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ACTA: „Governance by Shitstorm“?

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat in einem Artikel über ACTA berichtet: Die Furcht vor dem Shitstorm. Die Autorin Melanie Amann entdeckte eine „anonyme Masse“, die die Politiker im Netz vor sich her treibe und beschreibt das mögliche Scheitern von ACTA als Ausdruck eines „Governance by Shitstorm“. Demokratie sähe nach Ansicht der Autorin „anders aus“. Der Artikel verwundert mehrfach. Kein Wort zu dem intransparenten ACTA-Prozess hinter verschlossenen Türen, aber mit Lobbyisten dabei. Kein Wort zu der vielstimmigen Kritik an dem Abkommen, die sowohl aus dem Netz, von entwicklungspolitischen Organisationen, als auch aus demokratietheoretischer Sicht aus dem Europaparlament kommt.

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Eingangs erwähnt wird ein Erlebnis, wo die Autorin (oder jemand anders) einen sogenannten Netzpolitiker kontaktierte und feststellt, dass dieser „off the record“ gar nicht wusste, was die Position seiner Partei zu diesem Phänomen namens ACTA sei, wogegen gerade 100.000 Menschen bei Minustemperaturn in Deutschland auf die Straße gegangen sind. Off the Record: Das wird sicherlich ein Politiker von SPD, CDU/CSU oder FDP gewesen sein, weil Linke, Piraten und Grüne zu diesem Zeitpunkt bereits seit längerem eine konkrete Position zu ACTA hatten und diese auch im Europaparlament vertreten haben. Vielleicht war es auch Peter Altmaier, seiner Zeit noch parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion. Dieser verkündete nach den großen Massenprotesten, dass alle Parteien ACTA verpennt hatten – ohne zu wissen, dass bereits viele Ausschüsse in vielen Sitzungen jahrelang im Bundestag darüber diskutiert hatten. Aber es wird noch besser:

Seit vergangener Woche ist das Abkommen endgültig vom Tisch, ein Ausschuss des EU-Parlaments kassierte den Vertragsentwurf mit klarer Mehrheit.

Man möchte der Autorin eine Broschüre der Bundeszentrale für politische Bildung über das EU-Parlament zuwerfen um ihr zu erklären, dass ACTA erst „endgültig vom Tisch“ ist, wenn auch das Plenum am 4. Juli darüber abgestimmt hat und mehrheitlich mit Nein stimmt. Verwundert reibt man die Augen, wenn die Autorin zu ihrer Kernthese ansetzt:

Das Scheitern von Acta hat wenig mit Demokratie zu tun, es ist vielmehr Ausdruck eines „Governance by Shitstorm“. Die Proteste bewirkten gerade nicht, was ihre Organisatoren forderten: Eine offene und transparente Debatte über das Urheberrecht. Acta war gestorben, sobald der erste (Netz-)Politiker begriffen hatte, dass es hier um seine Google-Einträge ging, um sein Image in der Netzgemeinde.

Das Phänomen der Filterblase wird ja seit einiger Zeit kontrovers diskutiert, aber in welcher Filterblase mag wohl die Autorin leben, wenn sie feststellt, dass die ACTA-Proteste „gerade nicht“ eine offene Debatte über das Urheberrecht bewirkt haben? Na, was denn sonst? Warum fragen sich seitdem die Unter-40-jährigen, wer denn dieser Sven Regener sei, dem alle anscheinend ständig ins Gesicht pinkeln, weil er mit diesem Spruch so häufig wie noch nie in seiner künstlerischen Laufbahn in den Medien rezipiert wird? Ein Blick in das eigene Archiv der sonst meist geschätzten FAZ dürfte ihr vielleicht im nachhinein die Augen öffnen. Und hätte der Recherche vorher gut getan.

Es folgt tatsächlich noch ein kurzer Exkurs in Richtung Netzsperren, warum, weiß nur die Autorin:

Doch wie viele Bürger eine Wutwelle im Internet tragen, ist unbekannt. Umso sichtbarer ist der vorauseilende Gehorsam der Regierenden. Ihre Furcht geht so weit, dass sie sogar fix und fertige, verbindlich geltende Gesetze, deren Verfassungsmäßigkeit kein Gericht in Frage stellt, einfach auf Eis legen – so geschehen im Fall des Gesetzes über Internet-Sperren.

Kurz schimmert hier hindurch, dass die ganzen Argumente gegen das Zugangserschwerungsgesetz nicht die Politik zu einem Umbewegen gebracht haben, sondern lediglich der Protest der „Wutbürger“ im Internet. Aber Exkurs vorbei. Es geht ja hier um ACTA.

