Datenschutz

Kommentar: Schleswig Holstein darf nicht mehr Liken

Stellen wir uns mal vor, Paypal würde auf einmal versuchen, das US-Kuba-Embargo in deutschen Onlineshops durchzusetzen.

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Oder stellen wir uns vor, die EU käme auf die Idee, einen virtuellen Schengen-Raum zu schaffen, inklusive Grenzkontrollen auf illegale Inhalte.

Wie wäre es damit: Wir wollen eine Leaking-Plattform betreiben, versuchen uns dafür extra in Island mit Hilfe der IMMI einen Datenfreihafen zu schaffen, und dann würde der auf einmal in Deutschland zensiert.

Oder wie würden wir dazu stehen, wenn die GEMA uns den Zugang zu Musikvideos auf YouTube wegnehmen würde? Und das obwohl die Künstler das selbst nicht wollen?

Was wäre wohl, wenn in Deutschland jemand auf die Idee käme, illegale Inhalte per Stopp-Schild zu sperren? Und zwar nicht nur schwerstkriminelle?

Das fänden wir doch sicherlich alle reichlich kacke.

Aber stellen wir uns doch mal vor, in Kiel käme man auf die Idee, die Einwohner Schleswig-Holsteins zur Entfernung der Facebook-Like-Buttons zu zwingen, die sie in der Hoffnung auf mehr Traffic in ihre Seiten eingebaut haben.
Weil das inzwischen jeder so macht, auch wenn Facebook gegen das deutsche Datenschutzrecht verstößt, und keinem dabei so richtig wohl ist. Stellen wir uns also vor, weil Facebook nicht in der Jurisdiktion Deutschlands, und erst recht nicht der Kieler Datenschützer liegt, würde man sich stattdessen die Nutzer vorknüpfen – so wie man es schon vor einigen Monaten im BMELV ausgemalt hat.

Da wäre doch sicherlich mit viel Verständnis zu rechnen! Vor allem wenn Thilo Weichert dann noch ankündigt, er wolle beim Durchsetzen des Gesetzes selektiv vorgehen, und nicht etwa alle, sondern nur ein paar Auserwählte zur Rechenschaft ziehen. Das werden die Einwohner Schleswig-Holsteins doch sicher sofort verstehen! Immerhin gibt der weise Vormund besonnene Sätze wie

Wir werden die Eskalation suchen und dazu das gesamte Instrumentarium nutzen.

von sich, die uns das Vertrauen lehren. Da sieht man doch als Schleswig-Holsteiner Webmaster sofort ein, warum es unabdinglich ist, den Like-Button von den 15.799,38 Quadratkilometern Schleswig-Holsteins zu verbannen. So macht man sich Freunde!

„Lass da mal die Finger von, das ist schlecht für dich!“ klappt – trotz aller guten Absicht – in der Drogenpolitik und in der Sexualkunde übrigens auch nicht. Deshalb setzten dort progressive Kräfte seit Jahren auf Aufklärung.

In diesem Sinne: Hier habt ihr ein paar Facebook-Kondome und ein Aufklärungsheft, und dann könnt ihr ja selbst entscheiden.

(Wer hierzu eine andere Meinung lesen will, dem sei dieser Beitrag des binnenpluralistischen Blogs Netzpolitik.org von kontrapunkt empfohlen)

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40 Kommentare
  1. Warum du zum Schluß allerdings für das Alarmismus-Buch von Panik-Constanze und ihren CCC-Kumpel Werbung machst, erschließt sich mir nicht.
    DIESE Art der „Aufklärung“ spielt doch den deutschen Weichert-Gehirnen voll in die Arme. Selbst das letzte Kapitel ist bis zum letzten Wort unkonstruktiv alarmistisch.

  2. „Weil das inzwischen jeder so macht, auch wenn Facebook gegen das deutsche Datenschutzrecht verstößt, und keinem dabei so richtig wohl ist“

    Eben, und die meisten Besucher dieser Seiten checken nicht mal, was das technisch bedeutet. Was geht es das dumme Gesichtsbuch an, welche Seiten ich besuche? Was ist so schlimm daran, es mal zu regulieren? Ein „Like“-Button lässt sich gewiss auch ohne Datenspionage realisieren, etwas Regulierung in der Richtung ist da ein angemessener Tritt in den Arsch. Scheinbar haben aber viele das FDP-artige „man darf doch ein Unternehmen nicht einschränken!“-Mantra derart verinnerlicht, dass allein die Idee schon Blasphemie darstellt. Ich habe nie verstanden, warum man das nicht tun sollte. Ich bin völlig dafür. Packt sie am besten beim Geld, das ist das einzige Ohr, auf dem sie nicht taub sind.

