Wissen

Heute im Angebot: Sozialistischer Wertehorizont

Etwas verwundert habe ich mir heute die Augen gerieben, als ich bei Cicero.de ein Interview mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Tauber gelesen habe, wo er meine Positionen zum Urheberrecht kommentierte:

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Sind Sachverständige wie Markus Beckedahl, obwohl Grünenmitglied, nicht vor allem Technokraten?

Herr Beckedahl und andere haben einen anderen Zugang zum Thema. Er meint beispielsweise, dass Kultur – also die Ergebnisse eines künstlerischen Schaffensprozesses – der Allgemeinheit gehört, nicht mehr dem Künstler, dem Urheber oder demjenigen, dem der Künstler die Rechte an der Verwertung abgetreten hat. In Sachen Urheberrecht haben er und seine Mitstreiter einen eher sozialistischen Wertehorizont. Die Frage ist doch: Negieren wir das geistige Eigentum als Grundbegriff, ist es erledigt und obsolet? Oder hat es eine Berechtigung, dass Menschen die etwas schöpfen oder schaffen auch die Deutungshoheit darüber haben, wie mit ihren Erzeugnissen umgegangen wird. Ich würde die letzte Frage mit ja beantworten, auch wenn ich glaube, dass das Urheberrecht dringend überarbeitet gehört.

Nun frage ich mich natürlich, wo ich denen verkündet haben soll, dass Kultur der Allgemeinheit gehöre? Sicherlich gibt es die einen, die das Urheberrecht vor allem unter dem Aspekt Privatisierung von Wissen diskutieren, während ich den Aspekt Zugang zu Wissen spannender finde. Aber deswegen gleich die Sozialismus-Keule rausholen?

Ich setze mich klar für die Weiterentwicklung des veralteten Urheberrechts in Richtung eines Kreativnutzerrechts ein. Fast jeder ist heutzutage ein Urheber im Sinne des Gesetzes, auch oft kleiner Werke wie die Alltagsfotoschnappschüsse vom Mobiltelefon, die er selbst vielleicht gar nicht urheberrechtlich geschützt wissen will, aber das System ist nicht dafür gemacht. Und zugleich darf man nicht vergessen, dass es nur einen Zustand gibt, in dem ich als Urheber von etwas die uneingeschränkte Verfügungsgewalt darüber habe: wenn ich es für mich behalte. Die Veröffentlichung ist der Wunsch nach Öffentlichkeit. Verbunden sind damit daher beispielsweise Forderungen auf ein Recht auf Remix, diese Position dürfte im Übrigen auch nicht so weit von den Fair-Use-Regeln entfernt sein, die Tauber mit der Unions-Initiative faires-urheberrecht.de fordert.

Wie man davon auf einen sozialistischen Wertehorizont kommt, ist mir zwar schleiferhaft, aber als Historiker wird Peter Tauber sicherlich irgendwo einen entsprechenden Bezugspunkt ausfindig machen können – ich werde ihn fragen.

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43 Kommentare
  1. Cicero?
    In etwa so interessant wie eine CDU-interne Postille oder die Junge Welt oder ein vergleichbar „neutrales“ Blatt…

    Ich denke auch, dass das einzige relevante an der ganzen Sache ist, dass Peter Tauber kontaktiert werden möchte.

  2. Ist ja nichts neues, wenn’s nicht der Linie der CDU entspricht, muss es kommunistisch sein. Geht gut einher mit Frau Merkels Washington-treue und die Nähe der Konservativen Parteien hier zu den Teaparties dort.

    „Die Frage ist doch: Negieren wir das geistige Eigentum als Grundbegriff, ist es erledigt und obsolet? Oder hat es eine Berechtigung, dass Menschen die etwas schöpfen oder schaffen auch die Deutungshoheit darüber haben, wie mit ihren Erzeugnissen umgegangen wird. Ich würde die letzte Frage mit ja beantworten,“

    Die Deutungshoheit verliert man bei Veröffentlichung. Das liegt in der Natur der Sache. Deutungshoheit ist ein Bedeutungsloses Wort, denn es hiesse, dass der Urheber allein entscheiden und steuern können müsste (und vorallem dürfen müsste!) was exakt der „Betrachter seines Werkes (oder Höhrer, etc)“ denkt und empfindet, wenn er Zugang zu dem „Werk“ erhält.
    Wenn er das aber könnte, dann würde er sein Werk jeden so sehen lassen wie er es gerade sieht. Damit würde der Schaffensprozess ausgehebelt und das ganze System redundant.

