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Studie: Filesharing geleakter Alben kann Verkauf leicht steigern

Einer neuen Studie zufolge schadet Filesharing von vorabveröffentlichten Musik-Alben dem Verkauf nicht, sondern steigert ihn sogar leicht.


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Der Wirtschaftsprofessor Robert Hammond von der North Carolina State University nimmt in der Studie Profit Leak? Pre-Release File Sharing and the Music Industry die Downloadzahlen von über 1’000 vorabveröffentlichten Musik-Alben in einem privaten BitTorrent Tracker zum Ausgangspunkt. Diese Daten seien sehr verlässlich, da die Nutzer nur auf Einladung Teil des Trackers werden können. Die Downloadzahlen setzt er in das Verhältnis mit den regulären Verkäufen von digitalen und physischen Alben in den ersten sechs Wochen nach erscheinen des jeweiligen Albums. Dabei kommt er zu folgendem Ergebnis:

The results strongly suggest that an album benefits from increased file sharing: an album that became available in file-sharing networks one month earlier would sell 60 additional units. […] I not find any evidence of a negative effect in any specification, using any instrument.

Interesssant ist auch ein weiteres Ergebnis: Etablierte Künstler, Major-Labels und populäre Musikgenres profitieren deutlich mehr als ihre Pendants.

16 Kommentare
  1. Häh? Diese Begrüdung ist nicht nachvollziehbar:

    „Diese Daten seien sehr verlässlich, da die Nutzer nur auf Einladung Teil des Trackers werden können.“

    Ich glaube ja daran dass Herunterladbarkeit den Markterfolg vergrößert, und man diesen wohl auch messen können wird. Aber die Bedingung, eingeladen zu werden verzerrt die Lage ja wohl auf heftigste – es gibt kein besseres Marketing als den Hauch des Exklusiven, der durch „invite-only“ erzeugt wird. Qua Verfahren werden hier die erzielbaren Erkenntnisse möglicherweise wahr, aber daraus etwas allzu allgemeines ableiten zu können ist hakelig. Eigene Methodenreflexion ist aus dem Text oben so nicht abzulesen.

    1. In der Studie wird behauptet (bzw. gemessen), das die meisten Alben zuerst auf solche privaten Trackern getauscht werden und dann erst via normalen, öffentlichen Trackern verfügbar sind.

      Die privaten Trackern sind also quasi die „Keimzellen” der Albem in öffentlichen Netzen und daher für solche Studien von besonderem Interesse.

  2. Ich finde es auch schwierig die Kausalität zu zeigen. Falls zum Beispiel eher „gefragte“ Sachen geleakt werden, wird es schwierig. Es ist halt nichts randomisiert…

  3. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass die kostenlose Steigerung des Bekanntheitsgrades eines Albums oder Liedes oder Musikers einen positiven Einfluss auf die Vertriebszahlen haben wird. Das ist keine „Rocket Science“. Dafür brauche ich auch keine wissenschaftliche Studien „about stating the obvious“.
    Ein interessanter Test wäre eine Abschaltung aller Tauschbörsen z.B. für einen Monat und den Verbot von Youtube und anderen Video-Diensten. Dann würden die Verkaufszahlen, aufgrund der zunehmenden Bedeutungslosigkeit der Massenmedien wie Fernsehen und Radio, unmittelbar in den Keller rauschen. Danach würde die Unterhaltungsindustrie betteln, dass diese wieder eingesetzt werden. Sie unterschätzen die Wirkung der geteilten Inhalte z.B. über YT in sozialen Netzwerken gewaltig. Wenn es nichts gibt, was geteilt werden kann, werden die Marketingkosten enorm. ;)

    1. Komisch, mir sagt der gesunde Menschenverstand, dass es für den Verkauf eines Produkts eher suboptimal ist, wenn man es auch umsonst haben kann. Das Experiment mit der Abschaltung aller Tauschbörsen und Videodiensten hatten wir schon mal (bis vor ca. 12 Jahren). Scheint der Musikindustrie eher nicht geschadet zu haben.

      Und was die Methodik angeht: Es ist doch klar, dass vor allem bekannte Titel auf den Tauschbörsen landen, die sowieso hohe Verkaufszahlen erreichen. Scheint ja eine extrem seriöse Studie zu sein (aber für 5 Minuten Ruhm in der Blogosphäre reicht’s).

      1. Das ist ja nicht die erste Studie, die dies aufzeigt:
        http://www.heise.de/tp/artikel/17/17076/1.html

        Und mal am Rande: Gibt es seriöse Gegenstudien? Zum Beispiel Studien, die nicht von der BSA, der Musik- oder der Filmlobby sind?