    „Fritzi Volldepp, Erna Schleimdummrum und 87 anderen gefällt das!“ – was kümmerts mich? Weg mit dem Scheiß. „Liked“ euch gefälligst lokal auf eurer heßgeliebten Gesichtsseite, das reicht ja wohl.

  3. Das Thema ist bei weitem nicht so dramatisch, wie uns Postprivacy-Freaks gern glauben machen möchten. Das ist keine Zensur, und sie richtet sich auch nicht gegen den Nutzer wie hier suggeriert wird, sondern gegen Facebook. Niemand muss den Facebook-Button so einbinden wie das üblich zu sein scheint (oder ihn überhaupt einbinden). Ehrlich gesagt dürfte es um die Blogs auch gar nicht schade sein, die dann nicht mehr „geliked“ werden können (mir wird schon von dem Wort übel) und weniger von dem ach so begehrten Traffic bekommen.

    Das ganze Thema ist eine Frage des Verbraucherschutzes. Solange nicht alle frenetischen Postprivacy-Fuzzies bereit sind, auch der letzten Oma in diesem Land die Antitracking-Tools zu installieren (ja, dann habt ihr keine Zeit mehr euch schnell noch in einen hippen Place einzuloggen und mir damit die Twitter-Timeline vollzumüllen), solange kann man die doch gar nicht ernst nehmen. Die scheinen nur noch in ihren kleinen IT-Blasen zu leben, „normale“ Menschen, die von der Technik keine Ahnung haben und sich damit auch gar nicht beschäftigen wollen (ja, das gibt es, und das sind nicht automatisch Untermenschen), scheinen die schon lange nicht mehr getroffen zu haben.

    Und gerade die alte Oma oder der sonst Unkundige ist eine besonders leichte Beute für die personalisierte Werbung, die ihm anschließend präsentiert wird. Für mich ist das Hausiererei bei alten Leuten und ich verachte das. Aufschlussreich, wie vehement und gewissenlos trotzdem für diese Zwecke geworben wird.

      1. Er meint doch, dass die Postprivaten dann empört „Zensur“ schreien, wenn die beknackten supi-Buttons ihrer geliebten Exhibitionismusplattform entfernt werden müssen, selbst wenn diese offensichtlich spionieren und dir beim Surfen über die Schulter gucken. Motto: Intransparente Unternehmen sind immer gut, der demokratische Staat aber ist ganz böööse.

    1. Das Problem der anti-kapitalistischen Webkritik, wie sie sich bei dir präsentiert, ist, dass die dahinterstehende Alternative eben eher biedermeierisch reaktionär als zivilgesellschaftlich-progressiv ist.

      1. Von mir aus kannst du dich gerne nackig machen so viel du willst, solange du andere damit nicht belästigst. Inwiefern das antikapitalistisch ist, würde ich aber doch gern noch wissen. Geht das so Richtung Tea-Party, nach dem Motto: alles was Staat ist, ist schlecht? Dann geh doch bitte auch in die USA.

      2. Blinky Blinky! Flashy Flashy! Likey Likey! SEO!
        Abmahny! Kontrollety! Shoppy, Shoppy! Blinkey Blinkey! Buy now!

        Tolle Wurst, das topmoderne kommerzielle Internet, da gehts sofort voran mit der Zivilgesellschaft. Merkt man ja allerorten. Likey, likey.

      3. Wenn du deine eigene anti-kapitalistischen Tendenzen nicht siehst, bist du halt ein weiterer Beweis, dass das geifernde Nerdistan für einen Diskurs um die Zukunft ungeeignet ist.

      4. In my book ist es trotz aller Bemühungen der INSM hierzulande immer noch legitim und statthaft, gegenüber dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem eine andere als eine affirmativ-jubelnde Haltung einzunehmen. Du kannst ja gerne daran arbeiten, das zu ändern, wenn du meinst, die Welt würde dadurch ein besserer Ort, und wir alle freier.

      5. @Amsel genau lesen hilft: Ich kritisiere die unreflektierte anti-kapitalistische Nerdhaltung. NICHT die kritische Haltung gegenüber dem Auslaufmodell Kapitalismus.

      6. Mann bist du ein Schwafler…
        Leere Worthülsen ohne jegliche Substanz.
        Vielleicht wenn du weniger an den Formulierungen feilen und ein paar Argumente hinzufügen…?