    Wenn es „Deutungshoheit“ geben würde, hätte Lise Meitner die Atombombe verhindert.
    In diesem Sinne:
    http://www.youtube.com/watch?v=2ckRHhxkfss

    1. Ein wirkliches nettes Lied, aber vielleicht sollte man sich in diesem Zusammenhang rechtzeitig überlegen, was – im Falle einer Behinderung – die vielgrühmte Technologie des Steuerns eines Computers über Augenbewegung oder gar Hirnströme bedeuten kann…

      1. Dort besitzt der Computer tatsächlich eine Art Deutungshoheit, allerdings sind wir uns glaub ich einig, dass dies ein völlig anderer Kontext ist.
        Wenn der Computer meine Hirnströme deutet, so wird er zum Instrument.
        Wenn ein Künstler das Werk eines anderen betrachtet, so wird er erst dann zum Instrument, wenn er selbst aufgrund der aus dem Werk gewonnenen Erkenntnis schaffend tätig wird.

        In letzterem Falle wird wie schon gesagt, der Schaffensprozess ausgehebelt, sofern man Deutungshoheit verlangt.

        Jetzt stellt sich wieder die allgemeine Frage über den Schaffensprozess an sich, und was ist Kunst und was zählt man nicht zu Kunst.
        Hier wird es natürlich leicht für ACTA-Befürworter plagiats-ähnliche Neu-interpretationen (was natürlich nicht auf Filesharing, etc zutrifft) als „Raubkopie abzustempeln“.

        Dadurch wird das ganze zum Teufelskreis.

  3. Als wenn die sogenannten christlichen Politiker ein richtiges Zeugnis wider ihren Nächsten abgeben würden.
    Nee, die machen das, was deren Hauptverein seit Jahrhunderten macht – Angst schüren um damit Macht auszuüben. Da werden auch immer wieder gerne die „Schreckgespenster“ (oder Feindbilder) der Vergangenheit exhumiert. Mal abgesehen davon, dass es mir nicht bekannt ist, dass der Sozialismus jemals real existiert hätte, außer auf dem Papier… Aber ich bin auch nicht scharf drauf – genauso wenig, wie auf den Kapitalismus, der auch nur ein Unheilsbringer ist.
    Die Konservativen – also die Bewahrer – wollen Wege in die Zukunft aufzeigen… ist das nicht ein Widerspruch?

      1. Naja, dass wir „in die Zukunft gehen“, erledigt sich ja irgenwie von selbst. Aber über den zu beschreitenden Weg kann man sich im Vorfeld Gedanken machen und eine Richtung aufzeigen.
        Jedenfalls denke ich, dass ein konservativer (bewahrender) Mensch eher die Vergangenheit und den Status Quo im Blick hat, als ein progressiver (voranschreitender) Mensch, der die Veränderung akzeptiert und versucht mit ihr umzugehen. Deshalb ist meiner Meinung nach bei Zukunftsthemen von den Konservativen eher nix Konstrukitves zu erwarten… Daher kommen auch wohl die ständigen Stabilisierungsversuche.
        Aber ich bin mit Dir einer Meinung: Know your enemy. Immer informiert bleiben. ;-)

  4. Das Wort enemy habe ich bewusst nicht benutzt. Ich habe ja nichts gegen anders denkende Menschen. Leider ist es aber so, dass Konservative vieles sehr naiv betrachten. Aus A folgt B, der rational denkende Mensch wird im Kapitalismus leider nunmal dazu gezwungen, dass man sobald B „profit“ beinhaltet, aufhört zu denken.
    Selbst wenn C folgt und den „weltuntergang“ enthält. Das soll keineswegs als totschlag Argument gegen den Kapitalismus gerichtet sein, nur es wird immer so getan, als wäre dieses System fehlerfrei und jegliche Kritik wird sofort mit Vogelfreiheit in den Medien bestraft.
    Ich wollte nur aufzeigen, dass man darauf achten muss wie etwas formuliert wird. Diese Leute machen sich ja auch Gedanken über das, was sie sagen.

    1. Deswegen habe ich „enemy“ auch kursiv gesetzt. ;-)
      Wahrscheinlich wäre „oponent“ oder so besser, aber auf jeden Fall weniger martialisch. :-)
      Bei mir darf auch jeder denken, glauben und meinen, was er/sie/es will. :-P

  5. Moin Markus, Lesende,

    einem Sozialismus-Vorwurf würde ich heute (zur Zeit) mit dem Grundgesetz begegnen. Artikel 14 Eigentum .. sein Gebrauch soll zu gleichen Teilen dem Wohle der Allgemeinheit dienen ..]

