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Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland: Wo in Deutschland rechtsextreme Parteien gewählt werden

Fast jeder zehnte Deutsche hat ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild, jeder vierte ist ausländerfeindlich. Das geht aus einer Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung hervor. Zeit Online hat jetzt eine Karte erstellt, wo in Deutschland rechtsextrem gewählt wird.

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Am Montag veröffentlichte die Friedrich-Ebert-Stiftung die Studie Die Mitte im Umbruch – Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2012. Die Ergebnisse sind schockierend – und schließen sich dennoch nahtlos an andere Erhebungen an.

Zeit Online hat jetzt visualisiert, wo in Deutschland zur Bundestagswahl 2009 rechtsextreme Parteien gewählt wurden:

(Einbindung des iframes mit freundlicher Genehmigung, vielen Dank!)

Und so wurde es gemacht:

Realisiert wurde diese Karte mit karthograph.js, eine von Gregor Aisch entwickelte JavaScript Bibliothek. Sie ermöglicht es, interaktive Karten unabhängig von Google-Maps oder anderen – meist mit Details überladenen – Kartenlösungen zu realisieren. Basierend auf den beiden JavaScript-Frameworks jQuery und Raphaël werden SVG-Files (vektorbasierende Grafiken) eingelesen und gerendert. Die Lösung läuft komplett Client-basiert, jedoch werden die Karten initial von einem Python-Script generiert (im vorliegenden Beispiel ist das Shapefile der Wahlkreise des Bundeswahlleiters die Kartengrundlage). Anschließend lassen sich die Karten direkt in die eigene Seite einbauen und mit CSS stylen.

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21 Kommentare
  1. Die Erhabung ist etwas fehlerhaft, da nur die traditionelleren Parteien berücksichtigt wurden. Neuere Gruppen wie Die Freiheit oder PRO Deutschland wueden aber nicht berücksichtigt. Pro NRW ist in NRW z.B. stärker als die traditionellen Gruppen und kommt in einigen Regionen deutlich über 5%.

  2. Ich bin nicht überrascht. Stammwählerschaft im ärmeren, strukturell benachteiligten Teil Deutschlands – im Osten – und im christlich-erzkonservativen Süden. Rumdoktorn sollte man nicht am Symptom – dem rechten Weltbild – sondern an den Ursachen : Der Armut, der strukturellen Benachteiligung, und dem christlich konservativen Milieu.

  3. Wenn diese Karte auf dem Shapefile des Bundeswahlleiters basiert, müsstet ihr dann nicht auch den Copyright-Vermerk wie auf der Seite der Wahlleitung angegeben unter der Karte stehen haben? Das gleiche gilt für Zeit Online.

  4. absolute zahlen wären in der hinsicht representativer. 5% in ostdeutschland sind ungleich 5% in westdeutschen regionen. des weiteren werden selbst in strukturstarken regionen westdeutschlands 3-4% rechtsextreme gewählt…

    sollte man mit anderen parteien/strömungen auch mal machen…

  5. oh toll, mit „golda meir“ und „BenW“ haben sicht jetzt zwei rechte Trolle in die Futterschlange gestellt. Hier: Euer Fisch, frisch aus Peenemünde. Mjammi. Der Futtertrog im Spiegel-Online-Forum ist grade geschlossen?!

    Das spannende an der FES-Studie (neben der unausgegorenen Repräsentativität) war doch, dass es eben keine rechten/faschistischen Parteipräferenzen braucht, um trotzdem die selben Denkmotive zu haben.
    Obige Karte von ZEITonline ist also im Zusammenhang mit der FES-Studie irrelevant. Höchstens zeigt sie, wo weniger Leute sich einbilden „demokratisch“ / „christlich“ / „sozial“ / „liberal“ zu sein und dann ein entsprechendes Wahlverhalten an den Tag legen…

    Progressive Gewerkschafter wissen schon längst, dass z.B. unter ihren Mitgliedern die Anzahl der rechtsoffenen Denkweisen höher ist, als im Gesellschaftsdurchschnitt. Und langfristige Studien wie der Thüringenmonitor (http://thueringen.de/imperia/md/content/homepage/politisch/thueringenmonitor-2011-gesamtdokument-final3.pdf) zeigen ebenfalls, dass SPCDUFDPLinksGrüne-Wähler teilweise rechts denken, aber eben nicht wählen.

