
Die Standortdaten aller Handy-Nutzer in Kenia sind für eine wissenschaftliche Studie verwendet worden – ohne deren Einwilligung. Forscher aus den USA haben die Bewegungsdaten der Kenianer mit einer Malaria-Karte korreliert, um die Ausbreitung der Tropenkrankheit zu erforschen. Diese Studie ist ein neues Beispiel für den Konflikt von Big Data und Datenschutz.
Funkzellenabfrage auf afrikanisch: Forscher der amerikanischen Harvard School of Public Health alle Anrufe oder Kurznachrichten der 14.816.521 Mobilfunkkunden in Kenia zwischen Juni 2008 bis Juni 2009 ausgewertet. Mittels der Funkzelle wurde von diesen Daten jeweils der Standort aufgezeichnet. Daraus berechneten sie, wo der Hauptstandort der jeweiligen Person ist. Jedes Mal, wenn jemand diesen Hauptstandort verlassen hat, wurden Dauer und Ziel dieser Reise berechnet.
Diese Reisedaten wurden dann mit Karten über die Ausbreitung von Malaria verglichen. Ziel war es, herauszufinden, wie das Reiseverhalten von Menschen zur Ausbreitung der Tropenkrankheit beiträgt.
Die Studie gibt’s bei Science, eine Pressemitteilung bei Harvard.
Dieses Projekt verdeutlicht den Konflikt von Big Data und Datenschutz. Wie netzpolitik.org berichtete, will Großbritannien die Krankenakten aller Einwohner zentral sammeln und verknüpfen, um diese ebenfalls Forschern zur Verfügung zu stellen.
Es ist durchaus möglich, aus großen Datenmengen interessante Fakten zu extrahieren, um die Wissenschaft voranzubringen. Die datenschutzrechtlichen Implikationen sind jedoch unübersehbar. Nach gängigen Definitionen sollte Open Data dort aufhören, wo personenbezogene Daten betroffen sind. Eine Verwendung solcher Daten ohne die Einwilligung der Betroffenen scheint zumindest in Deutschland datenschutzrechtlich nicht vorstellbar. Zudem greifen Konzepte wie Anonymisierung zunehmend nicht mehr, weil diese mehr und mehr rückgängig gemacht werden können.
Was haltet ihr von dieser Studie?