Netzpolitik

Pressespiegel: G8 & e-G8

Eine Vorschau auf die Ergebnisse des G8-Gipfels zum Thema Internet haben wir hier ja schon gegeben. Journalisten der New York Times (NYT) haben nun mit 2 Personen gesprochen, die den Entwurf zum Abschluss bereits gelesen haben. Es sieht nach einem vollen Erfolg für Sarkozys breiten Angriff auf das freie Internet aus:


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Die Regierungschefs der G8 werden auf Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor online-Straftätern, zur Stärkung des Rechts auf Privatsphäre und zum Starken Durchgreifen gegen Urheberrechtsverletzungen drängen.

Selbst die NYT-Journalisten bezeichnen das e-G8-Forum als Whitewashing:

Zusätzlich zu seiner Funktion als Seifenkiste für Herrn Sarkozy, der sich für seine Kampagne zur Wiederwahl im nächsten Frühling rüstet, bietet das e-G8-Forum ein öffentliches Fenster für die Debatten, die das Abschluss-Communiqué der G8 geformt haben.

Vielerorts fragen sich Journalisten, was genau sich hinter den wohlklingenden, leeren Phrasen Sarkozys verbirgt. Die Deutsche Welle bringt es auf den Punkt:

In Frankreich ist rigoroses Durchgreifen und straff organsierte Netzpolitik längst Realtität. Anders als in Deutschland werden dort zur Bekämpfung von Online-Kriminalität die viel kritisierten Netzsperren eingesetzt. Auch ahnden die Franzosen wiederholte Urheberrechtsverletzungen im Internet mit bis zu 300.000 Euro Bußgeld und drei Jahren Gefängnis. Schon vorher kann der französische Staat einem bereits verwarnten Wiederholungstäter den Internetanschluss für ein Jahr sperren. Um die Überwachung etwa von verdächtigen Filesharing-Plattformen kümmert sich eine eigens eingerichtete Behörde.

Jillian C. York zitiert Nova Spivak:

Wenn wir uns nicht extrem vorsichtig und eifrig bemühen, das offene Internet vor Interessen von Wirtschaft und Regierungen zu schützen, glaube ich, dass wir am Ende ein Internet haben werden, dass eher einem Gefängnis, als einer Startrampe für eine fortschrittliche Entwicklung der Menschheit gleichen wird.

Jérémie von la quadrature du net wandte sich mit einem harschen Publikumsbeitrag an das e-G8-Forum, für den er großen Zuspruch erhielt. Mein Französisch reicht leider nur fürs grobe Verstehen, und nicht fürs Übersetzen aus. Im Youtube-Kanal des eG8-Forums findet sich eine Version mit amerikanischer Simultanübersetzung. Diese hat ein YouTube-Nutzer freundlicherweise etwas gekürzt nur die Statements von John Perry Barlow und Jérémie Zimmerman übrig gelassen. Hier  direkt zu Jérémies Intervention. In unseren Kommentaren findet sich auch eine deutsche Übersetzung.

[Update]

Torsten Kleinz titelt treffend mit einem Zitat John Perry Barlows: „Ich glaube, wir kommen nicht vom selben Planeten“:

Internet und Politik zu vereinen – das war das erklärte Ziel des eG8-Forums in Paris. Doch die Veranstaltung zeigte einmal mehr, wie tief die Gräben zwischen den Lagern sind. Bürgerrechtler reden über Freiheit und einen neuen Lebensraum, Politiker und Wirtschaftsbosse vom Geschäft.

[…]

Doch einigen Gästen reichte es nicht, den G8-Gipfel durch ihre Anwesenheit zu legitimieren. Als John Perry Barlow, Mitgründer der amerikanischen „Electronic Frontier Foundation“ zu einer Podiumsdiskussion geladen wurde, machte er aus seinem Unwillen keinen Hehl: „Ich weiß gar nicht, was ich auf diesem Panel soll. Die anderen Teilnehmer scheinen von einem anderen Planeten zu kommen“. Die von den Industrievertretern geforderten verschärften Maßnahmen zur Durchsetzung des Urheberrechts wies er zurück: „Man kann freie Rede nicht besitzen“. Damit distanzierte er sich auch von Industrievertretern wie dem Google-Aufsichtsrat Eric Schmidt, der davon fabuliert hatte, technische Lösungen gegen Urheberrechtsverletzungen zu finden, die wirkungsvoller seien als staatliche Regulierungen.

