USA machen in Europa Lobby für Urheberrecht-Netzsperren

In den USA sind Netzsperren wegen Urheberrechtsverstößen längst üblich. Wohl als Teil ihrer Internet-Freedom-Kampagne wollen die USA nun diese Sperren nach Europa exportieren.

Seit gestern finden in Brüssel ein Treffen mit RIPE, ARIN, großen Registraren & Domainverwaltungen und dem FBI in Brüssel statt. Dabei geht um die Netzsperren nach US-Modell, die nicht über recht popelige DNS-Sperren, sondern durch direktes Beschlagnahmen der Domain beim Registrar funktionieren. Auch solche Sperren lassen natürlich nicht den Inhalt der Seiten endgültig verschwinden, der weiterhin über die IP erreichbar ist, aber die Domain ist auf jeden Fall futsch.

Interessant am US-Vorstoß ist, dass man gar nicht mehr den Umweg über Terrorsmus oder Kindesmissbrauch macht, sondern direkt Tacheles redet: Urheberrecht.

Gesperrte US-Seiten reagierten unter anderem mit dem Umzug auf .eu- oder andere Domains, die sich außerhalb des Einflusses der USA befinden. Wenn man in den USA gerade die Sperrmöglichkeiten per Gesetz ausweitet ist das natürlich ärgerlich. Da formuliert man sich doch gern mal einen Einladungstext:

Die USA haben gerade eine Prozedur auf freiwilliger Basis entwickelt, um gefälschte Pharmazeutika aus dem Netz zu entfernen. Könnte das auf alle kriminellen Online-Registrationen von Domains angewendet werden?

Von den inzwischen über 190 gesperrten Seiten handelten natürlich die wenigsten mit Medikamenten. Viel öfter wurden Links zu torrent-Datein, Musikvideos etc. angeboten oder von den Nutzern in Foren erwähnt. Zur „freiwilligen Basis“ stellt Erich Moechel korrekt fest: „Da es keine rechtsverbindliche Grundlage für eine Beschlagnahme in Europa gibt, soll eben auf informeller Ebene gesperrt werden.“

10 Kommentare
Wir wollen 2016 noch schlagkräftiger werden. Unterstütze unsere Arbeit durch eine Spende für mehr netzpolitik.org, damit wir weiter kritisch und unabhängig bleiben können. Spenden