Die These der Autorin zerläuft sich etwas. Hartz4, Anti-Atom, Managergehälter und Gentechnik. Diese ganzen Offline-Themen mit vielen Menschen auf der Straße bringen (zum Glück? fragt man sich) nichts, weil die Politiker „Traute haben“. Aber diese große anonyme Masse, die es schafft, die Politiker vor sich her zu treiben, weil die Angst vor einem schlechten Google-Ranking haben, die sind gefährlich:

Ein Protestzug zerstreut sich schnell wieder. Ein vernichtender Blog-Eintrag bleibt für die Ewigkeit.Es steht zu befürchten, dass sich die Politik in dem wichtigsten Zukunftsthema unserer Zeit, dem Internet, dauerhaft von einer dröhnenden, anonymen Masse treiben lässt.

Man kann ja gerne über Shitstorms und ihre Auswirkungen diskutieren. Ich finde auch nicht alles prima, was da manchmal wie abläuft. Aber dann bitte mit Recherche vorher und guten Argumenten, weil so reibt man sich verwundert die Augen und denkt eher an „Qualitätsmeinungsjournalismus“ der Welt, als an die FAZ. Wenn sich im Europaparlament am 4. Juli eine Mehrheit gegen ACTA findet, dann aufgrund der Debatte, die die Proteste ausgelöst haben und den guten Argumenten dagegen.

Auch wenn Anfang Februar die meisten Politiker noch nicht wussten, was sich hinter diesem Kürzel verbirgt, so haben die Proteste und Demonstrationen vor allem eines bewirkt: Die Politik hat genauer hingeschaut, sich mit der Kritik beschäftigt und sich eine Meinung gebildet. Und die scheint mittlerweile mehrheitlich in die Richtung zu gehen, dass ACTA schädlich, intransparent und demokratiegefährdend ist.

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46 Kommentare
  1. Endlich schreibt mal ein Zeitung die Wahrheit. Es kann nicht sein das es hier in Deutschland nach einigen Internetperversen geht, die nur um Ihre konstanten Rechtverletzungen zu rechtfertigen, Demokratische Institutionen ausheben. Die Ausser-Internet Demokartie ist geschützt, das sieht man daran das Hartz IV Empfänger leider wählen gehen dürfen. Internet (-Demokratie) ist nicht im Hartz IV Regelsatz enthalten, also ist es nicht notwendig, mithin kann es sich nicht auf den Schutz des GG berufen und wem die Einschänkungen nicht passen, der braucht es ja nicht nutzen.

    mfg

    Ralf

  2. Polarisierender Lamer-Journalismus, der nicht solide ein Thema recherchiert. Nichts Neues aber ärgerlich. Ich finde es absolut ärgerlich wie Journalisten überall die Behauptung kolportieren es ginge hier um ein „Urheberrechtsabkommen“ oder ihre Erkenntnisse aus dem Anonymous-Video (respektive der Lernkurve im -Counter-Falschen) ziehen.

    Ich habe dafür ein Rezept schwedischer Art, immer wenn Journalisten Unsinn schreiben, sagt man ihnen. Nun kann man sagen, ’na hättest ja jedenfalls noch erklären können. Die Schweden lieben da die Selbstverantwortung beim Lernen.

    Letzten Endes werden diese Journalisten dafür bezahlt, Beiträge für die Öffentlichkeit zu leisten und niemand um ihnen den Hintern abzuputzen. Von FAZ und ARD erwarte ich mir Qualität.

  3. Faszinierend an dem Artikel in der FAZ ist folgender Strohmann in Reinkultur (sowas könnte man auch gut einmal in einem Argumentationstheorieseminar als Beispiel bringen):

    Worum ging es bei dem Vertrag noch einmal? Irgendwie um Urheberrecht, das weiß wohl noch jeder, der damals die Nachrichten verfolgte. Und irgendwie hat sich die Deutung durchgesetzt, dieser „hinter verschlossenen Türen“ ausgekungelte Vertrag ermächtige die „Industrie“ dazu, den kleinen Internet-User von Informationen abzuschneiden, ihn auszuspähen und mit Abmahnungen zu überziehen, und, Gott behüte, ihm den Internetanschluss zu sperren. Das ist maßlos übertrieben.

    Die Autorin fragt worum es nochmal ging. Weiss sie selber nicht so genau, und da sie keine Lust hat sich mit ernsthaften Argumenten auseinanderzusetzen, erfindet sich sich einfach schnell eine (möglichst unplausible) Gegenposition, die sie mit dem Nicht-Argument kontert: Das sei maßlos übertrieben.