  6. Die FES-Studie fand ich nicht so pralle. Vor allem welche Fragen gestellt werden, da findet man was man sucht. Und dann noch auf einer 1-5 Skala. Robesspierres Ahnen würden mit solchen Wissenschaftsmethoden gewiss Hexen finden und allerlei satanische Praktiken in der Bevölkerung nachweisen. Aus dem statischen Rauschen ergeben sich da neue Erkenntniss und immer wieder Bedrohunglagen, vor denen wir zittern und schlottern sollen.

    Ich habe kein Problem damit, dass 5% rechts und 5% links aussen wählen, das muss eine Demokratie aushalten können. Die Kleinparteien kommen ja eh immer nur kurz in die Parlamente, werden ignoriert und zerlegen sich dann selbst, weil man mit solchen Leuten eben keinen Staat machen kann. Nicht mal mit den Piraten und das sind viel mehr Leute als die Rechtsparteien.

    Kreolisierung finde ich prima. Es ist das Gegenteil von dieser Idee der „Reinheit“ und des „Ausmerzens“, und dazu zähle ich auch eine demokratische Hygiene.

    1. Ein Blick in die Wikipedia verrät:

      Definition: „geschlossenes rechtsextremes Weltbild“

      Die Sinus-Studie hat sechs Komponenten betrachtet, die zusammengenommen ein rechtsextremes Einstellungsmuster ergäben:

      • Autoritarismus, d.h. die Bereitschaft, sich freiwillig einem Stärkeren zu unterwerfen
      • Nationalismus, d.h. die Überbetonung der eigenen Nation und die Abwertung anderer
      • Fremdenfeindlichkeit, d.h. die Abwertung, Benachteiligung, Ausgrenzung anderer Ethnien
      • Wohlstandschauvinismus, d.h. die Diskriminierung von Menschen anderer Herkunft aus sozioökonomischen Motiven
      • Antisemitismus, d.h. Feindseligkeit gegenüber Juden
      • Pronazismus, d.h. Verharmlosung oder Rechtfertigung des Nationalsozialismus

      Die Autoren der FES nehmen diese einzelnen rechtsextremen Einstellungen (S. 67):

      • Befürwortung Diktatur
      • Chauvinismus
      • Ausländerfeindlichkeit
      • Antisemitismus
      • Sozialdarwinismus
      • Verharmlosung des NS
    2. geschlossenes Weltbild: „Es gibt nur meine eine Wahrheit.“
      offenes Weltbild: „Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.“

      Ganz kurz und ganz grob erklärt.

  7. Ausgerechnet dort, wo sich gefühlt die wenigsten Ausländer aufhalten, ist der Rechtsradikalismus am stärksten. Einen besseren Beweis für die Verklärtheit der Rechten wird man heute nicht mehr finden. :)

    Man darf allerdings nicht auch die andere extremistische Gefahr für die Demokratie übersehen.

    Die Ausländerfeindlichkeit (Gastarbeiter nur kurz und heimlich geduldet), Nationalismus (DDR kann alles; Westen doof und böse) und der Autoritätsglaube (die Partei hat immer Recht) haben die Menschen in den neuen Bundesländern seinerzeit von der SED eingetrichtert bekommen, heute entwickelt das eine Eigendynamik (Hass auf Sozialismus gepaart mit den damals vermittelten Werten) und folglich solche kuriosen Reaktionen. Wahrscheinlich deshalb ist alles über einem Ausländer auf 100 Einwohnern für Neonazis im Osten schon „überfremdet“. ;)

    1. So pauschal lässt sich das nicht sagen, auch in einigen Wahlkreisen im Westen, wo der Ausländeranteil hoch ist, wird NPD überproportional häufig gewählt (s. Ruhrgebiet, Neukölln etc).

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