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27 Kommentare
  1. Kann mal bitte jemand ’ne Übersetzung von Jeremies Beitrag erstellen oder verlinken?

    Spreche leider kein Französisch und würde gerne verstehen, was er dort erzählt!

  2. Was ist denn in Herr Friedrich gefahren?
    Aus dem DWD-Artikel:
    „Das Internet ist zuallererst ein Ort der Freiheit, der bürgerlichen und unternehmerischen Entfaltung.“

    Das sind ja ganz neue Töne…

    1. Evtl. eine Reaktion auf die Serie der Wahlpleiten für die Union?

      Mit der reaktionären Netzpolitik (und vielem anderen) fahren sie bei den jüngeren Wählern vor die Wand. Und das überwiegend greise Unionsklientel stirbt nach und nach weg. Also quasi ein demografischer Wählerschwund, den die Union erleidet (neben Abwanderern natürlich). Und mit einer moderneren Ausrichtung der Netzpolitik versucht man dagegen vorzugehen, indem man sich für nachrückende Jungwähler attraktiver macht.

      Das ist meine Einschätzung der Motivationslage hinter diesen neuen Tönen.

    1. In diesem längeren Segment, das zumindest am Anfang und in der Mitte ganz interessant ist — zufällig also immer dann, wenn John Perry Barlow als einziger auf dem Podium vernünftig spricht — kommt am Ende auch die Frage von Jeremie vor (ab Minute 28).

      http://www.youtube.com/watch?v=U0Nl2Xnmd5g

      Die Simultanübersetzung verdreht seine Aussagen jedoch gegenüber dem was auf universalsubtitles steht. Ich empfehle trotzdem, in das Video reinzuschauen, um den Kontext besser zu verstehen. Man hört dort vor allem auch wie Jeremies Frage hochkompetent beantwortet wird.

      (Update [;)]: Das Video öffnet übrigens ziemlich exakt mit dem Zitat das Linux oben ins Update eingefügt hat: „Ich glaube, wir kommen nicht vom selben Planeten“)

  3. Hier eine sprachlich etwas holprige, aber ich hoffe, inhaltlich korrekte Übersetzung:

    Hallo, ich bin Jeremie Zimmermann, Mitbegründer von La Quadrature Du Net.

    Ich möchte rasch einige Dinge darlegen, die in dieser Debatte zu fehlen scheinen und die möglicherweise das Verständnis hinsichtlich der Krise der globalen Legitimität, welche das Urheberrecht Gefahr läuft, zukünftig zu begegnen, wenn es das nicht bereits tut.

    Zuallerst: für eine Generation von Usern, die die Digitaltechnik nutzen und in sie hineingeboren wurden, gehören Bilder, Videos oder Musik zu ihren Ausdrucksmitteln.

    Wenn sie von deren einwilligungsfreien Gebrauch als Ausdrucksmittel abschrecken, dann schrecken sie auch von der Redefreiheit ab, über die John gesprochen hat.

    (Off: Man schreckt von gar nichts ab)

    Weiterhin: Formen des Gebrauchs, die vor dem Internet nicht reguliert wurden.

    Ich denke an das Recht zu lesen, das Recht zu borgen, das Recht zu teilen.

    In der digitalen Umwelt, Herr Minister, erstellt man jedesmal, wenn man liest, eine Kopie.

    Der Akt des Lesens und der Kopie sind untrennbar verbunden.

    Wenn sie um jeden Preis versuchen, von der Kopie abzuschrecken, schrecken sie unweigerlich, verhindern sie Lesen, Teilen und den Zugang zu Kultur.

    Abschließend: es gibt einen weiteren Fakt, der in der Debatte fehlt.