    Mir klappte da nur noch die Kinnlade runter…

  4. Ich finde ja toll, dass „anonymer“, also (wenn überhaupt) pseudonymer Internetprotest und Protest auf den Straßen als schlecht angesehen wird. Was hält diese Person dann erst von demokratischen und damit in der Tat anonymen Wahlen? Wo noch mehr Menschen die Politiker vor sich her treiben? Und das nicht auf der Straße und für jeden nachlesbar im Netz, sondern in „Hinterzimmern“ von Schulen und anderen staatlich finanzierten Einrichtungen?

  5. Es ist einfach ein sachlich schlechter Artikel, der noch dazu den Meinungsteil nur dürftig begründet. Meiner Meinung nach der FAZ unwürdig, die in Sachen ACTA-Berichterstattung halbwegs ausgewogen war und in der ganzen Urheberrechtsdiskussion recht pluralistisch.

    1. Wahrscheinlich liegts daran, dass ein Befürworter sachliche Argumente hat, da bleib nur noch unsachlich über ;) Aber stimmt schon, die FAZ hat eigentlich ein besseres Niveau, auch in den Meinungen. Das hier wäre ja sogar für BILD gerade mal schlechter Schnitt..

    2. Ausgewogene ACTA-Berichterstattung in der FAZ? Habe ich zwar nicht verfolgt, aber es ist schwierig zu glauben.

      Kürzlich beeindruckt hat mich Die Zeit, nämlich Kai Biermanns Artikel zum keesigen Verlegerschutzrecht.

      Nachdem er das Bedingungslose Verlegereinkommen einst verteidigte, man überdies in Betracht zieht, dass Die Zeit ein konservatives Blättle ist, finde ich Biermanns Sinneswandel und die Tatsache, dass der Artikel auf zeit.de stehen darf, sehr beeindruckend.

      Herr Biermann, ich ziehe mein Baseballcap.

  6. Es ist halt sehr populistisch und so geschrieben, dass es eine Meinung verbreiten soll, die am beseten nicht hinterfragt wird.

    Praktikantin, Bild oder schlichter Wille eine undifferenzierte Meinung zu verbreiten ein versehen kann ich mir nicht vorstellen.
    Ich denke die ersten beiden fallen weg.
    Die richtige Erfahrung wird die Frau wohl haben um am letzten hängen zu bleiben. (Debattierclub, Jura …) Da kann man eigentlich eine andere Sprachkultur erwarten.

    Also ich lass diesen Shitstorm von Frau Amann dann mal an mir vorbeiziehen. Ist man ja von verfechtern beider Positionen dieser Debatte gewöhnt, braucht einen dann auch nicht mehr aufregen:)
    Wobei ich mich doch noch irgendwie frag ob diese Argumentationskultur nicht auch Grund für’s Scheitern in der Juristerei gewesen sein könnte…Ach jetzt wirds uninteressant ich geh FAZ lesen bevor ich hier von der Frau als Shitstormer abgestempelt werde…

  7. Den Artikel hier kann ich im Großen und Ganzen problemlos unterschreiben. Aber ein Punkt, eher am Rande der Thematik hier, hinterlässt bei mir ein etwas mulmiges Gefühl. Diese Shitstorms sind Verbalattacken, meist unter der Gürtellinie, und haben oft genug weder Etwas mit Anstand noch mit Vernunft zu tun. Sicher, dass wir kaum von den gewählten Volkszertretern sondern hauptsächlich von Lobbyisten regiert werden, das ist eine Schande und eine Katastrophe. Aber ehrlich gesagt, von diesen pupertierenden Schreihälsen will ich auch nicht regiert werden.

    http://www.rorkvell.de/news/2012/Shitstorm

    Davon abgesehen ist der Artikel allerdings nur all zu wahr. Bedauerlicherweise.

    1. Ich bin nicht sicher wie man einen shitstorm definieren soll.
      Im Grunde ist eine Demo mit 10,000 Menschen auch ein analoger Shitstorm.

      Ich finde der Begriff diffamiert.
      Menschen schließen sich zusammen um lautstark zu protestieren. Das manche aussagen unter die Gürtellinie gehen ist Sache der Kommentatoren und kein Problem eines shitstorms. Auf Demos werden ja auch oft „zu harte“ Aussagen getätigt.

      In dem Sinne ist gegen einen Shitstorm ncihts einzuwenden, neutral müsste man es wohl eine „digitale Spontandemonstration nennen“. Weil das aber wieder legitim klingt musste ein ersatzbegriff her.

