Und auch hier nochmal: Gaddum sagt „Der Charakter der Seite verändert sich massiv: Wir werden unterm Strich weniger Text veröffentlichen als bisher“ – daraus mache ich „weitgehend auf Text verzichten“. Daraus machst du „KOMPLETT auf Text verzichte[n]“. Eine massive Veränderung, die zu weniger Text führt, und bei heute.de statt Artikel Videotext beinhalten wird, ist ein weitgehender Verzicht auf Text (im journalistischen Sinn).

    3. neoParadise, Roche & Böhmermann, Bambule
      Hast „logIn“ vergessen. Besser kann man Propaganda nicht verkaufen und Manipulation betreiben.

  3. Ich weine dem „Text-Angebot“ der Öffentlich Rechtlichen keine Träne nach:
    1. Miese journalistische Qualität. Beispiel: „Textbeitrag“ auf tagesschau.de OHNE Quellenangabe, der WORTWÖRTLICH so bei Handelsblatt-Online stand, dort allerdings MIT Quelle: Nachrichtenagentur.
    2. Opportunistische Berichterstattung, welche „Meinung der Redaktion“ mit Information vermischt.
    3. Oberflächliche Berichterstattung bei Fachthemen wie z.B. Finanzkrise. Hier war z.B. der Unterschied zwischen einem Hedge- und einem Rentenfonds nicht bekannt. Das bemerkenswerte: DERSELBE Fehler wurde auch in einem Bericht des ORF gemacht. Bei solch einem charakteristischen Fehler hab ich spontan das Wort „Gleichschaltung“ assoziert.
    4. Absolut indiskutabel: Leserkommentare werden INHALTLICH ZENSIERT. Z.B. wird der Themenbezug, welcher KEIN Kriterium in den Benutzerrichtlinien ist, bei tagesschau.de gerne so eng und willkürlich ausgelegt, daß damit JEDER unliebsame Kommentar wegzensiert werden kann. Besonders gerne wurden bei mir Kommentare wegzensiert, welche sich kritisch mit dem Thema „staatliche Überwachung“ auseinandergesetzt haben.

    Zusammengefaßt: Wenn man mit dem Geld der Leser nur eine Propaganda-Alibi-Veranstaltung betreibt, dann kann mans auch gleich ganz sein lassen.

    1. Zumindest von der Tagesschau weiß ich, das von bestimmten politischen Kreisen (die rein zufällig fast alle aus einer Roland Koch nahe stehenden Richtung kommen) massiv auf die Redaktionen eingewirkt wird. Christian Wulff ist dagegen mit Samthandschuhen angefasst worden.

    2. Ich finde jedenfalls meta.tagesschau.de interessant.

      Die journalistische Arbeit der Tagesschau kann nicht mit seriösen Netzjournalismus mithalten. Die müssen halt unterhalten für das Massenpublikum und den Proporz beachten. Interessanter Weise ist der Proporz zwischen katholischen und protestantischen Themen nie gegeben.

  4. Interessanterweise hat die BBC Teletext schon vor Jahren abgeschaltet ausgenommenn für Untertitel. Auch bei ARDZDF nutze ich das eigentlich nur, um zu schauen, was als nächstes kommt – aber auch das ist heute Dank digitalem Programmguide besser gelöst…

  5. Da ich persönlich jemand kenne, der in der Videotext Redaktion arbeitet, war ich auch verwundert, als der mir erzählte, wie hoch die Zugriffszahlen sind. Insofern ist die Einschätzung des Stellenwert von VT im Artikel (wie auch meine eigene) sicher falsch.

    Ansonsten finde ich die Entscheidung des ZDF vollkommen richtig. Es ist ein Fernsehsender und sollte im Internet auf genau das präsentieren, von anderen Dingen haben sie keine Ahnung und können nur scheitern.

    Ich finde das Online Angebot des ZDF als eines der besseren der Fernsehsender, insofern finde ich die Behauptung sie hätten ein eh schon trauriges Online-Angebot unbegreiflich. Die Mediathek als zusätzliches Angebot zum „live“ Fernseh ist durchaus gelungen und mehr erwarte ich vom einem Fernsehsender auch gar nicht.

    1. ihr dank Depublizierungspflicht eh schon trauriges Online-Angebot

      Depublizierung ist Informationsvernichtung. Wie man das nicht traurig finden kann ist für mich unbegreiflich.

      1. Naja, ich finde das nicht traurig. Auch wenn die Friesten ein Eingeständnis gegenüber den Verlegern war, so wäre es auch aus technischer Sicht kaum möglich gewesen alle Fernsehinhalte auf alle Ewigkeiten im Internet zu behalten. Diese Sichtweise ist naiv.

      2. Äh und warum bitte?
        Vielleicht wird eine Million Jahre etwas schwierig, aber mit der Knete mit der die jedes Jahr um sich werfen bekommt man locker genug Datenkapazitäten um die nächsten paar Jahre an Sendungen abzuspeichern.

  6. Ach, und dabei darf man nicht vergessen, eine Internetseite eines Geührenfinanzierten TV Sender muss kein (und darf vermutlich auch nicht) Gewinne erzielen und auch nicht durch ihre hohe Reichweite brillieren. Sie sollte eben nur ein zusätzliches Angebot sein. Und wenn die Hauptzielgruppe die über 60 jährigen ist, dann muss die auch diese Zielgruppe zugeschnitten werden. Was ist daran verwerflich?

    1. Dann sollte das ganze auch nur aus Gebühren der ü60 finanziert werden und nicht mit meiner Kohle (<40). Wenn ich schon auch dafür zahlen muss ("neuartiges Rundfunkempfangsgerät" sei Dank), dann will ich mit den Gebühren auch was Sinnvolles und dauerhaft Nutzbares gemacht sehen.

      Also entweder: Kohle nicht von Allen nehmen und Programm/Angebot für Sparte machen – oder halt von allen Kohle nehmen und für Alle was bieten (und vor allem sollten die Politiker wie auch ARD/ZDF aufhören, vor den Privaten zu kuschen).

      1. Machen sie doch? Du zahlst ja nicht nur für’s ZDF.
        Es geht aber um’s Internet Angebot und da muss meiner Meinung nach, das ZDF nicht darauf achten, dass es auch von 20 jährigen als hipp empfunden wird.

  7. Wir verknüpfen Videotext mit Online.

    ZDF, wie man es kennt, oder ZDF, größter Idiotensender aller Zeiten, wie viele, m. E: vöölig zurecht, behaupten.

    Warum die Propaganda, die Lügen, die Verdrehungen, die Manpulation auch in Textfrom bringen, wenn der konsequent blöd gekleberte Konsument eh nicht keine Buchstaben mehr kennt.

    Das bevorzugte Instrument des versklavten Wahl-, Zahl- und Konsumschafts, der blödPad, hat deshalb auch schon keine Tastatur mehr.

    Zum Konsumieren reichen ja auch nette kleine Apps auf dem blödPad oder blödPhone, alles andere würde nur verwirren.

    Ich bin nun gepannt, wann auch der wahrscheinllich größte Idiotensender des Universums sich einer anderen US-Initiative anschließt und den Wort- äh, sorry, den Wortbildschatz freiwillig reduziert.

    Ist vielleicht auch besser, denn schließlich versteht eh keiner was „Junk Food“ wirklich bedeutet, wenn er diesen leckeren, knusprigen Burger abgebildet sieht, während er den Gentech-Giftmüll mampft. Nur wie mag man ihm erklären, dass er immer fetter und fetter wird, während der Werbestar das Sixpack zur Schau stellt?

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