        Das Experiment mit den abgeschalteten Tauschbörsen hatten wir tatsächlich (siehe gelinkten Artikel). Als die erste Tauschbörse aufgetaucht ist sind die Verkaufszahlen gestiegen. Kausalität? Keine Ahnung! Logisch und Einleuchtend? Für mich schon.

      2. 1. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass ich mir keinen Musiktitel kaufen würde, ohne ihn zuerst egal wo gehört zu haben. Die Industrie rechnet mit unrealistischen Opportunitätskosten, die astronomisch hoch sind, und unterschlägt zugleich absichtlich die Werbekosten, die nötig wären, ein Lied oder Album bekannt zu machen.
        2. Der mono-kausale Zusammenhang zwischen den Umsätzen der Industrie und Tauschbörsen erscheint mir naiv und wirklichkeitsfern. Die Musikindustrie durchlief seit ihrem Bestehen mehrere Konjunkturphasen. Das wird hier schön dargestellt: http://musikwirtschaftsforschung.wordpress.com/2009/06/25/die-rezession-in-der-musikindustrie-eine-ursachenanalyse/ . Zum Teil sind die Einbrüche auf gesamtwirtschaftliche Vorgänge zurück zu führen, wie bei den Ölkrisen der 70er Jahre, Finanzkrisen 2008 etc. , zum anderen Teil auf die Veränderungen der Geschäftsmodelle wie Single oder Longplay oder Marktsegmentierungen. Das Internet hat durchaus seinen Anteil daran, dass sich vermehrt Marktnischen im Musikbereich aufgetan haben, der so genannte Long Tail. Das zunehmende Verschwinden der Massenkultur macht Hits immer schwieriger. Aber es ist natürlich tröstlich einfache Ursachen identifizieren zu können, leider ist die Wirklichkeit ein wenig komplexer. ;)

  4. Hier werden wieder einmal Äpfel und Birnen miteinander verglichen:

    Die Downloads erfolgen weltweit (jedenfalls finde ich beim Querlesen der Studie nichts, was auf etwas anderes hinweist), erfasst wurden aber nur Verkäufe in den USA.

    Wieso soll ein Download in Deutschland oder sonstwo im Rest der Welt irgendeinen Effekt auf den Musikverkauf in den USA haben?

    Angesichts der grundlegenden Architektur von P2P-Systemen dürfte die Erkenntnis, dass vorallem bereits etablierte Künstler von möglichen Werbeeffekten des Filesharings minimal „profitieren“, richtig sein: Von wegen Filesharing als Weg zur Demokratisierung von Kultur & Chance für unbekannte Künstler!

    Wortwart:
    „Komisch, mir sagt der gesunde Menschenverstand, dass es für den Verkauf eines Produkts eher suboptimal ist, wenn man es auch umsonst haben kann.“

    Ganz genau! Effekte von Filesharing auf den Verkauf von Produkten kann es nur solangr geben, wie es auch kostenpflichtige Angebote gibt.

    Nach einer Legalisierung von Filesharing gäbe es für die meisten kostenpflichtigen Angebote keinen Markt mehr. (Und komm‘ jetzt bloss keiner mit dem Argument, es können ja irgendwelche Dienstleistungen oder T-Shirts, Konzertkarten etc. verkauft werden).

    1. Und kostenpflichtige Angebote machen nur dann Sinn, wenn die angezielten Kunden etwas von diesem Angebot wissen. Werbung eben. Und was ist wohl die Werbung von Musik? Probehören. Also ist es nicht abwegig anzunehmen, dass das kostenlose Herunterladen via höherer Bekanntheitsgrad auch die Verkaufszahlen anregt.

      1. Ähm, wenn ich etwas schon kostenfrei auf meine Festplatte geladen habe …. warum sollte ich dann das gleiche nochmal auf einer legalen Seite kaufen?????? Probehören? Also, neee, das Argument überzeugt wenig.

  5. Ich vermute mal, dass das Filesharing sich nur auf den „long tail“ des Medienabsatzes negativ auswirkt, und der stellt mittlerweile auch ein wichtiges Geschäftsmodell der Medienindustrie dar. Ich bezweifle aber sehr, dass den Kulturschaffenden von daher noch mehr als ein maues Taschengeld zukommt. Jedenfalls, was glaubt Ihr, warum die Lobbyisten der Industrie sich alle zwanzig Jahre ein Bein ausreißen und unsere Politiker mit Parteispenden und wer weiß wie sonst noch schmieren, nur um die Urherberrechts-Schutzfristen noch um weitere zwanzig Jahre zu verlängern?

    Ich jedenfalls müsste es mir schon zweimal überlegen, ob ich ein Jazzstück aus den 40ern gratis runterlade, oder ob ich es bei einem Anbieter gegen teuer Geld kaufe, der die Rechte von einem anderen Anbieter gekauft hat, der die Rechte von den Erben des Künstlers gekauft hat – wobei der nichts mehr von diesem und von jenem abkriegen würde.

