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Empörte Urheber: das Positionspapier der Initiative Urheberrecht

Morgen präsentiert mal wieder ein neues Pro-Urheberrechtsbündnis seine Positionen, die bekannt sind: „Keine Experimente“ oder in unserer Sprache „Never change a running system“. An der Pressekonferenz in der Bundespressekonferenz können wir leider nicht teilnehmen und Fragen stellen, weil in der Einladung steht, dass nur Mitglieder der Bundespressekonferenz teilnehmen dürfen. So spart man sich sicher auch kritische Fragen. Ilja Braun hat im Digitale Linke-Blog das Positionspapier kommentiert: Empörte Urheber: das Positionspapier der Initiative Urheberrecht.


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Dem digitalen Wandel und seinen gesellschaftlichen Folgen gegenüber nehmen die Urheberverbände eine völlig ungebrochene Abwehrhaltung ein. Das Urheberrecht reformieren? Geht nicht, Schutz des Eigentums, Schutz der Persönlichkeitsrechte. Remix, Mash-up? Nix da. Fair use? Bloß nicht. Rechtsdurchsetzung? Muss sein, wenigstens mit Warnhinweisen. Und überhaupt: Es geht nicht, dass jetzt plötzlich die Nutzer im Mittelpunkt stehen sollen. Es heißt schließlich Urheberrecht. Punkt, fertig. Oder im O-Ton: „Die Initiative Urheberrecht spricht sich mit Nachdruck gegen Vorschläge aus, die das Selbstbestimmungsrecht von Urhebern und ausübenden Künstlern grundsätzlich in Frage stellen.“

Hier ist das Positionspapier mit dem originelle Namen „Respekt für geistige Leistung und künstlerische Arbeit“ (PDF).

13 Kommentare
  1. Was ich mich immer frage: Wo sind diese Leute, wenn Buecher als Drehbuchvorlage oder spaeter Filme fuers Fernsehen (zum Teil sagar nur um den Jugendschutz zu umgehen) gekuerzt, zerschnitten und verhackstueckt werden?

  2. „mal wieder ein neues Pro-Urheberrechtsbündnis“
    Liest sich, als gibt es ein Contra-Urheberrechtsbündnis…dann bin ich auch sehr „gegen Vorschläge […], die das Selbstbestimmungsrecht von Urhebern und ausübenden Künstlern grundsätzlich in Frage stellen.“
    Und wenn ich mir die „Mitstreiter“ auf der Website http://urheber.info/mitstreiter/verbaende so angucke, sind das eben nicht die Bertelsmänner, Amazons und sonstige Rahmabschöpfer, sondern zumindest teilweise arme Schweine, die auch gucken müssen, wo sie bleiben.

    Wo ich neben dem Kommentarfeld „Das Buch zum Blog“ sehe: Wieviel von den 12,99 € für die Kindle-Version landen eigentlich bei den Autoren?

      1. @ Markus:

        Keine Ahnung, wieviel bei den Autoren landet? Nun ja: Musst Du ja auch nicht haben, wenn Du von den Tantiemen nicht lebst.
        Aber da fängt bei den meisten AutorInnen eben das Problem an: Sie sind nicht in der komfortablen Situation, dass die (Höhe der) Tantiemen oder der Grad der Verfügung über das eigene Werk keine Rolle spielt und – wie Ilja Braun letzlich argumentiert – auch nicht spielen sollte, weil dann die armen Nutzer auch noch nachfragen oder gar Geld aufbringen müssen, bevor sie sich fremde Arbeit aneignen. (Schon eine lustige Haltung eines vermeintlich Linken…) Wie sich dann „normale“ AutorInnen finanzieren sollen ist halt die große, offene Frage, die mit Verweisen auf neue Verwertungsformen oder Crowdfunding in der Praxis noch nicht gelöst ist. Fazit: So spart man sich sicher auch kritische Fragen. (Und um die zu stellen, müsst ihr doch wahrlich keinen PK-Termin wahrnehmen.)

        Aber mal zur Frage selbst: Wer die Nutzungsrechte selbst noch komplett hat und an Amazon (also Kindle) vergibt bekommt – je nach Modell 35 oder 70% (siehe https://kdp.amazon.com/self-publishing/help?topicId=APILE934L348N). Wenn – wie wohl hier – ein Nebenrecht eines gedruckten Buches verwertet wird, sollten 30-50% vom Netto-VK-Preis raus springen.

    1. Arme Schweine? Hat die jemand gezwungen Autor zu werden? Denkt sich eigentlich jeder Autor, dass er von seinen Werken jetzt leben wird?
      Ich habe auch einige Werke geschaffen, kann aber nicht davon leben. Muss ich auch nicht, denn man sollte immer auch die Möglichkeit haben anders Geld zu kriegen (vielleicht mit einem „normalen“ Job?).

      1. Die Diskussion wäre deutlich einfacher, wenn mal die Ein-Buch-schreiben/Musik-komponieren/Whatever-als-Werk-erschaffen-hat-Spaß-zu-machen-und-ist-deshalb-als-reines-Vergnügen-nicht-vergütungsberechtigt-dafür-gibt-es-ja-„richtige“-Jobs-Spießer von diesem hohen Ross heruntersteigen würden (vielleicht ist es aber auch nur die Die-Trauben-sind-mir-zu-sauer-Perspektive von unten).

        Ja, polemisch und provokant – ich kann’s einfach nicht mehr hören respektive lesen. So wird diese Diskussion nie zur unbestritten nötigen Reform des Urheberrechts führen.

  3. @Markus

    So spart man sich sicher auch kritische Fragen.

    Ich sehe da eine gewisse Parallele zu einem anderen Verein, der sich seine Mitspieler und Mitglieder lieber aussucht … aber Fördermitglied dürfen Sie schon sein.

      1. @Markus,

        an dieser Stelle vielleicht 3 Dinge:

        1) Ich hätte gerne eine Netzneutralitätsinitiative, weil ich Netzneutralität für wichtig halte.

        2) Es gibt zwei Gruppen von Leuten: Die einen die Internet fordern, und die anderen die wissen, das das Internet gebaut, betrieben und bezahlt werden muss.

        3) Man kann der Bundespressekonferenz, die ein Verein von Journalisten ist, schlecht vorwerfen, das sie Veranstaltungen für ihre Mitglieder veranstaltet, das das genau der Grund ist, warum es die Bundespressekonferenz gibt.

        3b) … ich glaube der Rest fällt unter: Glashaus, Steine.

        4) … und was mir gerade einfällt: Als Journalist wäre ich ein bisschen erstaunt, wenn meine Anwesenheit unter: So spart man sich sicher auch kritische Fragen ablegt.

  4. Immer nur so weiter mit den Initiativen….das bringt ganz sicher was :-(
    Ich kann Marc nur zustimmen, ich kenne viele junge Leute, die sind so sauer, die geben aus Prinzip keinen Cent mehr für Musik, Filme und Bücher aus, die besorgen sich das Zeug anders, denn in der Regel sind das genau die Musik-, Film- und Bücherhungrigen. Wer weis, 100 Initiativen und Jahre später gibt´s vielleicht doch noch nen Dialog?

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