    Mir scheint, dass die Grundgesetz-Autor’innen weniger Vorurteile über Sozialismus, Kapitalismus .. und andere Begrifflichkeiten hatten, als ‚wir‘ heute. Vielleicht verständlich, wenn ‚man‘ bedenkt, wieviel rechts/links kapitalismus,sozialismus,kommunismus oben/unten in den ersten 50 Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschah. Die Vorzüge der Anarchie hingegen – scheinen mir zwischen Rechts und Links, oben und unten, fast verloren gegangen zu sein :-)

    ahoi
    maxen

  6. Wie? Kultur gehört nicht der Allgemeinheit??

    Da sagt das Bundesverfassungsgericht aber etwas anderes dazu:

    [QUOTE]
    Vom Zeitpunkt seiner Publikation an entwickelt jedes Druckwerk ein Eigenleben. Es bleibt nicht nur vermögenswertes Ergebnis verlegerischer Bemühungen, sondern wirkt in das Gesellschaftsleben hinein. Damit wird es zu einem eigenständigen, das kulturelle und geistige Geschehen seiner Zeit mitbestimmenden Faktor.

    Es ist, losgelöst von privatrechtlicher Verfügbarkeit, geistiges und kulturelles Allgemeingut.
    [/QUOTE]

    (BVerfGE 58, 137 (148 f.)).

  7. Ich find die Stelle aus dem Interview mit Tauber bemerkenswert ironisch, auch wenn Tauber das wahrscheinlich selber gar nicht aufgefallen ist:

    „In den im Netz geführten Diskursen gibt es momentan eine linke Hegemonie des Freiheitsbegriffs, der aus meiner Sicht eher einer absoluten Beliebigkeit das Wort redet.“

    Gerade „Freiheit“ ist doch einer von den NeoCons aller Parteien (vor allem außerhalb des Internets) besonders gerne umgedeuteten, bzw. meist mißbrauchtesten Begriffen überhaupt. Die „Freiheit“ unter der Brücke zu schlafen, wird da etwa gerne, hinter natürlich wesentlich netter klingenden Worten verkleidet, beschworen. Herr Tauber findet diese offensichtlich rechte Hegemonie aber scheinbar weder problematisch noch erwähnenswert. Aus Unions-Perspektive aber natürlich verständlich: Alles Übel der Welt kommt bekanntermaßen von „links“.

  8. @ Markus Beckedahl

    bitte schicke dem CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Tauber eine kleine Abmahnung als Klopfer auf die Finger ;-)
    des möglichen Tatbestands der „Verleumdung“ – § 187 StGB

    „Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

    Er soll eine Richtigstellung abgeben! ;-)

      1. Eine Abmahnung wäre die Kanone für einen Spatz.
        Aber „dort drüben“ lesen eben „andere“ Leute, als hier. Und diese „anderen“ verfügen dann nur über eine falsche Information und nehmen das dann für bahre Münze.
        Wenn bei „Cicero.de“ Journalisten arbeiten, dann wollen die bestimmt auch was über/von die/der andere/n Seite erfahren. ;-)

      2. Ja, dennoch sehe ich anhand der folgenden Aussage mit der Verbreitung seiner „unwahre Tatsachen-behauptung“ z.B. deinen Sachverständigen-Status in der Öffentlichkeit bzw. öffentlichen Meinung diskreditiert….

        „Er meint beispielsweise, dass Kultur (…) der Allgemeinheit gehört, nicht mehr dem Künstler, dem Urheber oder demjenigen, dem der Künstler die Rechte an der Verwertung abgetreten hat.“

        man kann das als einfache Unwissenheit und Lüge natürlich abtun und eine Gegendarstellung veröffentlichen. Diese wird er aber wohl nicht einmal bemerken, um seinen Fehler einzusehen und weiter so einen Schrott erzählen. Und die Seite/Zeitschrift auf der das Interview veröffentlicht wird, wird es wohl auch nicht einsehen.
        Ich halte sehr viel von dir, du machst eine tolle Arbeit mit netzpolitik.org und digitale gesellschaft. deshalb wollte ich ja auch nur meinen kommentar dazu abgeben :-)

        @mC
        Kanonen für einen Spatz sind eher 4 Jahre haft für einen Programmierer, der weder Links gesammelt, noch Filme hochgeladen hat. Verknackt man nun auch Messerhersteller, weil Menschen damit morden? BMW weil mit ihren Autos Menschen überfahren werden?
        eine Anzeige wäre eine Kanone….eine Abmahnung wäre ein erhobener Finger.