      1. Dass eine Demo eine Analogie zum shitstorm ist, bestreite ich gar nicht. Der Vergleich ist sogar sehr gut. Aber das ändert Nichts an meiner Kritik zum Stil der Auseinandersetzung. Weder beim Shitstorm noch bei der Demo.

    2. „Diese Shitstorms sind Verbalattacken, meist unter der Gürtellinie, und haben oft genug weder Etwas mit Anstand noch mit Vernunft zu tun.“

      Falsch,
      diese „Shitstorms“ sind die „Würze“ der Politik , treffen genau den Kern der Sache und des Volkes Meinung , sonnst würden sie meist gar nicht Beachtet werden.
      Auch ist dies längst keine „neue“ Form eines Protests, schon immer gab es diese „Shitstorms“ nur Regionaler und unter anderen Namen , es war gerade die CDU/CSU welche mit „Shitstorms“ Politik machten indem sie sich die „die Oberhoheit über Stammtische“ sicherten.
      Stammtisch Politik ist nichts anderes als „Governance by Shitstorm”.

      Der „Stammtisch“ ist heute das Internet und nur weil heute dort die „Piraten“ , Blogger und andere die Oberhoheit besitzen statt einer im vorauseilenden Gehorsam von Wirtschaft und Politik „erzogenen“ Presse , ist dies plötzlich Verwerflich und „Gesetzwidrig“?
      Die CDU/CSU würde wohl auch nie Verlangen das jeder nur noch mit Namensschild und „Datenspeicherung“ in der Bay Stammkneipe „vom Leder ziehen“ darf?

      1. Dass ein Shitstorm was mit Stammtischpolitik zu tun hat, sehe ich auch so. Aber ich habe von Stammtischpolitik noch nie viel gehalten. Einer der Gründe, warum ich niemals CSU gewählt habe.

      2. Shitstorms interessieren doch gar keinen als ihn treffendes Urteil. Das einzige was sie ermöglichen ist ein wenig Würze. Es ist doch hervorragend, wenn Leute Unzufriedenheit ausdrücken, weil die Deutungshoheit nichts für dich bedeutet, solange du dir sicher bist in deiner Position.

        Es ist eine Kultur, in der wir uns verbal widersprechen dürfen und Scherze übereinander machen, Klartext reden und uns trotzdem gut verstehen. Es gibt aber eine andere Welt, in der Kritik immer mit Status verbunden ist, hierarchisch sanktioniert wird und Eingeständnis von Fehlern direkte Konsequenzen hat.

      3. Ich hab Nix gegen klare Worte. Aber die eine oder andere unflätige Fäkalsprache sollte besser unterbleiben. Auch gegen Scherze oder Witze hab ich Nix. Im Gegenteil. Bei der aktuellen Politik ist hauptsächlich Sarkasmus angebracht. Trotzdem kann und sollte man einen gewissen Anstand bewahren.

        Hier in den Kommentaren funktioniert das doch ganz gut. Auch, wenn es im Detail vierschiedene Meinungen gibt. Warum müssen bei solchen Shitstorms oft genug Beiträge veröffentlich werden, bei denen man annehmen muss, der Verfasser hätte nich alle Tassen im Schrank? Das macht zwar viel Lärm, untermauert aber nicht gerade das Anliegen.

    3. Das Wort „Shitstorm“ ist nicht exakt definiert. Ich würde es als spontane , kollektive, emotinale (teils übertriebene) Reaktion im Netz auf eine Äußerung bzw. Position verstehen. In DE hat sich der Begriff eher im Zusammenhang mit den Diskussionen um die VDS und den Kommentaren einiger Piraten etabliert. Der Begriff kann keine Aussage über die Qualität der Kritik machen.

      So weit, so gut: Jetzt wird es peinlich! Viele Pressevertreter haben dieses Phänomen noch nicht einmal im Ansatz verstanden. Aus ihrer Ahnungslosigkeit setzen sie die Kritiker mit einem simplen Mob gleich. Man glaubt verstanden zu haben und freut sich am Puls der Zeit zu sein und einen neuen Begriff gelernt zu haben. Dieser Begriff wird nun vollkommen aus dem Kontext gerissen und auf alles angewendet was wie Protest anmutet. Eine alltägliche Demonstration wird zum „Shitstorm“ umgedeutet. Die Ursache des Protestes wird nicht im Inhalt der Kritik gesucht, sondern auf das Medium reduziert.

