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Ein Fahrrad und das Urheberrecht

Basierend auf dem interessanten Fahrrad-Vergleich von Siegfried Kauder von gestern hat Marcel-André Casasola Merkl (aka @zeitweise) einen schönen Text geschrieben: Mein Rad.

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Ich habe mir ein Fahrrad gekauft. Ein schönes Modell. Ich habe lange darauf gewartet. In den USA ist es schon seit einem Jahr auf dem Markt. In Deutschland nicht. Und Import wäre illegal gewesen. Letzten Monat konnte man es sich für eine Woche bei einem großer TV-Sender kostenlos leihen und eine kleine Spritztour machen. Das hat mir gefallen. Aber am Ende der Woche wurde es wieder weggesperrt. Und ich musste warten.

Geht dort noch weiter.

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17 Kommentare
  1. Mein Rad – oder wie man auf einer halben Seite zeigen kann, dass man weder das Urheberrecht noch den aktuellen Stand der Diskussion begriffen hat und trotzdem Applaus bekommen kann…
    Aber Applaus ist ja das Brot des Künstlers und wenn es nach solchen Texten und ihren Autoren geht ist Applaus auch alles was man in Zukunft für seine Kunst bekommt.
    …anschaulich

    1. Schön das der Kommentar auch hier einkopiert wurde. Ich verstehe ihn jedoch ehrlich gesagt genauso wenig wie unter dem Originaltext: Das „Fahrrad“ *kann* erstmal gar nicht gekauft werden, obwohl der klare Wille ist das gute Stück zu erwerben. Was dann auch für Geld getan wird.

      Klar – der Hinterhof ist wohl nicht das was der Erzeuger des „Fahrrads“ gerne hätte, allerdings verstehe ich nicht warum das Problem nicht einfach gelöst wird indem das „Fahrrad“ / die Inhalte nicht einfach ohne einen Jahr Versatz überall dort heraus gebracht werden wo es Menschen gibt die selbstverständlich bereit dazu sind dafür zu bezahlen – aber als Fans des Produkts vor die Wahl gestellt werden: „Entweder in einem Jahr oder gleich um die Ecke“. Genauso würde wohl kaum ein anderer Kundenkreis die Bedingungen akzeptieren die an derzeitigen Werken anhängen. Sprich wenn der Fahrrad-Vergleich stimmen sollte, dann muss er auch in beide Richtungen gehen, und ein legal erworbenes Fahrrad zu verleihen oder weiter zu verkaufen ist ab sofort illegal. Naja, nein?

      Wenn das den aktuellen Stand der Diskussion nicht versteht, oder irgendwie nicht das ist um was es „wirklich“ geht, dann bitte ich um Aufklärung! Für mich ist es eine sehr treffende Metapher die zumindest *ein* Kernproblem beschreibt, und zwar warum der Fahrrad-Vergleich mehr als nur hinkt. Und mehr, denke ich, soll der Text auch gar nicht?

      1. Naja, der Grund für so eine Verzögerung ist schon klar: Man hat Angst, andere Vertriebswege damit zu beeinträchtigen. Ein Hollywood-Film kommt erst ein paar Wochen/Monate später in deutsche Kinos, weil sich der Lizenzpreis am ersten Kinoerfolg bemisst und er vom hiesigen Lizenznehmer erst noch synchronisiert wird, und eine TV-Serie kommt Monate/Jahre später ins deutsche Fernsehen, weil der Sender zusätzlich zur Synchrozeit erst sichergehen will, dass überhaupt eine nennenswerte Anzahl Folgen produziert wurden.

        Bei DVDs will der Vertrieb erst sicherstellen, dass viele Leute ins Kino gehen (wenn die DVD gleichzeitig rauskäme, gäbe es weniger Kinobesucher und die Studios könnten ihre Filme nicht mehr so gut an die Kinos verkaufen). Durch die Regionalcodes bei DVDs sollen mehr Leute noch hier ins Kino gehen müssen statt den Film fünf Monate vorher auf DVD importieren und schauen zu können. Für Serien genauso: Wenn heute jeder die brandaktuelle Folge von Game Of Thrones legal streamen könnte, würde RTL II nächstes Jahr vermutlich viel weniger Geld für die Sendelizenz bezahlen.