      7. @hans Nur weil das kleine Nerd-Hänschen ein paar Worte nicht versteht, muss ich noch lange auf Worte mit Bedeutung verzichten. Bei dem Niveau auf dem hier versucht wird, die Illusion von Meinung zu erzeugen, kannst du nicht erwarten, dass sich ernsthaft denkende Menschen die Mühe machen, dieses digitale Kindergartengeschrei en detail auseinanderzunehmen.
        Schützt mal schön die Omas vor dem pösen pösen Facebook, aber glaubt doch bitte nicht, dass ihr damit den Wandel zu einer Informationsgesellschaft „gestaltet“. Wo ist bitte der Versuch ein umfassendes Bild einer Gesellschaft zu zeichnen, die den gerade entstehenden Informationsrealitäten gerecht wird? Gegen dies oder gegen jenes zu sein ist Stückwerk. Das versammelte geifernde Nerdistan laesst sich von einer Erregungs-Baustelle zur nächsten hetzen. Und solch einen Haufen soll ich als die Avantgarde der digitalen Kompetenzträger anerkennen? Was man hier so im Allgemeinen liest, zeigt einfach größtmögliche Unreflektiertheit untermalt mit einer unerträglichen Biedermeier-Betroffenheitskultur.

  4. Also den Vergleich finde ich interessant.

    Auch wenn er sicherlich den Nagel nicht so ganz auf den Kopf trifft, bin ich dennoch der Meinung, dass an dem Ergebnis zu dem du kommst was ganz grundsätzliches dran ist.

    Wenn ich Leute zu etwas bewegen will ist druck von oben im Normalfall keine gute Idee, weil infolge des produzierten Widerstands einfach wenig zweckdienlich.

    Andererseits darf man nicht übersehen, dass diese Like-Geschichte schon etwas überhand nimmt dieser Tage, so dass dieses Vorgehen des ULD bei mir nicht völlig auf Unverständnis verstößt.

    Die Rechtslage habe ich mir selbst noch nicht angesehen, daher kann ich dazu noch nicht viel sagen.

    1. Na und, das ULD sagt ja auch nicht, dass sie Facebook abschafen wollen. Nur weil der Datenschutz da nicht stimmt, ist ja das Konzept Social Network nicht gleich durch.

      Ich denke auch mal, die wollen hier nichtmal wirklich groß die ganze Welt abmahnen, sondern mit dieser Eskalationstaktik Druck auf die Politik ausüben. Das kann ich durchaus verstehen. Mit normalen Argumenten bewegt sich in letzter Zeit einfach nichts…

      Und mal erlich, dann „liken“ ein paar Leute halt mal eine Weile weniger, who cares? Der Schaden für den einfachen Internetnutzer ist quasie nicht vorhanden. Ohne Likes geht das Internet nicht kaputt ;)

  5. Wird hier jetzt eigentlich alles was nicht 1000%ig neutral formuliert wird als „Kommentar“ gekennzeichnet?

    Ich dachte bisher, netzpolitik hätte eine Meinung und wäre nicht nur netzpolitische Berichterstattung….

    Weniger „Kommentare“, mehr Kommentare bitte!

    1. Als Distanzierung des Autors?

      Zu dem Thema kann man viele Meinungen haben, es ist eben vielschichtig. Grundlegend ist die Geringschätzung des Staates als Ordnungsmacht, verkommen zum Witz des Profillöschdrohers.

  6. Die klassischen Like-Buttons sind halt wie Kameras in (fast) jedem Ladengeschäft der Stadt, die den Stream zu einem Anbieter in den USA übertragen. Klar, ich kann nur noch mit Sonnenbrille einkaufen, und ja, es gibt da richtig coole Sonnenbrillen und Hüte mit breiten Krempen, die top chic aussehen, und nebenbei das Gesicht verdecken, aber sollte man nicht lieber die Kameras entfernen?

  7. Armes Schleswig-Holstein. Was fuer ein Bullshit vom sogenannten Datenschutzminister. Mit solch einer vorsintflutlichen Geisteshaltung hat Innovation in Deutschland nie eine Chance.

    1. Was für „Innovation“ soll denn ein stupider „gefällt mir!“-Button darstellen, der obendrein noch spioniert? Da war man doch schon mal weiter.

      1. Es geht mir hier mehr ums Prinzip als um den ‚Like‘-Button. Wie ich hier drueben schrieb:
        Das Verhalten des sogenannten Datenschutzbeauftragten zeigt mal wieder auf, was in Deutschland schieflaeuft. Bevormundung und Ueberregulierung ist leider an der Tagesordnung und wird von deutschen Kleingeistern leider auch noch unterstuetzt.
        Innovative Firmen, insbesondere viele Startups, werden in anderen Laendern gegruendet, nur nicht in Deutschland. Armes Land.

  8. Hmm… Verstehe ich nicht dieses ganze Drama. Ist es denn nicht jedem selbst überlassen ob er den Like Knopf drückt? So lange wie man diesen nicht anklickt weis Facebook nicht das ich dort war. Der Knopf dienb lediglich dazu um meinen Freunden zu zeigen das mir eine gewisse Seite gefällt. Wenn diese auf die Seite gehen ist es immer noch ihre eigene Entscheidung.

    Total sinnloses Thema und sinnlose Auseinandersetzung.

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