    Ich hörte Mr. Dianopoulos sagen: „Leute, die Bittorrent nutzen, sind nicht meine Kunden“.

    Ich versuche höflich auszudrücken, was ich davon halte.
    Es ist einfach nicht wahr.
    Es ist einfach falsch.

    Es gibt nicht nur Studien, die gezeigt haben, daß diese Leute ihre besten Kunden sind,
    sondern es ist sogar eine Studie von Hadopi in Frankreich auf Seite 45,
    die ausnahmslos bestätigt, daß diejenigen, die am meisten über das Internet teilen,
    die sind, die am meisten ausgeben.

    Ich bin gleich fertig.

    Was sie komplett zu vergessen scheinen, ist, daß Kultur, Musik und Filme
    Dinge sind, die wir mit unseren Gefühlen lieben.

    Wenn wir etwas lieben,
    sind wir immer bereit, Schöpfung zu unterstützen und zu helfen.

    Wir sind keine Diebe.

  4. Vielen Dank für die Übersetzung!
    Und natürlich auch für den eng Link der Veranstaltung.
    universalsubtitles sagt mir leider das dieser link nicht existieren würde.

    1. Ach herrje,
      das ist vonseiten des DLF bzw. des Interviewers aber mal keine Sternstunde, außer er wollte besonders provokativ sein.

      Kleines Zitat:
      Mag sein, daß Sarkozy zu regulierend ist, was das Internet betrifft.
      Trotzdem wissen wir alle, daß es Probleme gibt mit dem weltweiten Netz.
      Es gibt zum Beispiel die Frage um die Urheberrechten. Es werden ja permanent Texte und Musiken gedownloadet ohne dafür zu bezahlen. Wir haben zuletzt diese vielen Plagiatsfälle gehabt. Dann haben sie selber das Stichwort Kinderpornographie angesprochen. Regeln müssen doch geschaffen werden, um bestimmte Dinge einzuhalten, oder?

      Ich meine, WTF?

      Da werden ohne zu bezahlen Texte und Musiken gedownloadet!!! Mach ich auch ständig. Ich lese Texte in Blogs und höre Musik, die unter einer CC-Lizenz steht. Allerdings drücke ich hin und wieder auf den Flattr-Button und drücke in monetärer Weise meine Anerkennung für eine kreative Leistung aus.

      Und all diese Plagiatsfälle. Da ist das Internet ja ein echtes Problem. Hat es diese doch alle aufgedeckt, akribisch belegt und damit Mächtige zum Straucheln gebracht.

      Und natürlich Kinderpornographie. Das größte Problem unserer Zeit im Internet neben dem islamistischen Terrorismus. Ganz klar.

      Herr, wirf Hirn vom Himmel.

      Danke aber an Markus, der bei soviel Rotz gelassen geblieben ist.

      1. Japp, das kann er, der Markus: bei noch so dummen Fragen gelassen bleiben.

        Allerdings darf man nicht vergessen, welches Zielpublikum das DFL hat. Das sind noch immer (und werden es noch lange bleiben) digitale Analphabeten. Allein der Sendeplatz des Interviews um 5:11 h sagt einiges aus. So gesehen nimmt der Interviewer lediglich die Position des durchschnittlichen DLF-Hörers ein und stellt genau die dummen Fragen, die der Hörer wahrscheinlich stellen würde.

        Oh, und auch von mir ein Dankeschön für deine Übersetzung. Französisch (sprechen) war nie so meins.

  5. Youtube ist legal und wird kontrolliert und mit Gema die Künstler bezahlt. Tube8.com ist eine Kritische Pornoseite die OK/gut, Sei.

  6. Spam ist eine Werbestrategie die man Besteuern könnte wenn in Firmenintresse, eigentlich DOCH eine gute ‚Sache, war sehr Manipuliert mit starkem Richtmikrophon, Höllenpech.

  7. Was ich versuch ist meine Ruhe zufinden und mich zufrieden zu fühlen und mich am sehen zu erfreuen mit Mentaler Anstrengung. Bin Gestört.

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