      3. @Stefan: Was Du hier vorschlägst, erscheint mir als der Versuch, auf einen Unsinn (von Tauber) einen noch größeren draufzusetzen. Im Tauberschen Begriffsraster ist ein „Kreativnutzerrecht“ wahrscheinlich eine sozialistische Entgleisung; und so könnte er das gemeint haben. Eine Tatsachenbehaupung im strafrechtlichen Sinn dürfte hier jedenfalls kaum vorliegen, und das ist auch gut so. Nach Deinen Anzeige- und Abmahnvorstellungen müßte man für jede nicht völlig windelweiche öffentliche Äußerung mit schmerzhaften Folgen rechnen. Du wünschest hier faktisch das Ende jeder freien Meinungsäußerung, die eben auch einschließt, daß das Geäußerte für unsinnig, abstrus oder schlichtweg falsch gehalten werden kann oder dies sogar ist. Aber natürlich ist das nicht Dein tatsächliches Bestreben, jedenfalls aus Deiner Sicht – kriege ich jetzt eine Anzeige und Abmahnung? Vielleicht in Kooperation mit Herrn Tauber, dessen Kundgabe ich eingangs als Unsinn („das geistige Eigentum als Grundbegriff“ und die „Deutungshoheit“, herrje) bezeichnet habe?

      4. wie er es gemeint hat, bleibt jedem frei zur interpretation.

        „Eine Tatsachenbehaupung im strafrechtlichen Sinn dürfte hier jedenfalls kaum vorliegen, und das ist auch gut so.“
        dann lies den 1zeiler auf den ich aufmerksam machen wollte…

        „Nach Deinen Anzeige- und Abmahnvorstellungen müßte man für jede nicht völlig windelweiche öffentliche Äußerung mit schmerzhaften Folgen rechnen.
        >Du wünschest so wie es Markus Beckendahl von sich aus bzgl. des Interviews auf netzpolitik gemacht hat.
        Meinungen sind Meinungen, Personen durch Lügen versuchen zu diskreditieren, hat aber eine gewisse strafrechtliche Relevanz…
        durch dein trollen hast du nicht einen gedanken hervorgebracht der nachvollziehbar wäre für eine argumentative Auseinandersetzung mit meinen Texten.

  9. Wenn jemand die absolute Kontrolle darüber haben will, wer wann wie und wo seine geistige Schöpfung zur Kenntnis nimmt, dann sollte er die geistige Schöpfung am besten für sich behalten. Nur so ist garantiert, dass niemand unbefugtes sich der „geistigen Schöpfung“ bedient. Wer aber seine geistigen Schöpfungen der Öffentlichkeit preis gibt, willigt – konkludent – in die Verbreitung ein. So würde das ein Jurist ausdrücken. Man kann Wissen und Informationen im digitalen Zeitalter einfach nicht mehr einsperren und verschließen wie eine Geldmünze. Es geht einfach nicht! Schon rein physikalisch nicht. Wenn ein Großteil der Politiker diese simple Tatsache mal begreifen würde, wären wir schon viele Schritte weiter. Das einzige was bei geistigen Schöpfungen möglich und realistisch (!) ist, im Internetzeitalter, ist die Zurechnung bestimmter Rechte an den Werken. So z.B. die kommerzielle Verwertung. Alles andere ist nichts weiter als der untaugliche Versuch bestimmte Privilegien einer überalterten Rechtsvorstellung weiter am Leben zu erhalten.

    Außerehelicher Sex war früher auch verpönt und verboten. Die Macht des Faktischen hat dieses Verbot irgendwann obsolet werden lassen. Ähnlich dürfte es sich mit dem „Verbotenen Kopieren“ verhalten….

  10. Die Sozialisten-Beschimpfung durch CDU-Angehörige ist leider ein festes Ritual im NRW-Wahlkampf. War schon immer so. Statt Sachthemen mit brauchbaren Lösungen anzugehen, kommt halt immer wieder irgendeine Form von Rote-Socken-Kampagne. Wie unkreativ!