      Eine gefährliche Entwicklung! Wenn man Protesten und Kritik die Existenzberechtigung abspricht, zerstört man demokratische Prozesse. Wer dann noch von einer Masse spricht die Politiker vor sich her treibt, sollte dringend das Grundgesetz lesen! Insbesondere den Artikel 20. Außerdem sollten sich solche „Journalisten“ Gedanken über den Zweck von Protesten machen. Von der Politik vernachlässigte Themen sollen in die politische Entscheidungsfindung eingebunden werden. Das ist die essentielle Grundlage jeder Demokratie. Dabei ist die Form und die das Medium des Protestes irrelevant.

      Fazit: Frau Amann sollte lernen wie sie ihren Beruf ausübt.

      1. Leider träumen viele Politiker schon von einem „neuen“ Grundgesetz und staatlichen Strukturen und sprechen dabei schon einmal dem jetzigen „ganz nebenbei“ die Legitimation ab.
        Es ist eine gefährliche Entwicklung welche die Politik der westlichen Welt seit „9/11“ genommen hat , wie Befürchtet weiten sich damals überhasteten „Scicherheitsgesetze“ und Einschränkungen der Bürgerrechte immer mehr zu einer ernsten Gefahr für die demokratische Gesellschaft aus
        In den Denkstrukturen vieler Politiker verlieren die demokratischen Werte zusehens zu gunsten kurzfristiger zwielichtiger Wirtschaftsinteressen.

    4. If you can’t stand the heat, don’t stay in the kitchen.

      Natürlich ist das oft kindisch und prollig. Wenn du dir davon was annimmst, bist du vielleicht zu dünnhäutig. Der Witz ist allerdings, dass man sich es viel zu oft leicht macht und dann auf die paar Verbalausrutscher verweist, um sich ja nicht mit den Sachargumenten auseinander setzen zu müssen. Auch ne Taktik…

  8. Schlimmer als der Artikel sind doch die Kommentare.
    Habt ihr die gelesen?

    Da werden ACTA-Gegner pauschal als Internetkriminelle, Spammer und Pädophile bezeichnet. Die Piraten und der Schwarm (der Schwarm also der bspw Wikipedia groß gemacht hat) werden als primitiv und sinnfrei betitelt. Und das die Breite Masse ja ACTA will, weil die Gegner ja sowieso nur das nachplappern was ein paar unqualifizierte „Netzextremisten“ vorgekaut haben.

    So gesehen hat die FAZ also ihre Zielgruppe bedient.
    Ich koennte um mich schießen.

    PS
    Für all die panischen und ängstlichen Leser: Letzterer Satz ist eine Redensart.

  9. Schlimmer als der Artikel sind doch die Kommentare.
    Habt ihr die gelesen?

    Da werden ACTA-Gegner pauschal als Internetkriminelle, Spammer und Pädophile bezeichnet. Die Piraten und der Schwarm (der Schwarm also der bspw Wikipedia groß gemacht hat) werden als primitiv und sinnfrei betitelt. Und das die Breite Masse ja ACTA will, weil die Gegner ja sowieso nur das nachplappern was ein paar unqualifizierte “Netzextremisten” vorgekaut haben.

    So gesehen hat die FAZ also ihre Zielgruppe bedient.
    Ich koennte um mich schießen.

    PS
    Für all die panischen und ängstlichen Leser: Letzterer Satz ist eine Redensart.

  10. Den Namen Melanie Amann sollte man sich merken und für Konsequenzen sorgen.

    OT: Wie finden sich GEZ und GEMA Mitarbeiter? Es ist ja ein sozial ausgrenzender Job. Wer will schon mit so einem zu tun haben? ;) Ich würde da durchaus erwarten auch im Alltag verbal(!) angespuckt zu werden … :P

    1. Wenn ich mir die Namen all der Menschen merken würde, die in irgendeiner Debatte völligen Hirnschiss von sich gegeben haben, käme ich vermutlich selbst mit einer einfachen txt an die Megabyte-Grenze.
      Und welche Konsequenzen stellst du dir da vor? Morddrohungen gegen die Dame? DDOS-Attacken auf jede Zeitungswebsite, bei der ein Artikel von ihr erscheint? Telefon(und vermutlich gleich noch Türklingel-)terror?
      Die einzig sinnvolle Konsequenz, die mir hier einfällt: Sachlich aufzeigen, dass der Beitrag ziemlicher Blödsinn ist und ansonsten ignorieren.

