Beim feierlichen Mausklick von Innenminister Friedrich zur Eröffnung der „Rechtsextremismus-Datei“ war immer wieder die Rede von einer gesteigerten „Analysefähigkeit“: Polizeien und Dienste wollen „Personen und regionale Zuordnungen“ verknüpften, um damit „Zusammenhänge zwischen Personen, Gruppierungen und Objekten“ festzustellen.
Welche digitalen Werkzeuge dafür genutzt werden, lässt auch der Bericht bei heise.de offen. Immerhin ist vom Bundeskriminalamt (BKA) bekannt, dass hierfür unter anderem die Software Analyst’s Notebook von der US-Firma i2 zur Anwendung kommt. Derart hatte es das Bundesinnenministerium in Februar bereits dem MdB Andrej Hunko beauskunftet, der sich nach Computergestützter Kriminaltechnik bei Polizeibehörden erkundigte.
Die erst kürzlich von IBM aufgekaufte Firma ist auf die sogenannte „Big Data-Analytik“ spezialisiert. Die Nutzung von Analyst’s Notebook für Geheimdienste und Polizeien läuft bei IBM unter der Linie Smarter Cities. Der Konzern baut damit sein Portfolio der „vorhersagenden Polizeiarbeit“ („Predictive Policing“) aus. Zuvor hatte IBM die Firma SPSS übernommen, die auf dem Berliner „Europäischen Polizeikongress“ vor drei Jahren mit dem Slogan „The Evolution of Crime Fighting. From reactive… to proactive… to predictive…“ geworben hatte. Auf der diesjährigen Verkaufsmesse des „Europäischen Polizeikongress“ trat i2 mit „Werkzeugen zur Detailanalyse und Visualisierung von Beziehungen zwischen physischen Merkmalen und allen dazu verfügbaren Informationen“ auf.
Das BKA partizipiert am Digitalen Tsunami: Von 2007 bis 2009 hätten sich laut Moritz Aly vom BKA die beim Amt bestehenden Datenmengen jährlich verdoppelt, ab 2010 dann stieg das Aufkommen explosionsartig. Auf dem letzten „Europäischen Polizeikongress“ hatte der Lobby-Verein Behördenspiegel deshalb ein ganzes Panel zur effektiveren digitalen Informationsverarbeitung angesetzt. Das BKA hat dort seine Inhaltliche Datenträgerauswertung (IDA) vorgestellt, die vom BKA in Eigenregie entwickelt wurde. IDA filtert Daten, erstellt Statistiken und visualisiert Zusammenhänge.
Möglicherweise verbirgt sich dahinter die sogenannte „Operative Analyse“ des BKA: Die Software visualisiert Beziehungen von Einträgen abgefragter Datenbanken und gibt „Hypothesen“ aus. Anscheinend ist das BKA in derart digitaler Strafverfolgung längst geübt: So führen die Kriminalisten regelmäßig entsprechende Schulungen zur „Operativen Analyse“ durch, darunter auch mit China, Weißrussland oder der Türkei.