  11. Der Sozialismus-Vorwurf kommt ja immer wieder, darum versuche ich hier mal eine Entgegnung hinzukriegen:

    Der Sozialismus-Vorwurf entspringt offenbar einer idiologisierten Weltsicht. Das ist auch nicht verwunderlich, denn mit der Verteidigung von Informationsmonopolen zeigt sich X klar als Anhänger einer ebenso verstaubten Ideologie: dem Kapitalismus, der auf die Etablierung von Monopolen baut. Aber Sozialismus ist dennoch dermaßen daneben gegriffen … Staatskapitalismus? Planwirtschaft? Menschenverachtende Bürokratie? Also das klingt doch eher nach der GEMA als nach der von uns geforderten Freiheit. Es geht nicht um irgendwelche offenbar gottgegebenen Rechte anderen die Verbreitung oder Weiterentwicklung von etwas zu Verbieten. Auch für solche dogmatischen Überzeugungen braucht es ein gerüttelt Maß an Ideologie, diesmal in Form eines Cs vor dem Parteinamen. Nein, die Überzeugung, dass Information frei sein sollte, ist ziemlich unideologisch. Es ist die Überzeugung, dass statt kapitalistoider Monopole und sozialistoider GEMA-Bürokratie tatsächlich der freie Markt über Entwicklung, Verwertung und Verbreitung von Information entscheiden sollte. Es ist die Überzeugung, dass es volkswirtschaftlicher Unsinn ist, die Fenster der Informationswirtschaft mit Brettern zu vernageln und alle ihre Wege mit Schranken vollzustellen um das volatilste Gut festzuhalten zu versuchen, das wir kennen – Information. Es ist die Überzeugung, dass es unangemessen ist, für die Sicherung überkommener Geschäftsmodelle ein viertel des Internet-Datenaufkommens zu kriminalisieren, praktisch die komplette Jugend zu kriminalisieren, einen Großteil der aktiven Netznutzer zu kriminalisieren. Dafür braucht es schon ein bemerkenswertes Maß ideologischer Verblendung: für die Kriminalisierung breiter Bevölkerungsschichten.

  12. Bei „Sozialismus“ denke ich immer an Mauer und Stacheldraht, und Männer mit komischen Hüten. Vielleicht was Generationenmässiges.

    Negieren wir das geistige Eigentum als Grundbegriff, ist es erledigt und obsolet?

    Wer einen solchen Begriff nutzt, sollte sich an einen Juristen wenden, der ihm das mal seriös erklärt.

  13. „Sozialist“? Wie niedlich – wer haette gedacht, dass so ein Begriff immer noch als Beschimpfung herhalten soll?

    Ich bin dafuer, dass wir Herrn Tauber als „kaisertreu“ bezeichnene. Das Kaiserreich ist zwar ebenso vorbei wie der kalte Krieg und wie auch die versuchte Beschimpfung as „Sozlialist“ ist „kaisertreu“ im Falle Herrn Tauber faktisch richtig, aber ich mag den Klang des Wortes.

    1. … da fehlt ein „nicht“

      Ich bin dafuer, dass wir Herrn Tauber als “kaisertreu” bezeichnen. Das Kaiserreich ist zwar ebenso vorbei wie der kalte Krieg und wie auch die versuchte Beschimpfung as “Sozlialist” ist “kaisertreu” im Falle Herrn Tauber faktisch nicht richtig, aber ich mag den Klang des Wortes.

  14. Deutscher ‚Kohlekumpel‘ 1986:

    „Interessiert mich einen Dreck, ob Steinkohle als Energieträger völlig überholt ist, die Umwelt verschmutzt oder in Deutschland die Förderung viel zu teuer geworden ist. Ich und eine Kohlekumpels bei der Gewerkschaft, wir werden uns dafür einsetzen, dass hier saftige Subventionen flleßen. Wir haben schließlich ein Recht auf unser Einkommen!“

    Deutscher ‚Künstler‘ 2012:

    „Interessiert mich einen Dreck, ob das alte Urheberrecht in digitalen Zeitalter völlig überholt ist, Kreativität und kulturellen Austausch lähmt, Überwachung befördert und eine neue Technik künstlich verkrüppelt. Ich und meine Geschäftsfreunde in der Politik und Wirtschaft, wir werden uns dafür einsetzen, dass es saftige Strafen, lückenlose Kontrolle und rückwärtsgewandte Gesetze hagelt, und auf dem Einfrieren des Gestern bestehen. Wir haben schließlich ein Recht auf unser Einkommen!“

  15. Und wem „gehören“ eigentlich die staatlichen Museen, Sammlungen, Schlösser und Parks, die öffentlich-rechtlichen Medien, und das Kulturerbe der letzten 6000 – 50000 Jahre? Nur mal so.