      GEZ-Mitarbeiter (Innendienst) können übrigens nichts dafür, dass die Außendienst-Kontrolleure (und da vorrangig die freiberuflichen, die nach Erfolg bezahlt werden) sich teilweise unter aller Sau benehmen.
      Genausowenig kannst du GEMA-Mitarbeiter für die Entscheidungen verantwortlich machen, die die stimmberechtigten Mitglieder treffen. Statt denen, die Verwaltungsarbeit machen, solltest du lieber den großen Künstlern, denen du mit deinen CD-Käufen ein ausreichend großes Einkommen für das Stimmrecht verschaffst, ins Gesicht spucken. Oder besser: Nicht länger diese Künstler unterstützen, sondern stattdessen die kleinen GEMA-Mitglieder, die nicht genug für das Stimmrecht verdienen, solche Sachen aber liebend gern ändern würden, sollten sie einmal in die Gruppe der Auserwählten aufrücken.

      Du hast garantiert auch Kollegen, die eine Schande für die Firma sind – möchtest du gerne mit denen über einen Kamm geschoren werden?

      1. Übersteigt es Deine Fantasie einfach eine Beschwerde an dem Arbeitgeber zu schreiben? Erzeugnisse von der Person zu verweigern und ähnliche völlig legale Methoden? Die Mitarbeiter hatten durchaus die Wahl für wen und gegen wen sie arbeiten zu entscheiden. Ganz ehrlich.

      2. „Für Konsequenzen sorgen“ klingt halt überhaupt nicht danach, dass du vorhast eine konstruktive Beschwerde an den Arbeitgeber zu schicken ;-)

        Aber wenn es das ist, was du meintest dann mach das mal bitte und teile uns die Antwort mit…wenn denn eine kommt.

  11. Solch ein Artikel in der FAZ halte ich für gefährlichen!
    Gefährlich für die Meinungsbildung, für bürgerlichem Engachement und gefährlich für das Renome der publizierenden Zeitung! – Ganz geschweige denn natürlich, für die Sache selbst.

  12. Dass die pupertierenden Schreihälse auch genauso in den reihen der ACTA-Befürworter zu finden sind, will ich gar nicht bestreiten. Und dass man seine Meinung laut und deutlich vertritt, ist nicht nur rechtens, sondern notwendig. Trotzdem wäre mir ein anderer Stil, frei von Diffamierungen, Beleidigungen und falschen Unterstellungen, deutlich lieber.

    Es gibt ein Sprichwort: „Der Zweck heiligt die Mittel“. Ich bin dagegen. Für mich heiligt kein Zweck jemals irgendwelche Mittel. Auch das here Ziel der Verhinderung von ACTA rechtfertigt keine Beleidigungen oder Dergleichen.

    Wie ich in meinem eigenen Artikel schon geschrieben habe, ich denke, es ist notwendig, dass die aufgestaute Wut inzwischen endlich auch mal bis ganz nach oben durchdringt. Trotzdem, die Mittel, die dafür verwendet werden, sind mir unheimlich. Ich fürchte, dass wir da vom Regen in die Traufe kommen.

  13. Am Ende kritisiert die gute Frau, daß Politiker sich in ihren Entscheidungen beeinflussen lassen, sobald Information dauerhaft verfügbar bleibt, wie dies zum Beispiel in Form eines Blog Eintrages der Fall ist.

    Wenn also an die Stelle der Tagespresse, die unabhängig von ihrer Qualität eigentlich ein Wegwerfprodukt ist, ein dauerhaftes Medium tritt, fangen Politiker auf einmal an, ihr Handeln sorgfältig abzuwägen.

    Das ist ja wohl überfällig!

    Politiker werden mehr und mehr aus der Dunkelheit des gemeinschaftlichen Vergessens gezogen und müssen damit rechnen, daß bei der nächsten Wahl nicht die bunten Versprechungen sondern ihre (schade, daß Verbrechungen kein Wort ist) Entscheidungen aus der Vergangenheit berücksichtigt werden.

  14. Opalkatze hat auf ihrem Bloß so ein schönes Zitat stehen:
    „Das Archiv ist die Rache derJournalisten an der Politik .“

    Nur füllen jetzt noch andere die Archive ;-)

  15. „Den Namen Melanie Amann sollte man sich merken und für Konsequenzen sorgen.“

    Ihr merkt auch nicht mehr, wie ihr genau mit solchen Sprüchen eine offene Debatte zunichte macht und für Meinungs-Uniformität im Netz sorgt, oder? Die aktuelle Shitstorm-Kultur ist doch auch deshalb entstanden, weil abweichende Meinungen oft derart untergebuttert werden. Statt eines differenzierten Diskurses herrscht eine „Auf sie mit Gebrüll“-Mentalität vor, die niemandem nutzt.