    Ob man bei einem Beatles- oder einem Abba-Song, wo die Opis und Omis noch leben, so ähnlich argumentieren will, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Bei meinem moralischen Empfinden bleibt das jedenfalls mehr oder weniger unter dem Radar; Politiker-schmierende Industrielobbyisten und Abmahn-Abzocker gehören meines Erachtens weit länger in den Knast als „Raubkopierer“. Und da fängt es nur an.

      1. +1

        Schöner Einstieg in etwas, was ein langer, lesenswerter Rant werden könnte. Die Sicherheit des Halses geht aber selbstverständlich vor.

  6. Wie zur Hölle kommt der Autor auf eine konkrete Zahl von 60 Alben „mehr“, wenn er mehrfach in seiner Studie anmerkt, dass er nur die Zahl der Downloads seiner geschlossenen BitTorrent Gruppe kennt, die er in Relation zu den Verkäufen setzen kann, weshalb er beschliesst, ich zitiere,

    „I discuss the main result in a context that is unit free“.

    Er selber bemerkt, dass angenommen, seine geschlossene Gruppe würde ALLE freien Downloads umfassen, die innerhalb einem Zeitraum x erfolgen, auf einen zusätzlichen freien Download 2,6 zusätzlich gekaufte kommen (hier gehts schon los – er beobachtet das BitTorrent Netzwerk nur 4 Wochen, die Verkäufe aber über 6 Wochen – warum?).

    Dann sagt er, es könnte aber auch sein, dass der eine zusätzliche Download in dem von ihm beobachteten Torrent tatsächlich auch um einen Faktor 10 (oder 100 oder 1000?) in der realen Bevölkerung höher sein könnte, denn es handelt sich um einen kleinen Torrent. (Anders gewendet: für 2,6 verkaufte Alben wird eines gefileshart, oder für 0,26 verkaufte Alben wird eines gefilesharet, oder für 0,026 verkaufte Alben wird eines gefilesharet)

    Damit schnurrt die oben getroffene Aussage um jeweils eine Kommastelle zusammen: 0,26 mehr verkaufte Alben bei 10 mal so vielen DL in der Gesamtbevölkerung, 0,026 mehr verkaufte Alben bei 100 mal so vielen DL in der Gesamtbevölkerung etcpp

    Nachdem er also festgestellt hat, dass er in keiner Weise feststellen kann, wieviele Downloads tatsächlich im gegebenen Zeitraum stattfinden, stellt er dieses (nicht-) Ergebnis „in context“ mit den Verkäufen. Vorsicht: jetzt holt er die Wunderwaffe der „Annahme“ und der „Vorhersage“ heraus.

    Der „context“ besteht nämlich aus ganz vielen Sätzen, in denen er jeweils etwas annimmt („I consider“), das er mit seiner Datenerhebung nicht belegen kann.

    Nach 3maligem „vorhersagen“ („predict“), sagt er als Resultat der Vorhersagen vorher, dass ein Album, das einen Monat vor VÖ geleakt wurde 59,6 zusätzliche Verkäufe generiert. Ehrlich gesagt, bei Vorhersagen verlasse ich mich lieber auf die Wettervorhersage als auf diese Herleitung.

    Und wer bis hierhin gelesen hat, kann mir vielleicht auch die Preisfrage beantworten:

    „an album that became available in file-sharing networks one month earlier would sell 60 additional units.“

    also 60 Verkäufe mehr. MEHR ALS WAS?

    Eminem (geleakt) verkauft mehr als Tom Petty (ungeleakt)? Na sowas!

    Die Studie sagt nichts darüber aus, dass Files, die geshared wurden zu Verkäufen führen, sondern sie sagt aus, dass Musik, die vor Veröffentlichung geleakt wurde, sowohl mehr geshared wird als auch mehr verkauft als andere im Faktor 0,26 oder 0,026 oder 0,0026. Das ist nicht ganz klar….

    Mit dem Inhalt der Musik hat das natürlich nichts zu tun: „The factors that explain seeding behaviour are a function of features of the filesharing network to a much greater extent than they are a function of the artist or the album itself.“ Aber der Seeder entscheidet doch, WELCHES Album er seedet und kann mir keiner erzählen, dass das nichts mit dem Inhalt des Albums zu tun hat (vielleicht neben dem Triumph, ein Album vor VÖ geleakt zu haben)

    Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Dann bitte um Aufklärung.

    Im Übrigen fehlt im Anhang die Datengrundlage, auf der der Autor zu seinen Schlussfolgerungen kommt, was die Überprüfung der Korrelationen, die er vornimmt für einen Dritten unmöglich macht.

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