  16. Das ist doch absolut (CDU)-logisch:
    1. „Ich mag nicht, was Beckedahl sagt (oder ich verstanden habe)“
    2. „Ich mag den Sozialismus nicht (oder was ich darunter verstehe)“
    -> Beckedahl muss ein Sozialist sein
    q.e.d.

  17. Das sind Kampfbegriffe des vergangenen Jahrhunderts wie auch der
    weitgehend der „Wertehorizont von Cicero.de“.
    Wir stehen im 21.Jh längst vor anderen Herrausforderungen, die Technikentwicklung wird die Arbeitswelt und damit auch Politik und Gesellschaft entscheident Verändern und somit auch bisherige Einteilungen wie Sozialismus, Kapitalismus, Marktwirschaft ect.
    Die Frage ist dabei wie die lange Menschliche Arbeitskraft noch benötigt werden wird und somit alle bisherigen Gesellschaftsmodelle die lediglich auf verschiedene Formen der bezahlten Lohnarbeit basieren?
    Was bisher nur Utopie oder Science-Fiction war , wird sicher in diesen Jh Wirklichkeit werden , in 20-50 Jahren könnten inteligente Maschinen und Netze weitgehend die bisherige Produktion von Gütern aller Art übernehmen, der Mensch als Lohnarbeiter würde nicht mehr benötigt werden, sondern könnte völlig andere Betätigungen oder Lebensweisen in Angriff nehmen.
    Das Internet ist schon einmal ein leichter „Vorgeschmack“ von diesen Veränderungen und wirkt heute schon wie ein gesellschaftlicher „Brandbeschleuniger“ für die anstehenden Veränderungen. Ein großteil des Wertehorizont der Menschheit wird sich Ändern müssen will sie Überleben.
    Leider verstehen das bis Heute kaum ein Politiker oder Wissenschaftler und Versuchen weiterhin überholte Konzepte in das neue Jh zu Transformieren wohl mit dem gleichen Erfolg wie zu Beginn des 20 Jh.

    1. Geht einher mit der Tatsache, dass wir immer weiter auf einen 3. Weltkrieg zu rodeln.
      Die Frage ist nur, ob die „Neuordnung danach“ zufriedenstellender sein wird, oder ob sie ähnlich (wenn nicht schlimmer) ausfällt.

      1. Ich denke ich weiß genau, was er meint.
        Es wird wohl keinen 3.Weltkrieg geben, das war wohl damit auch nicht gemeint, aber die Contentmafia, stellvertretend für alle Großkonzerne, werden sich ihrer Machtinstrumente sicherlich nicht ohne Kampf nehmen lassen und wie der dann aussehen wird, kann sich wohl keiner im Augenblick vorstellen.
        Wie schon erwähnt, halte ich den Kampf für/gegen ACTA, stellvertretend
        Für den nachvollgendem Streit um die wirklich wichtigen Dinge wie Ressourcen, Wasser und vor allem auch der Menschenrechte und Freiheit des einzelnen Individuums…

      2. 3.Weltkrieg, Verschwörung, Großkonzerne………
        Waren hier nicht gemeint , sondern nur die Phantasie , wenn die Computertechnik sich so weiter Entwickelt wie in den letzten 30 Jahren.
        Es gehört wohl für einen IT Technik versierten nicht allzuviel Vorstellungskraft dazu das irgentwann eine Art künstlicher Mensch oder Maschine aus der Computertechnik Entwicklung erschaffen wird , der günstiger in der Unterhaltung ist als heutige Angestellte und das gleiche Leisten kann … die große Frage ist aber „Was dann??“
        Wäre dann nicht das jetzige Wirtschaftssystem im Prinzip zu Ende?
        Bisher haben sich nur ScFi Schriftsteller des Tema angenommen und noch keine Ernsthaften Politiker oder Wissenschaftler , nur die Zeit drängt eigentlich , das Internet ist nur eine Art Vorbote wie es schon heute Werte und Märkte rasant Verändert.

      3. Das ist keine Verschwörung sondern bittere Realität.
        So ähnlich wie bei „I Robot“ wird es wohl kommen, das System ist nur auch jetzt schon am Ende.
        Schon in wenigen Jahren werden die Menschen in vielen Bereichen durch besser funktionierende Roboter und Maschinen ersetzt werden.
        Wir können schon jetzt den allergrößten Teil unserer Gebrauchsgüter in fast unbegrenzter Beliebigkeit herstellen…

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