    Das nächste Thema wird vermutlich der ESM sein, wobei der Shitstorm mal wieder für eine sehr einseitige Verteilung der zu erbringenden Beweislast über Konsequenzen der Maßnahme oder deren Ausbleiben führen wird.

    1. @Herb: Danke für den Kommentar, ich sehe das genauso:

      Ihr merkt auch nicht mehr, wie ihr genau mit solchen Sprüchen eine offene Debatte zunichte macht und für Meinungs-Uniformität im Netz sorgt, oder? Die aktuelle Shitstorm-Kultur ist doch auch deshalb entstanden, weil abweichende Meinungen oft derart untergebuttert werden. Statt eines differenzierten Diskurses herrscht eine “Auf sie mit Gebrüll”-Mentalität vor, die niemandem nutzt.

      Ich hab auch länger gezweifelt, ob ich den Namen der Journalistin nennen soll, weil mich solche Reaktionen nerven. Ich habe ihn dann letztendlich doch genannt, weil das hier auch mein Archiv ist, wo ich gerne mal nachschlage.

    2. Liegt das jetzt nicht eher an deiner Interpretation der zu erwartenden Konsequenzen? Ich würde da nicht reinlesen wollen, dass Sie bei jeder neuen Äußerung beschimpft werden soll, sondern dass man sich daran erinnert, wie undemokratisch sie in dem Fall schon argumentiert hat.

    3. …und genau das ist gewollt, denn die Gegenseite braucht Argumente, um diese Internetfreaks im Zaun zu halten. Daher auch diese Reaktionen hier und woanders.

      Interessanter Artikel auf Heise, bezüglich 13Jährigem und facebook.

      Anstatt sachlich zu diskutieren, wird stets der Hammer hervorgeholt. Damit schiesst man sich ins eigene Knie und den Einschränkungen gibt man weiter Vortrieb.

      Ruhig und sachlich zu argumentieren, ist selbst auf Computerbase nicht mal so recht möglich, egal zu welchem Thema. Hat jemand eine andere Meinung, geht der Zank los anstatt sich mit seinen Thesen auseinander zu setzen und sachliche Argumente zu finden. Es geht nur gemeinsam und im Dialog, Messer und Gabel gehören woanders hin.

    4. An welcher Stelle hat die „Journalistin“ bei Dir einen Diskussionsbereiten und offenen Eindruck hinterlassen? Ich wäre da wirklich interessiert den Finger darauf zu finden? Was Du „uns“ vorwirfst macht Dein Schützling vor. ;P

  16. Die Frau hat Jura an drei Fakultäten studiert. Ich hoffe inbrünstig, alle anderen Jurafakultäten bringen ihren Studenten nicht bei, daß Gesetze möglichst unter Ausschluß der Öffentlichkeit erstellt werden sollten. Denn das ist es, was Frau Amann mit ihrem Artikel suggeriert – Politiker sollten hinter verschlossenen Türen sich die Wünsche der Wirtschaftsbosse anhören und diese Wünsche in Gesetzesform bringen. Vielleicht hat Frau Amann aber auch einfach nur die ihr bekannte Realität zum Ideal erhoben.

  17. Imho sind Shitstorms (die guten) ein entsetzter und gequälter Aufschrei der nicht verblödeten, gegen den inzwischen unerträglichen ignoranten Unsinn der von Volksvertretern ohne Dialog ohne Sachkenntnis von oben herab diktiert wird.

    Das ist neben dem Verfassungsgericht inzwischen die Last Line of Defence gegen die Zerstörung der Sozialen Gerechtigkeit in dieser Scheindemokratie.

    Diese grundsätzliche Fehlentwicklung der undemokratischen Machtausübung in Deutschland wird nur leider im Wasserkopf der elitären Gesellschaftsschichten nicht mehr wahrgenommen. Weil die Realitätsverzerrung in diesen Kreisen aus Selbstschutz und persönlichem Profit verhindert das die Interessen der Allgemeinheit mit einer Verhältnismäßigkeit verteidigt werden die einmal die Basis des Erfolges der Mittelschicht und des Wohlstands in Deutschland war.

    Das eigentliche schlimme daran ist das innerhalb unser Demokratie die werkzeuge die änderungen und Korrekturen dieser Entwicklung höätten ermöglichen müssen versagt haben .

    Inzwischen braucht es kleine Revolutionen um politische Entscheidungsprozesse auf die Interessen der Allgemeinheit zu zwingen.