        Es gibt halt nicht nur die Verbindung Produzent – Endkunde, sondern die Kette Produzent – Lizenzverwerter – Endkunde, und sofortiger Direktvertrieb an die Endkunden gefährdet den Mittelteil.

        Was mir aber noch niemand erklären konnte: Kommt durch diese Verzögerungstaktik unterm Strich tatsächlich mehr Geld in die Kasse als bei einem weltweiten Direktvertrieb? Mit anderen Worten: Lohnt sich der Aufwand tatsächlich, oder ist das Vertriebsmodell einfach nur in der Prä-Internet- (oder teilweise gar Prä-Videocassetten-) Zeit steckengeblieben? Irgendwie traut sich niemand so richtig, herauszufinden, ob man als Produzent nicht vielleicht mehr Geld direkt von den Endkunden bekommen kann als von den Lizenzverwertern.

      2. Ich denke diejenigen die Serien/Filme direkt sehen wollen interessiert es auch nicht ob es synchronisiert wurde da sie die z.B. DVD dann ohnehin in O-Ton schauen würden. Zumindest geht es mir und einem Großteil meines Freundeskreises so.

        (Mich stimmt es auch traurig dass immer weniger Filme in O-Ton ins Kino kommen, wo ich doch durchaus gewillt wäre die horenden Ticketpreise dann auch zu bezahlen (ich schaue grundsätzlich keine synchronisierten Filme), aber das ist etwas Offtopic.)

      3. Danke für die Aufklärung.
        Zwar keine Position der ich mich anschließen würde, aber zumindest etwas nachvollziehbarer das ganze. Wobei ich mich auch frage ob das jetzige Vertriebsmodell denn tatsächlich beste für Produzenten & Konsumenten ist. Aber das ist wohl der zentrale Kern des ganzen – der Zwischenschritt hat mächtig viel Angst und mächtig viel Geld..

    2. Schreibst du auch, WAS der Autor nicht verstanden haben soll? Er hat im Wesentlichen auf etwas ironische Weise gezeigt, dass Immaterialgüterrechte und der Schutz eben dieser sich gravierend von dem Schutz „normalen“ Eigentums unterscheiden, dass man beide Begriffe also schwerlich gleichsetzen kann.
      Die Frage, ob man sich darauf einigen könne, dass geistiges Eigentum genauso wäre wie ein Fahrrad, ist also ziemlich dumm. Wer das Urheberrecht und die Diskussion darum verstanden hat, kann darauf eine eindeutige Antwort geben: Natürlich nicht.

      Intelligent wäre die Frage gewesen, ob man sich darauf einigen könne, dass „geistiges Eigentum“ zumindest in einem gewissen Umfang geschützt werden müsse. Oder ob man sich darauf einigen könne, dass „geistiges Eigentum“ rechtlich in gewissem Umfang anderem Eigentum gleichgestellt werden müsse.

  2. Durch 3D-Drucker besteht die Gefahr, dass genau das bald Realität wird. Denn damit können auch physische Gegenstände zu geringen Kosten kopiert werden. Alles was man braucht ist ein 3D-Scanner (hat meine Zahnärztin für die Inlays) und ein 3D-Drucker (aktuell die meisten noch teuer, aber der RepRap¹ kostet nur 300€ und kann sich selbst replizieren).