    Das birgt die Gefahr das eine große Revolution nötig wird wenn die Reformprozesse im inneren der Mechanik der Deutschen Demokratie nicht bald anfangen die Anpassung des Systems Demokratie an die Veränderungen der Anforderungen und aufgaben der heutigen zeit anzupassen.

    mfg

    1. Richtig! Das ist der Punkt!

      In der Presse wundert man sich über Art und Intensivität des sog. „Shitstorms“, fragt sich aber nicht warum Meinungen und Forderungen immer häufiger explosionsartig zu Tage treten. Die Antwort ist so simpel wie erschreckend: Die Instutionen und Prozesse versagen permanent. Die Abbildung und Implementierung des Bürgerwillens findet kaum statt. Manch ein Politiker ist wohl der Meinung absurde Gesetze mit absurden Begründungen verabschieden zu können (z.B. VDS) und ist dann erstaunt wie sehr er sich von den Bürgern entfernt hat wenn diese ihre Ansichten direkt und eindeutig kommunizieren. Dies als „Shitstorm“ zu bezeichnen ist pure Rhetorik und eine gezielte Abwertung der Inhalte.

      Wenn ein Staat zentralistisch und undemokratisch geführt wird, brennen immer häufiger die Strassen – wie z.B. bei den Riots in Frankreich und England. Das sollte nicht geschehen! Es wird sich aber nicht verhindern lassen wenn sich die Politik nicht endlich modernisiert und demokratisiert.

  18. Vorsicht!

    Der Sinn dieses Artikels liegt wohl ganz woanders. Es geht um das Wort „Shitstorm“ an sich. Das hat was ekelhaftes. Was braunes auch noch. Das ist unsympathisch und stinkt.

    Was wäre nun, wenn man im Bewusstsein der Menschen jegliche Form von online getragenem Protest mit „Shitstorm“ verbinden könnte? Das wäre doch praktisch, oder?

    „Argumente? Berechtigter Protest? Ach wo, ist doch nur ein Shitstorm!“

    Die Rechts-Konservativen sind großartig darin, derartige Umdeutungen von Begriffen im Bewusstsein der Leute zu verankern. Ein krasses Beispiel hier in Österreich ist der „Asylant“. Österreichs Rechte haben daraus den „Schein-Asylanten“ gemacht, und zwar so lang, bis sie irgendwann den „Schein“ wieder weglassen konnten.

    Anderes Beispiel: In Österreich wurde von der FPÖ die Gleichung „farbiger afrikanischer Asylant“ == „Drogenhändler“ fix etabliert. Einfach so. Es reicht, wenn man es oft genug sagt.

    Lassen wir uns den Begriff „Shitstorm“ nicht einfach aufdrängen und verwenden wir ihn vor Allem nicht selbst. Ich weiss nicht woher er kommt, er mag aus unserem Lager kommen, aber mit Artikeln wie diesem ist er verbrannt. Da gibt’s nur eines: klar zurückweisen und die Kampagne der Pro-ACTA-Lobby als „Shitstorm der traditionellen Medien“ bloßstellen. Genau das ist es nämlich.

    1. Das war auch mein Gedanke. Zu oft kam das Wort Shitstorm in dem Artikel vor.
      Und die Demos wurden in der Bildergallerie kurzerhand zu einem Offline-Shitstorm umbenannt.

  19. So weich und populistisch der Artikel von Amann ist, so nützlich ist er: er hält auf ähnlich weichem Niveau eine m.E. nachvollziehbare Begründung dafür bereit, dass Politiker tatsächlich sich haben beeindrucken lassen von digital geführten Demonstrationen, ob analog oder nicht, spontan oder nicht. Hiervon waren die allermeisten allerdings weit über dem Niveau von Shitstorms, und besser informiert als die FAZ hier darstellt.

    ACTA jedenfalls wird derweil öffentlich abgelehnt, und sei es nur weil die Lobby sich von den digitalen Klowänden hat anstinken lassen. Das haben alle Aktiven zusammen gut hingekriegt! Der Politikbetrieb wird sich hieran gewöhnen müssen sachlich gut informierte Gegenüber zu haben. Ein inhaltliches „Umdenken“ in Bezug auf die Ziele von ACTA hat aber noch nicht überall stattgefunden.

    Ich mag zweierlei festhalten: digitaler Protest, und digital organisierter analoger Protest wirkt. Check. Zweitens: noch sind wir führend, weil nicht die bloße Technik, sondern der Wille gegen Unsinn offenbar ausreichend wirkungsvoll umgesetzt werden kann.

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