    ¹: http://reprap.org/wiki/RepRap

    Und „Geistiges Eigentum“ ist kein Schutzrecht, sondern ein Verbotsrecht (Monopolrecht): Jemand anders kann mir verbieten, mit meinem Eigentum zu machen, was ich will.

    http://draketo.de/licht/politik/patentrecht-bricht-urheberrecht-bricht-eigentum

    1. Ich stelle mir vor, was passieren würde, wenn es demächst etwas wie den Replikator aus Star Trek geben würde, mit dem sich (fast) alle Gegenstände und Stoffe einschließlich Nahrung vervielfältigen ließen: Er würde verboten werden, weil er nicht hauptsächlich als Technologie zur Reduzierung von Armut und Hunger gesehen würde, sondern als Technologie zum Diebstahl geistigen Eigentums.

  3. Und was ist die Moral von der Geschicht?
    Kauft einfach den ganzen Scheiss nicht mehr

    Passiver Widerstand, ein paar Gedanken dazu.
    Die Grundnahrungsmittell in der Umgebung kaufen, achtet auf „Faire Trade“, wie zum Beispiel bei der Teekampagne, in Berlin.
    Kauft keine neuen Autos mehr, denn die alten sind meist viel billiger. Das ist mein Spezialgebiet, ihr könnt mir glauben, dass die neuen Autos allesamt eine hightech Wegwerfware darstellen.
    Glaubt nicht an den Quatsch von Abgasnormen, niedrigeren Co2 Ausstoss.
    Das ist wie mit der Feinstoffplakette und vielen Anderem auch, eine absolute Verarschung.
    Breitbandbildschirme, Handys, PC´s auch mal ein paar Jahre länger benutzen, viele techniche Geräte braucht sowieso kein Mensch.
    Keine Markenklamotten mehr, erteilt Gucci, Boss, und Armani eine klare Absage
    Keine Aktien und Börsenspekulationen, nehmt nicht vorschnell Kredite auf, am besten ihr verzichtet ganz darauf.
    Vergesst nicht, dass unser gesamtes System auf Kredite und unbegrenztes Wachstum aufgebaut ist.
    Treibt wieder Tauschhandel wenn irgend möglich.
    Das gleiche gilt für die Kreditkartenbenutzung, benutzt wieder Bargeld, das ist nicht zurückzuverfolgen.
    Erteilt dem Konsum eine klare Absage!
    So bekommt man dass System in die Knie.
    Schaut mal nach, ob ihr wirklich all Eure Versicherungungen überhaupt braucht, die ihr Euch in all den Jahren angeschafft habt.
    Wenn die Menschen nur noch das kaufen würden, was sie wirklich benötigen, wird sich dieses System ganz schnell als ad acta bestätigen.
    Ach, und holt euer Geld von der Bank, falls ihr noch welches habt…;-))

    1. … lass mich raten. Du hängst auch öfters mal im Occupy Camp rum, oder? So ein geballter Quatsch hör ich sonst nur von den Aluhütlern.

      1. Ich meine das im vollen Ernst, denn ich lebe das zeitlebens schon so.
        Ich lehne dieses amoralische System grundlegend ab.
        Ich war mit von Anfang an dabei, auf der Bockenheimerlandstr. so wohl als auch später auf den anti AKW Demos und später auf der Startbahn..
        Heute bin ich bei den Piraten und auch schaue gelegentlich auch bei den Occcupy-Leuten vorbei.;-)
        Ich war früher Testfahrer, daher mein Wissen über Automobile, außerdem arbeite ich als Übersetzer und bin ein Verfechter von der endgültigen Trennung von Staat und Kirche.
        Zur Zeit bekämpfe ich den WWF wo es nur geht, da es sich um die niederträchtigste Organisation handelt die weltweit operiert.

    2. Die Frage ist doch eher: Will ich überhaupt das „System“ in die Knie zwingen oder will ich das „System“ reformieren?

      Revolution ist nicht der Weisheit letzter und einziger Schluss. Manchmal muss man auch den Mut haben etwas zu ändern ohne direkt alles andere zu zerstören.

      1. Ich bin der Meinung, dass jegliche Reformierung am Ende nichts weiter als Schadensbegrenzung sein wird.
        Wir haben die Karre in den letzten 30 Jahren dermaßen in den Sand gesetzt, dass es wohl gar nicht anders mehr geht

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